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Blick in die Nachbarschaft

Und ewig dreht sich das Rad

Die Anfänge des KSW gehen auf das Jahr 1886 zurück, als der Kanton der Stadt Winterthur das zehn Jahre zuvor eröffnete Einwohnerspital für 400’000 Franken abkaufte. Nicht viel später, 1902, gründete Julius Maier in Wülflingen ein Velogeschäft, das es heute an einem anderen Standort immer noch gibt und das mittlerweile zu einer Institution geworden ist.

Seit 1968 wird der Laden an der Schaffhauserstrasse 73, einen Steinwurf vom KSW entfernt, von seinem Enkel Hansruedi geführt. Dieser ist noch ein «Velomech» alter Schule mit blauer Arbeitskleidung, dem sogenannten «Übergwändli», und mit schwarzen Fingerkuppen. Fragen zu den im Laden ausgestellten Zweirädern beantwortet er mit viel Wissen und Hingabe.

«Es gibt Leute, die wissen ganz genau, was sie wollen, andere hingegen sind froh um meine Beratung»

Je nach Bedürfnis der Kunden gibt er Empfehlungen sowie Tipps und rät von einer vorgefassten Meinung ab. Die Preise kennt er auswendig. Unterstützt wird er, der schon im Pensionsalter ist, von drei Angestellten.

Blick zurück mit Wehmut

Man merkt sofort: Der Mann weiss aus langer Erfahrung, wovon er spricht. Schliesslich hatte Hansruedi Maier jahrelang auch eigene Velos entwickelt, bei Schweizer Velofabriken bauen lassen und unter dem Namen velomaier verkauft. «Das war damals, als Velorahmen noch aus Stahl und nicht aus Aluminium oder Karbon gefertigt wurden», blickt er etwas wehmütig zurück.

Bevor er den elterlichen Betrieb übernahm und in die Fussstapfen seines Vaters und Grossvaters trat, «habe ich die Metallarbeiterschule in Winterthur besucht», die heutige Mechatronik Schule MSW, und den Beruf von der Pike auf gelernt.

Fast 20 Jahre lang unterhielt Maier in den 1970er- und 1980er-Jahren auch Rennteams, die nationale und internationale Erfolge feiern konnten. Richard Trinkler aus Winterthur war der wohl bekannteste dieser Fahrer, an den sich ältere Jahrgänge sicher noch erinnern. Durch den Niedergang der einheimischen Zweiradproduktion und deren Verlagerung nach Fernost konstruierte Maier selber keine Velos mehr.

Doch bis heute verkauft er Modelle, die seinen Namen tragen und die, wie es eben heute üblich ist, aus asiatischer Produktion stammen. Das sind vor allem Alltagsvelos, wie sie in Winterthur so beliebt und verbreitet sind.

Daneben vertreibt er Produkte der Marken Koga (NL), Cannodale (USA) und KTM (A): Von Citybikes über Mountainbikes, Kindervelos, Rennvelos bis hin zu E-Bikes hat er alles im Angebot und in seinem Geschäft, das aus mehreren Gebäuden besteht, ausgestellt. Im von der Strasse etwas zurückgesetzten Haus befindet sich das Büro. Über dem Eingang prangt noch das alte Maier-Logo mit dem grossen «M» zwischen zwei Flügeln und erinnert an vergangene Zeiten.

Patient und Partner

Mit dem Kantonsspital verbindet Hansruedi Maier einiges. Durch die Nachbarschaft liegt es natürlich auf der Hand, dass viele KSW-Mitarbeiter ihre Zweiräder bei Velomaier in den Service geben und Reparaturen beheben lassen. Abgesehen davon, dass der Patron schon einmal Patient war und sich sehr gut aufgehoben fühlte, führt er jeweils beim KSW im Sommer eine Gratis-Velokontrolle und einen Sicherheitscheck durch.

Und bei der Aktion «Bike to work» zur Gesundheitsförderung ist Hansruedi Maier Partner des KSW und stiftet Wettbewerbspreise. Ob die Familiendynastie der Maiers in Winterthur nach 116 Jahren weitergeht, ist offen.

«Was kommt, weiss ich noch nicht»

Sicher nicht in den elterlichen Betrieb einsteigen wird die Tochter, Barbara Günthard-Maier. Als FDP-Stadträtin in ihrer Heimatstadt ist sie anderweitig engagiert, hat aber als Vorsteherin des Departements Sicherheit und Umwelt regelmässig beruflich mit Zweiradfragen zu tun. So schliesst sich der Kreis doch irgendwie.