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Blick in die Nachbarschaft

Liebliche Klänge hallen durchs Quartier

In unmittelbarer Nachbarschaft zum KSW, nur etwas die Rychenbergstrasse aufwärts, steht mitten in einem Park eine herrschaftliche Villa, aus der tagsüber meistens fröhliche klassische Musikklänge zu vernehmen sind. Viele namhafte Musiker, Sänger und Dirigenten, aber auch Maler wie Ferdinand Hodler sind in diesem Gebäude schon ein- und ausgegangen.

Die Rede ist von der Villa Rychenberg, die heute dem Musikkollegium Winterthur als Geschäftsstelle dient und wo das Konservatorium Winterthur zahlreiche Übungsräume für seine Schüler hat. Wenn man das Gebäude aus dem Jahr 1888 betritt und die schwere Holztüre öffnet, verstärkt sich die Musik, bleibt aber trotzdem stets dezent im Hintergrund. Je nach Wochentag und Uhrzeit hallen Klavier-, Streicher- oder Bläserklänge durchs Haus. Es wird aber auch Jazz sowie Rock gespielt und in Chören gesungen.

Ehemaliges Volkart-Wohnhaus

Ursprünglich diente die stattliche Villa der Familie von Theodor Reinhart, dem Eigentümer des berühmten Winterthurer Handelsunternehmens Volkart, als Wohnhaus, als Sitz am Lindberg. Werner, einer von vier Söhnen, der ein Faible für Musik hatte, selber Klarinette spielte und Kontakt zu vielen Künstlern pflegte, übernahm das Gebäude von seinen Eltern und vermachte es rund 30 Jahre später zusammen mit dem Park bei seinem Tod im Jahr 1951 dem Musikkollegium.

Mit der Schenkung war die Auflage verbunden, einerseits in der Villa eine Musikschule zu betreiben und anderseits den Park zu einem öffentlichen Naherholungsgebiet zu machen. Heutzutage trägt der Park zum Ruf Winterthurs bei, eine Gartenstadt zu sein. Im unteren Teil des Parks, Richtung Gottfried-Keller-Strasse, können sich Kinder auf einem Spielplatz vergnügen. Für KSW-Mitarbeitende bietet sich der Park im Sommer für die Mittagspause an.

Die zweistöckige Villa ist architektonisch streng symmetrisch konzipiert und hat eine Veranda aus Gusseisen. Sowohl das Erdgeschoss wie auch das Obergeschoss ist in Sichtbackstein gehalten. Oben bildet ein hohes, gekapptes Walmdach mit einer Zinne den Abschluss.

Die Räume im Erdgeschoss, die auf die Stadt hin ausgerichtet sind, werden heute von den zehn Personen der Geschäftsstelle des Musikkollegiums als Büros und Sitzungszimmer genutzt. Der Sitz des Konservatoriums befindet sich auch im Rychenbergpark, aber in einem anderen, moderneren Gebäude.

Musikgenuss unter freiem Himmel

Wie Samuel Roth, Direktor des 1875 als Stadtorchester gegründeten Kollegiums, bei einer Tasse Kaffee in der ehemaligen Bibliothek der Reinharts sagt, geben die 50 Vollzeitmusiker aus rund 20 Ländern unter der Leitung von Dirigent Thomas Zehetmair pro Jahr immer so um die 70 Konzerte, davon mehr als die Hälfte im Stadthaus Winterthur.

«Die restlichen Auftritte finden in anderen Städten der Schweiz und im nahen und fernen Ausland statt», führt er aus, wobei sie das Musikkollegium auch schon einmal bis nach Japan, China und Südkorea führen.

Im Sommer, dieses Jahr vom 7. bis am 9. Juli, findet jeweils im Rychenbergpark das Classic Openair des Musikkollegiums statt. An den drei Tagen dient der leicht abfallende Park als idealer Zuschauerraum unter freiem Himmel und mit Blick auf die Bühne.

Besonders beliebt ist jeweils der Familientag am Sonntag. Auf Decken und Liegestühlen machen es sich die Zuschauer auf der Wiese bequem, wobei viele Picknickkörbe und – je nach Wetter – Sonnen- oder Regenschirme mitnehmen. Aber auch für Firmen- oder Kundenanlässe wird das Classic Openair gern genutzt: Dabei wird vor den Konzerten in Zelten gegessen und getrunken, ehe man sich dann den musikalischen Leckerbissen zuwendet.