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Alles zu Arthrose

Oma hat Probleme beim Aufstehen, denn ihre Gelenke sind steif – die Arthrose macht ihr wieder zu schaffen. Arthrose – eine typische Alterskrankheit. Was sich dahinter verbirgt, wer betroffen ist, was man tun kann und welche Volksmythen wahr und welche falsch sind, klären wir im vorliegenden Artikel.

Was ist Arthrose?

Arthrose beschreibt eine häufige Gelenkerkrankung. Sie beruht auf dem langsamen Abbau von Gelenkknorpel oder ist eine Folge von gelenkschädigenden Ereignissen. Ersteres ist die typische Abnutzung, die im Alter oft spürbar wird: Fast jede Person, die das 90. Altersjahr erreicht, ist von Arthrose betroffen.

Sie muss sich aber nicht zwingend bemerkbar machen. Arthrose als Folge von Unfällen, Infektionen, immunologisch bedingten Gelenkentzündungen oder Stoffwechselstörungen tritt häufig schon in jüngeren Jahren auf. Dabei spricht man von einer sekundären Arthrose.

Und wie macht sich Arthrose bemerkbar?

Oft ist Arthrose mit Schmerzen und einer Bewegungseinschränkung verbunden. Dabei handelt es sich um Belastungsschmerzen – während Ruhephasen sollte sich die Arthrose kaum bemerkbar machen. Typischerweise schmerzen die Gelenke nach dem Aufstehen, bis die ersten paar Bewegungen gemacht wurden – und dann wieder nach längerer Zeit (Anlauf- und Ermüdungsschmerz).

Nachts schmerzt Arthrose im Normalfall nicht. Am häufigsten betroffen sind Fingergelenke, Daumensattelgelenke, Knie- und Hüftgelenke sowie die Zwischenwirbelgelenke.

Was begünstigt die Gelenkabnutzung?

Betroffen sind vor allem ältere Menschen durch die natürliche Abnutzung der Gelenke – mit spürbaren Folgen ist etwa ab dem 50. Lebensjahr zu rechnen. Es spielen aber auch ganz andere Einflussfaktoren eine wichtige Rolle: die familiäre Krankheitsgeschichte, Übergewicht, in gewissem Masse vielleicht auch der Lebensstil. Ausserdem sind Frauen eher betroffen.

Jüngere Menschen haben tendenziell eine sekundäre Arthrose, also eine, die durch einen Unfall, einen Bruch oder eine Gelenkfehlform, metabolische Erkrankungen oder Entzündungen bedingt ist. Oft spielt die Statur eine Rolle: Wer beispielsweise starke X- oder O-Beine hat, erkrankt öfter an Arthrose der Kniegelenke. Das ist eine einfache Gleichung: Durch die ungleichmässige Belastung des Gelenks nutzt sich dieses stärker ab.

Das altbekannte Knochenknacken – fördert das Arthrose?

Nein – das ist ein Volksmythos. Das Knochenknacken, typischerweise in den Fingern, schadet den Gelenken nicht. Das Knackgeräusch wird durch die Entladung von Unterdruck ausgelöst. Auf die Funktion der Gelenke oder deren Abnutzung hat das keinen Einfluss.

Hat man nun Arthrose, sollten betroffene Gelenke besser geschont oder bewegt werden?

Schonung ist kontraproduktiv, denn das geht mit einer schlechteren Durchblutung der Gelenke einher und fördert den weiteren Abbau. Der Körper sollte generell bewegt werden, auch bei Arthrose. Da sprechen wir jedoch nicht von Extremsport – der wiederum kann sich negativ auswirken (übermässige Belastung der Gelenke).

Wer Übungen machen will, sollte sie sich vom Profi zeigen lassen – denn auch Fitnessfanatiker neigen zu Arthrose, wenn sie ihre Gelenke falsch beanspruchen. Übermässiges Training führt bei Arthrose zu einem chronischen Reizzustand. Hier gilt wie fast überall: ein gutes Mittelmass finden.

Wie kann Arthrose behandelt werden?

Es gibt zwei Gruppen von Behandlungsansätzen: die medikamentösen und die nichtmedikamentösen Therapien. Zu Letzteren gehören beispielsweise eine Änderung der Ernährung, Bewegung, Physiotherapie, Massagetechniken, Wärme- und Kälteapplikationen oder stabilisierende Bandagen. Hier versucht man, die Schmerzen der Arthrose mit einfachen Mitteln zu lindern. So helfen Physiotherapie und Bewegung beispielsweise, das Gelenk durch Muskelaufbau zu stabilisieren.

Zu den medikamentösen Therapien gehören bei Mangelzuständen Nahrungsergänzungsmittel – zum Beispiel Kalzium, Vitamin D, Vitamin C, Eiweiss –, die für die arthritischen Gelenke und den Knochen sehr wichtig sind. Knorpelpräparate wie Chondroitin, Glucosamin oder Kollagen können in der Anfangsphase von Arthrose helfen, ihre Wirkung ist aber umstritten. Das gilt auch für Naturpräparate, die entzündungshemmend wirken, wie beispielsweise Teufelskralle, Weihrauch oder Kurkuma.

Zudem werden schmerz- und entzündungshemmende Mittel eingesetzt, sogenannte nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen. Unter optimalen Bedingungen kann sich der Knorpel vollständig regenerieren. Diese Methode ist aber noch experimentell und der Allgemeinheit nicht zugänglich.

In diese Richtung gehen allerdings die Eigenblutbehandlung mit Platelet Rich Plasma (PRP, blutplättchenreiches Plasma) oder Injektionen von Hyaluronsäure, einem Bindegewebebestandteil. Bei der Behandlung mit PRP werden körpereigene Blutplättchen ins Gelenk gespritzt, die beruhigende Botenstoffe und Wachstumsfaktoren im Gelenk ausschütten, wo die Plättchen normalerweise nicht hingelangen. Dadurch kann auf schonende Weise eine nachhaltige Schmerzlinderung erreicht werden.

Wenn all diese Behandlungsansätze nicht wirksam sind oder die Funktion der Gelenke zu schlecht ist, kann eine Operation weiterhelfen: Bei jungen Patienten kann die Gelenkachse verändert werden, so dass die Belastung auf die gesunden Bereiche verlagert wird. Bei älteren Patienten kommen Teil- oder Vollprothesen zum Einsatz.

Was ist der Unterschied zwischen Arthrose und Arthritis?

Arthrose bezeichnet die Gelenkabnutzung, Arthritis die Gelenkentzündung. Dabei greift das Immunsystem die Gelenke an und diese entzünden sich, oder es gibt Ablagerungen in den Gelenken aufgrund metabolischer Einflüsse (Gicht). Arthritis kann in jedem Alter auftreten und ist ebenfalls nicht heilbar, aber sehr gut behandelbar.

Arthritis ist vom Beschwerdemuster her praktisch das Gegenteil von Arthrose: Schmerzen treten oft nachts und im Ruhezustand auf (ohne Bewegung). Ausserdem schmerzt Arthritis tendenziell morgens am meisten und ist von einer lang dauernden Gelenksteifigkeit begleitet, die teilweise bis in den Nachmittag hinein anhält.

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