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Schnee, Schmerz und Herz

Wenn in aller Herrgottsfrühe ein weisser Haufen liegt, wo gestern noch mein Auto stand: Die Nerven liegen blank. Also ein beherzter Griff zur Schneeschaufel und schnellstmöglich das Vehikel freilegen, weil man ohnehin schon spät dran ist? Der Arzt warnt: Wer nicht trainiert ist und sich in klirrender Morgenkälte körperlich überanstrengt, setzt sein Herz einem Risiko aus.

Ein überraschender Schneefall über Nacht kann den Terminplan ganz ordentlich durcheinanderbringen. Die Versuchung liegt nahe, der weissen Pracht mit einer Hauruck-Aktion zu Leibe zu rücken. Ist das gefährlich?

Für Untrainierte oder Herzkranke auf jeden Fall, für sie ist die Überanstrengung in kalter Luft riskant.

Reagiert das Herz bei Kälte denn anders auf Stress?

In kalter Luft ziehen sich die Blutgefässe zusammen. Der Widerstand steigt, was dem Herz eine höhere Leistung abverlangt – beim Schneeschaufeln zusätzlich zur körperlichen Anstrengung.

Bei welcher Temperatur wird es heikel?

Entscheidend ist nicht, was das Thermometer anzeigt, es kommt auf die gefühlte Temperatur an. Konkret: Schneeschaufeln bei minus 5 Grad und einer feuchten Bise kann für das Herz gefährlicher sein als die gleiche Anstrengung in windstiller, trockener Luft bei minus 10 Grad.

Demnach sind schweisstreibende Gartenarbeiten weniger gefährlich?

Auch hier ist Überanstrengung riskant, aber einen Unterschied gibt es schon. Wer sich im Sommer stark anstrengt und dabei warme Luft einatmet, mutet dem Herz weniger zu als beim Schaufeln an kalten Wintertagen.

Zurück in den Schnee: Ab welchem Alter nimmt die Gefahr zu?

Nicht das Alter ist entscheidend, sondern Kondition und Zustand der Herzkranzgefässe. So kann der kerngesunde 80-Jährige bedenkenlos zur Schneeschaufel greifen, während sich der 45-Jährige mit bereits angegriffenen Koronargefässen mit Vorteil zurückhält.

Sind Männer stärker gefährdet als Frauen?

Statistisch gesehen stimmt das insofern, als Frauen kardiovaskuläre Risikofaktoren eher vermeiden, zum Beispiel durch eine tiefere Raucherquote. Zudem bietet das Östrogen einen gewissen Schutz für die koronaren Herzkranzgefässe.

Senken ein vorgängiges Aufwärmen und regelmässige Pausen das Risiko?

Ja, auf keinen Fall sich schon im Pyjama ins weisse Abenteuer stürzen. Klüger ist es, sich vor der Arbeit im Haus noch genügend aufzuwärmen, sich richtig zu kleiden und einen Schal vor den Mund zu nehmen, damit man nicht zu viel kalte Luft einatmet. Vor allem aber soll man die Arbeit unterbrechen, sobald sich erste Warnzeichen bemerkbar machen. Als Grundregel gilt: Beim Schneeschaufeln darf der Puls zwar ansteigen, aber man soll sich dabei noch mühelos unterhalten können.

Welches sind diese Warnzeichen?

In erster Linie sind es ein Engegefühl im Brustkorb (Angina Pectoris) und Atemnot (Dyspnoe).

Wie soll ich darauf reagieren?

Unverzüglich die Schaufel beiseite legen, ins Warme gehen und sich medizinisch abklären lassen.

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Die Kardiologie ist auf die Diagnostik, Behandlung und Rehabilitation von Herzerkrankungen spezialisiert.
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