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Der grüne Star

Wenn Menschen und Objekte «unsichtbar» werden, liegt das wohl eher selten an magischen Fähigkeiten, sondern meist am Auge des Betrachters. Hat man nämlich den grünen Star, kommt es zu Gesichtsfeldausfällen, die vom Gehirn überspielt werden – speziell im Strassenverkehr wird das schnell gefährlich.

Was ist der grüne Star?

Der grüne Star, auch Glaukom genannt, ist eine Schädigung des Sehnervs. Der Name kommt von der leicht grünlichen Färbung des Auges bei einem am Glaukom erblindeten Patienten und hat mit dem Vogel Star nichts zu tun. Die Krankheit schreitet im Normalfall sehr langsam fort, und Symptome gibt es keine, denn schmerzhaft ist ein Glaukom nicht. Leidet man am grünen Star, kommt es zu Gesichtsfeldausfällen.

Was sind Gesichtsfeldausfälle?

Im Blickfeld sind immer mehr und immer grössere Felder nicht mehr sichtbar, es entstehen gleichsam schwarze Löcher. Das Gehirn «kompensiert» das Fehlen dieser Informationen und füllt die Lücken. Steht beispielsweise eine Vase auf einem Holztisch und das Auge «sieht» diese Vase nicht, kaschiert das Gehirn die schwarze Lücke und füllt sie mit dem Sichtbaren, was in diesem Fall der Holztisch wäre. Für den Betrachter wirkt es dann, als stünde keine Vase auf dem Tisch, da er sie nicht sieht – aber auch nicht merkt, dass Informationen fehlen. Das kann speziell im Strassenverkehr sehr schnell gefährlich werden, da Betroffene Passanten oder Objekte schlichtweg nicht sehen.

Wie bekommt man den grünen Star?

Der Hauptrisikofaktor für den grünen Star ist ein hoher Augendruck. Im Auge befindet sich eine Flüssigkeit (Kammerwasser), die in einem empfindlichen Gleichgewicht zwischen Produktion und Abfluss ist. Funktioniert der Abfluss nicht mehr einwandfrei, erhöht sich der Augendruck. Etwa zwei bis vier Prozent der Bevölkerung haben einen erhöhten Augendruck, bei ungefähr einem Fünftel davon bildet sich ein Glaukom. Das Risiko des grünen Stars steigt mit zunehmendem Lebensalter, die Familiengeschichte spielt eine Rolle und die ethnische Abstammung ebenso. Diese Faktoren lassen sich allerdings nicht beeinflussen, weshalb der Augendruck die wichtigste Rolle spielt. Zudem gibt es verschwindend kleine Risiken wie beispielsweise das Spielen eines Blasinstruments oder regelmässiges Yoga (Übungen kopfüber). Im Gegensatz zu vielen anderen Krankheiten haben die Ernährung, Rauchen oder Bewegungsmangel keinen oder zumindest keinen wissenschaftlich nachgewiesenen Einfluss.

Wie häufig ist diese Krankheit?

Weltweit leiden ca. 70 Millionen Menschen an einem Glaukom. Ab dem Alter von 40 Jahren steigt das Risiko, weshalb empfohlen wird, sich regelmässig vom Augenarzt untersuchen zu lassen. Da Betroffene keine Symptome spüren und das Gehirn das Fehlen von Informationen kaschiert, ist eine regelmässige Untersuchung sehr empfehlenswert, speziell wenn weitere Risikofaktoren gegeben sind. Dadurch kann ein fortschreitendes Glaukom schnell erkannt und behandelt werden, bevor es zu massiven Gesichtsausfällen kommt, die irreparabel sind. Die Kosten für diese Untersuchung werden im Gegensatz zu üblichen «Checkups», die oft selbst bezahlt werden müssen, von der Krankenkasse übernommen.

Kann der grüne Star geheilt werden?

Der grüne Star kann nicht geheilt werden. Einzig eine Verzögerung oder ein Stopp des Krankheitsverlaufs kann erreicht werden, meist durch Augentropfen, die den Druck im Auge senken. Nützen diese nichtinvasiven Therapien nicht mehr, kann das Auge gelasert oder operiert werden, um beispielsweise den Abfluss zu verbessern. Wird der grüne Star hingegen gar nicht behandelt, schreitet die Krankheit fort und die Betroffenen erblinden.

Hilft Cannabis bei grünem Star?

Sind alle anderen Behandlungsmöglichkeiten, von Augentropfen bis zur Operation, ausgeschöpft oder nicht wirksam, können Patienten auf medizinisches Marihuana zurückgreifen. Das darin enthaltene THC senkt den Augendruck ebenfalls – allerdings nur, solange das Cannabis wirkt. Das bedeutet, dass diese Patienten mehrmals täglich Cannabis konsumieren müssen, was einen normalen Arbeitsalltag kaum zulässt. Wirksam ist Cannabis allerdings schon.

Was ist der Unterschied zwischen dem grünen und dem grauen Star?

Der grüne und der graue Star sind zwei komplett unterschiedliche Augenkrankheiten, die wegen der Namensähnlichkeit oft verwechselt oder sogar «vermischt» werden. Der graue Star ist eine Trübung der Augenlinse, tritt meist altersbedingt auf und schadet dem Auge nicht. Er kann sehr gut operativ entfernt und damit vollständig geheilt werden – dieser Eingriff ist in den industrialisierten Ländern die am häufigsten vorgenommene Operation.

Augenklinik
Die Augenklinik betreut Patientinnen und Patienten mit Erkrankungen des Auges und seiner Anhangsorgane.
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