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Brustkrebs

Im Zeichen des Brustkrebses

Jede achte Frau in der Schweiz ist im Laufe ihres Lebens von Brustkrebs betroffen. Im Kampf gegen die Krankheit ist Aufklärung wichtig – wird der Krebs nämlich früh erkannt, sind die Heilungschancen höher und die Behandlungen weniger eingreifend.

Brustkrebs ist in der Schweiz die häufigste Krebsart bei Frauen. Jährlich kommt es zu 6200 Neuerkrankungen. Auch wenn ältere Frauen häufiger erkranken, sind doch 20% der Patientinnen weniger als 50 Jahre alt, es können sogar Frauen im Alter von 20–30 Jahren von Brustkrebs betroffen sein. Für die meisten Brustkrebserkrankungen lässt sich keine Ursache finden, nur in etwa 10% der Fälle besteht eine familiäre Vorbelastung. Ein leicht erhöhtes Risiko weisen Frauen auf, die eine längere Hormonersatztherapie durchlaufen. Sonst sind keine beeinflussbaren Risikofaktoren bekannt (Rauchen oder Alkohol spielen hier keine relevante Rolle). Umso wichtiger ist daher im Kampf gegen Brustkrebs die Früherkennung. Das erste Standbein der Früherkennung ist die Selbstuntersuchung: Jeder Frau wird empfohlen, monatlich ihre Brust zu untersuchen. Fallen ihr dabei Knoten oder andere Veränderungen auf, soll sie den Befund ihrer Gynäkologin oder ihrem Gynäkologen zeigen. Es empfiehlt sich auch eine jährliche Brustuntersuchung durch die Gynäkologin / den Gynäkologen. Das zweite Standbein der Vorsorge ist das Mammografie-Screening: Frauen zwischen 50 und 70 Jahren sollen alle zwei Jahre eine Mammografie (Röntgenuntersuchung der Brustdrüse) durchführen lassen, um eine Brustkrebserkrankung zu finden, bevor sie ertastet werden könnte. In Kantonen mit einem Mammografie-Screening-Programm werden die Kosten dafür von der Krankenkasse übernommen, in anderen Kantonen (u.a. dem Kanton Zürich) müssen die Kosten von ca. CHF 200.– selber getragen werden.

Gut und böse

Nicht jeder tastbare Knoten in der Brust steht im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung, tatsächlich sind nur 10% aller Knoten bösartig – dennoch sollte jeder Knoten abgeklärt werden. Der Befund wird vom Arzt mittels Mammografie, Ultraschall und Biopsie (Entnahme einer Gewebeprobe) weiter untersucht. Handelt es sich um Krebs, empfiehlt sich zur Behandlung die Zuweisung in ein zertifiziertes Brustzentrum. Dieses garantiert die enge Zusammenarbeit der beteiligten Spezialistinnen und Spezialisten und ermöglicht so eine kompetente und individuelle Behandlung. Jede Patientin wird vor Therapiebeginn an einem Tumorboard besprochen; dabei sind Fachpersonen aus verschiedenen Fachdisziplinen anwesend, um schliesslich gemeinsam die beste Behandlung für die Patientin zusammenzustellen. Danach folgt entweder gleich die Operation oder zuerst eine medikamentöse Behandlung, um den Tumor schrumpfen zu lassen, bevor operiert wird. Häufig ist danach eine Strahlentherapie angebracht, um das Risiko für lokale Rückfälle zu verringern. Ob zur Verminderung der Gefahr einer Metastasenbildung eine Chemotherapie, eine Antikörpertherapie oder eine Antihormontherapie sinnvoll ist, hängt von individuellen Faktoren ab und wird ebenfalls am Tumorboard besprochen. Die Erfolgsaussichten der gesamten Behandlung sind gut: Etwa drei Viertel aller an Brustkrebs erkrankten Frauen können geheilt werden.

Mythen, Männer und die BRCA-Gene

Tut der Knoten weh, ist es kein Brustkrebs? Falsch, Brustkrebs kann sowohl schmerzhaft als auch schmerzlos sein. Bei älteren Frauen verlaufen Brustkrebserkrankungen langsamer als bei jungen Frauen? Falsch, auch ältere Frauen können an aggressiven Formen von Brustkrebs erkranken.
Auch Männer können von Brustkrebs betroffen sein, allerdings 100-mal seltener als Frauen. Bei Männern ist dann häufig eine erbliche Tumorneigung vorhanden, während dies nur bei ca. 10% der Frauen der Fall ist. Die häufigste Genmutation, die das Auftreten von Brustkrebs begünstigt, betrifft das BRCA1- und das BRCA2-Gen. Bei Frauen, die eine solche Mutation tragen, steigt das Lebenszeitrisiko für Brustkrebs auf 70% (gegenüber knapp 13% in der Durchschnittsbevölkerung). In Fällen mit so hohem Erkrankungsrisiko kann die präventive Entfernung der Brustdrüse (mit anschliessendem Wiederaufbau) erwogen werden. Die wohl bekannteste Person, die sich zu einem solchen Schritt entschlossen hat, ist Angelina Jolie: Sie ist Trägerin einer BRCA1-Mutation und hat erlebt, dass ihre Mutter, ihre Tante und ihre Grossmutter an Brust- oder Eierstockkrebs starben.

Sensibilisieren statt ignorieren

Krebs ist nie ein einfaches Thema – umso schwieriger ist es, sich in dem Zusammenhang selbst zu untersuchen. Dabei ist Früherkennung bei Brustkrebs wichtig. Wird die Erkrankung nämlich früh erkannt, sind einerseits die Heilungschancen grösser und ist andererseits die Behandlung weniger eingreifend: Es kann häufiger brusterhaltend operiert werden, statt die ganze Brustdrüse zu entfernen, und es muss eine geringere Anzahl an Achsellymphknoten entfernt werden. Auch ist weniger häufig eine Chemotherapie nötig. Deshalb wird schon jungen Frauen ans Herz gelegt, den eigenen Körper aufmerksam zu beobachten, um etwaige Veränderungen so rasch wie möglich zu erkennen. Denn Brustkrebs kann nicht nur die Gesundheit, sondern das ganze Leben beeinträchtigen – unter anderem die Familienplanung, eine Schwangerschaft und das Stillen.

Mega-Massnahmen

Da es kaum beeinflussbare Risikofaktoren für die Entstehung von Brustkrebs gibt (ganz im Gegensatz zu Lungenkrebs, der sehr häufig durch Rauchen verursacht wird), können keine präventiven Massnahmen ergriffen werden. Ebendeshalb ist die Aufklärung und Sensibilisierung der Bevölkerung ein wesentlicher Aspekt im Kampf gegen Brustkrebs. Im Monat Oktober steht alles im Zeichen des Brustkrebses – die Farben Pink und/oder Rosa begegnen uns überall. Die rosa Krebsschleife ist das internationale Zeichen des Kampfes gegen Brustkrebs. Doch nicht nur international, sondern auch regional ist Brustkrebs ein Thema, das von vielen Gesundheitsorganisationen aufgegriffen wird: So hatte das Kantonsspital Winterthur im Oktober 2019 ein 600 Quadratmeter grosses Megaposter am Neubau aufgehängt, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Dieses Jahr wurde das Poster von der Quellenhof-Stiftung zu Allzwecktaschen umgenäht, die wiederum für das Thema Brustkrebs sensibilisieren sollen.


Qualität und Kompetenz

Interview mit Dr. med. Andreas Müller, Leiter Brustzentrum und Chefarzt Klinik für Medizinische Onkologie und Hämatologie

Weshalb haben Sie sich für das Spezialgebiet Onkologie entschieden?

Die Onkologie vereint zutiefst menschliche Themen mit Spitzenmedizin. Hier ist es möglich, Patientinnen und Patienten in einer schwierigen Lebenssituation zu begleiten und ihnen dank der Fortschritte in der Medizin ein Stück Hoffnung zu geben. In Situationen, in den keine Heilung von der Krankheit möglich ist, ist es eine wichtige Aufgabe, zu einer Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen beizutragen.

Sie sind Leiter des Brustzentrums. Was ist der Vorteil eines solchen Zentrums?

Die Behandlung von Brustkrebs ist sehr komplex, sie benötigt den Beitrag von vielen Spezialisten (Fachpersonen aus Radiologie, Pathologie, Gynäkologie, Plastischer Chirurgie, Radioonkologie, Medizinischer Onkologie, Breast Care, Psychoonkologie, Physiotherapie, Sozialarbeit und der Genetischen Beratung). Im Kantonsspital Winterthur sind alle diese Spezialisten verfügbar, und das Brustzentrum sorgt dafür, dass sie Hand in Hand arbeiten. So ist es möglich, für jede Patientin einen individuellen und optimalen Therapieplan zusammenzustellen. Sowohl die Qualität der einzelnen Behandlungsschritte als auch die Zusammenarbeit werden regelmässig überprüft. Das Brustzentrum am KSW wurde dafür mit den Zertifikaten der Krebsliga Schweiz und der Deutschen Krebsgesellschaft ausgezeichnet.

Dr. med. Andreas Müller

Chefarzt Medizinische Onkologie,
speziell Brust- und Gynäkologische Onkologie
Klinik für Medizinische Onkologie und Hämatologie
Leiter Brustzentrum

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Als zertifiziertes Brustzentrum sind wir spezialisiert auf die Diagnose und Behandlung von Brustkrebserkrankungen.
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