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Magenbrot und Co.

Die Weihnachtszeit ist wunderbar – vor allem wunderbar lecker. Denn überall riecht es nach frisch gebackenen Guetsli, Christstollen und Schoggi, Mandarinli und Marroni, an der Ecke wartet der nächste Raclettestand, und gleich daneben gibts Glühwein. Doch was dürfen wir unserem Körper zumuten? Im Folgenden klären wir Fragen und Mythen rund um unsere Mitte – den Magen.

Liebe geht bekanntlich durch den Magen. Was sagst du als Spezialist dazu?

Es gibt tatsächlich Nahrungsmittel, beispielsweise Schokolade oder Wein, die die Ausschüttung bestimmter Hormone anregen und das Wohlbefinden positiv beeinflussen. So gibt es auch Lebensmittel und Kräuter, die als Aphrodisiakum wirken sollen. Das Sprichwort selbst kommt aber eher aus einer Zeit mit veralteten Geschlechterrollen: Frauen, die gut kochen können, hatten früher vielleicht bessere Chancen auf einen Ehemann. Das ist heute natürlich nicht mehr so – obwohl man sich immer noch oft und gern von den Kochkünsten seines Gegenübers beeindrucken lässt.

Veraltete Geschlechterrollen. Da dreht’s mir gleich den Magen um!

Das kann gut sein. Hat man eine extreme Abneigung gegen bestimmte Dinge, empfindet man Angst oder hat Phobien, so kann das Auswirkungen auf den Magen-Darm-Trakt haben. Dabei spricht man von der Hirn-Darm-Achse. Durch Stress (positiven oder negativen) werden Botenstoffe ausgeschüttet, die auch das vegetative Nervensystem des Magen-Darm-Trakts beeinflussen können. Das kann zu einer verstärkten Bewegung im Magen, zu Krämpfen, Übelkeit oder Durchfall führen. Ein gutes Beispiel ist Prüfungsangst oder Lampenfieber: Viele Menschen können vor einer Prüfung oder einer Aufführung nichts essen, sonst dreht es ihnen buchstäblich den Magen um.

Was kann der Magen sonst noch?

Im Magen sammelt sich, was man gegessen und getrunken hat. Das wird dann wie in einem Betonmischer alles schön durchmischt, zerkleinert und mit Enzymen angereichert. Dann wird der Brei portionenweise an den Zwölffingerdarm zur Verdauung abgegeben. Im Magen werden ausserdem bereits Vitamine und andere Stoffe an den Körper abgegeben oder dafür vorbereitet. Die den Magen auskleidende Schleimschicht dient als Barriere und schützt den Magen z.B. vor zu heissem Essen, aber auch vor giftigen Stoffen. Zusätzlich haben wir noch die Magensäure: Auch sie dient als Schutz, vor allem vor Bakterien und sonstigen Erregern. Was wir essen, ist nie steril, und die Magensäure tötet einen Grossteil dessen, was nicht gut für uns ist, ab. Der Magen handelt also ziemlich intelligent.

Wie viel darf ich denn jetzt essen, ohne dass mir schlecht wird?

Das kann man nicht pauschal beantworten, denn das ist bei jedem Menschen anders. Der Magen ist ein Muskel, der trainiert werden kann – isst man über längere Zeit immer über das Sättigungsgefühl hinaus, so wird der Magen ausgedehnt, bekommt mehr Volumen. Das funktioniert auch in die andere Richtung: Essen wir weniger als gewohnt, verringert sich das Magenvolumen mit der Zeit. Das Sättigungslevel ist also bei jedem unterschiedlich. Was man sagen kann: Isst du zu viel, wird der Magen das zurückmelden. So wird dir beispielsweise schlecht, weil er das Gegessene wieder loswerden will.

Was passiert, wenn ich eine Unverträglichkeit habe?

Da muss man unterscheiden: Unverträglichkeiten, z.B. gegen Laktose oder Fruktose, sind nicht weiter «tragisch». Sie haben allerdings umgehend Auswirkungen auf das Wohlbefinden, denn sie lösen Durchfall, Blähungen oder Krämpfe aus, wenn man die unverträglichen Lebensmittel zu sich nimmt. Dabei fehlt einem ein Enzym, das für die Verdauung der entsprechenden Lebensmittel gebraucht wird. Der Körper bildet das Enzym dann entweder nicht in genügender Menge oder nur in ungenügender Qualität. Anders ist es bei der Glutenunverträglichkeit: Dabei werden bestimmte Nahrungsbestandteile vom Körper falsch erkannt und vom Immunsystem bekämpft, wodurch auch die Schleimhaut (Zotten) im Dünndarm beschädigt wird. Wird eine Glutenunverträglichkeit nicht erkannt oder nicht behandelt, hat das meist langfristige gesundheitliche Folgen und kann zu weiteren Erkrankungen führen.

Hast du Tipps, wie man die Weihnachtszeit ohne Magenprobleme übersteht?

Wie immer und überall, das ganze Jahr über: alles in Massen. Der Magen wird nicht gleich verrücktspielen, wenn man mal eine Schoggi mehr isst oder einen Glühwein trinkt. Wenn man weiss, dass abends ein Festmahl wartet, sind ein leichtes Frühstück und ein ebensolches Mittagessen ein guter Ausgleich. Am besten hört man einfach auf den eigenen Körper und zieht die Handbremse, wenn man Bauchschmerzen hat, sich schwer fühlt oder Sodbrennen verspürt. Bei Sodbrennen und saurem Aufstossen helfen abpuffernde Lebensmittel wie lauwarmer Tee (Kamille, Malve, Fenchel-Kümmel-Anis), Milch, Kaugummi oder auch ein Stück Brot. Dann sollte der Magen die Weihnachtszeit gut überstehen.

Gilt das auch für Magenbrot? Warum heisst das eigentlich so?

Magenbrot ist nicht wirklich Brot, sondern eine Süssspeise – denn der Hauptbestandteil ist Zucker. In Bayern, wo ich herkomme, wurde das schon vor Ewigkeiten beschrieben. Im «Schmeller», dem Bayerischen Wörterbuch von 1827, findet man es so geschrieben: «Das Essen soll man mit Dingen enden, welche den Magen schliessen und die aufsteigenden Dämpfe zum Kopf verhindern – so überzogener Anis, Fenchel, Kümmich und Koriander.» Magenbrot hat also seinen Namen daher, dass darin viele Gewürze enthalten sind, welche die Verdauung unterstützen sollen.

Gastroenterologie und Hepatologie
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