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Antibiotika sinnvoll einsetzen

Antibiotika zur Vorbeugung und Behandlung von tödlichen Infektionen sind aus der heutigen Medizinischen Versorgung nicht mehr wegzudenken – bei Lungenentzündungen, Krebstherapien oder beim Kniegelenkersatz. Doch die antibiotikaresistenten Bakterien sind auf dem Vormarsch.

Können Resistenzen verhindert werden?

Sobald Antibiotika eingesetzt werden, führt das zu einem Selektionsdruck, der resistente Bakterien bevorzugt. Der Prozess der Resistenzbildung kann also nicht vollständig vermieden, sondern lediglich verlangsamt werden. Entsprechend sollten Antibiotika möglichst selten eingesetzt werden, und wenn doch, dann gezielt und möglichst kurz. Ein wichtiges Ziel der Infektiologie und der Mikrobiologie ist es, möglichst schnell eine Diagnose zu stellen, damit eine allfällige Infektion zielgerichtet therapiert und die Dauer der Antibiotika-Anwendung minimiert werden kann.

Werden Antibiotika zu leichtfertig verschrieben?

Ja, das ist leider weiterhin der Fall. Zum Beispiel bei Atemwegsinfektionen, die zu über 90% viral bedingt sind. Da sind Antibiotika nicht nur nutzlos, sie schaden sogar. Genauso wichtig wie ein gezielter Einsatz der Substanzen ist das Stoppen der Einnahme, wenn nach zwei oder drei Tagen festgestellt wird, dass es sich nicht um eine bakterielle Infektion handelt.

Wie entstehen Antibiotikaresistenzen?

Beim Einsatz von Antibiotika wird die Vermehrung der Bakterien gehemmt. Unter diesen Milliarden von Bakterien gibt es aber immer einige, die etwas weniger anfällig sind. Diese können sich weiterhin vermehren und durch Veränderungen im Erbgut mit der Zeit komplett resistent gegen das eingesetzte Antibiotikum werden.

Wieso entstehen Resistenzen derart schnell?

Wird ein Antibiotikum eingenommen, wird nicht nur der krankmachende Erreger, sondern es werden alle der insgesamt rund zwei Kilogramm Bakterien im Körper behandelt. Kommt das wiederholt vor, entsteht eine hohe Dichte an resistenten Bakterien. Immer wenn wir also Selektionsdruck ausüben, sprich Antibiotika anwenden, selektionieren und produzieren wir resistente Bakterien.

Wie sähe eine Zukunft ohne wirksame Antibiotika aus?

Wenn wir keine wirksamen Antibiotika zur Verfügung hätten, könnten wir Infektionen nicht behandeln. Ein relevanter Teil der Medizin, wie wir sie heute kennen, könnte nicht mehr angewandt werden oder wäre mit viel grösseren Risiken verbunden. Bei Krebsbehandlungen oder nach gewissen Operationen steigt das Risiko für Infektionen stark an. Können diese zu erwartenden infektiösen Komplikationen nicht mehr behandelt werden, wird auch die Grunderkrankung der Patienten nicht mehr gleich gut behandelt werden können wie heute.

Was bedeutet das konkret?

Bekommen wir den Prozess der Resistenzbildung nicht in den Griff, kann es sein, dass unsere Lebenserwartung wieder sinkt. Bereits in 10 bis 15 Jahren kann sich das durch einen Rückgang von medizinischen Interventionen, die heute als selbstverständlich gelten, dann aber zu risikoreich für eine Durchführung sind, bemerkbar machen.

Was kann ich als Patient tun, damit es nicht so weit kommt?

Grundsätzlich gilt: So wenig Antibiotika wie möglich einsetzen, damit die Resistenzbildung verlangsamt wird. Es sollte also nicht wegen jeder Kleinigkeit zu Antibiotika gegriffen werden. Atemwegsinfektionen wie Erkältungen oder Grippe sind der häufigste Grund für schädliche Antibiotikatherapien. Aber auch eine Blasenentzündung führt selten zu schwerwiegenden Komplikationen, die ersten paar Tage kann sie daher problemlos auch ohne Antibiotika behandelt werden, mehr als zwei Drittel solcher Entzündungen heilen in dieser Zeit sogar komplett ab.

Gibt es Alternativen zu Antibiotika?

Die Prävention von Infektionskrankheiten ist die beste Alternative. Impfungen, gute Hygiene, eine gesunde Ernährung und etwas Bewegung helfen, gesund zu bleiben und den Einsatz von Antibiotika zu verringern. Auch durch das Reisen werden resistente Bakterien über den ganzen Globus verteilt. So sind 70–80% der Reiserückkehrer aus Indien und Südostasien mit resistenten Darmbakterien besiedelt. Falls während der Reise Antibiotika genommen werden, sind es fast 100% – vor Reiseantritt liegt der Anteil bei höchstens 10%.

Welche Zukunftsperspektiven haben wir?

Antibiotika sind wichtige Medikamente für die Medizin, wie wir sie heute kennen. Auch wenn die Resistenzentwicklung unausweichlich ist, muss der Einsatz von Antibiotika langfristig und nachhaltig zurückgehen, damit wir noch möglichst lange von den Substanzen profitieren können. Das gilt nicht nur für die Humanmedizin, sondern auch für die Veterinärmedizin und die Landwirtschaft.

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