Gesundheitsmythos


Sind Karotten gut für die Augen?

JA. Aus Betacarotin umgewandeltes Vitamin A kann zu einer besseren Nachtsicht führen.


Bereits Ungeborene im Mutterleib können sehen – im besten Fall begleitet das Augenlicht die Menschen bis ans Ende ihres Lebens. Unsere Augen sind das Sinnesorgan, über das wir die Umwelt wahrnehmen, und ihre Behandlung in der Medizin ist ein komplexes Gebiet. Was für das Auge wirklich gut ist und was nicht, ist vielen Menschen nicht bewusst. Deshalb schaffen wir Klarheit – in 47 Spezialgebieten, wie beispielsweise der Augenklinik.

Hasen mit Brille? Die gibt es nicht.

Karotten sind tatsächlich gut für die Augen, das stimmt. Es gibt ja auch keine Hasen mit Brille, oder? Das im Gemüse enthaltene Betacarotin ist eine Vorstufe von Vitamin A. Dieses Vitamin erfüllt in unserem Körper wichtige Aufgaben; es ist für Funktion und Aufbau unserer Haut, der Schleimhäute und des Blutes notwendig. Und auch gut für die Augen, denn Vitamin A wirkt sich positiv auf die Nachtsicht aus. Oder anders gesagt: Ein Vitamin-A-Mangel kann zu Nachtblindheit führen.
Das ist eine Augenkrankheit, bei der das Sehvermögen in der Dämmerung und nachts eingeschränkt ist oder sogar ganz ausfällt. Leidet man an einem solchen Vitamin-A-Mangel, können Karotten durchaus dazu beitragen, ihn zu beheben. Der Verzehr von Karotten schützt aber nicht per se vor Augenkrankheiten oder Sehbehinderungen.

Grau oder grün?

Der graue Star ist eine der häufigsten Augenerkrankungen. Die ähnlich klingenden Bezeichnungen grüner und grauer Star sind etwas verwirrend, stehen sie doch für völlig unterschiedliche Erkrankungen des Auges: Der graue Star ist meistens bedingt durch den Alterungsprozess. Dabei trübt sich die Linse, wodurch die Sehschärfe beeinträchtigt wird. Diese Krankheit ist nicht schmerzhaft und kann mit einer einfachen Operation behandelt werden. Der Eingriff zählt in industrialisierten Ländern zu den am häufigsten durchgeführten Operationen.

Der grüne Star, auch Glaukom genannt, ist eine Schädigung des Sehnervs und entsteht meist durch eine starke Erhöhung des Augendrucks. Der Name kommt von der leicht blaugrünen Verfärbung des Auges, wenn es an einem Glaukom erblindet ist. Die Krankheit entwickelt sich im Normalfall schleichend, und Symptome gibt es keine, denn schmerzhaft ist ein Glaukom nicht.

Wenn’s im Strassenverkehr gefährlich wird

Leidet man an grünem Star, kommt es zu Gesichtsfeldausfällen: Im Blickfeld sind immer mehr und immer grössere Felder nicht mehr sichtbar, es entstehen gleichsam schwarze Löcher. Das Gehirn «kompensiert» das Fehlen dieser Informationen und füllt die Lücken.

Steht beispielsweise eine Vase auf einem Holztisch und das Auge «sieht» diese Vase nicht, kaschiert das Gehirn die schwarze Lücke und füllt sie mit dem Sichtbaren. Das wäre in diesem Beispiel der Holztisch. Für den Betrachter wirkt es dann, als stünde keine Vase auf dem Tisch, da er sie nicht sieht – aber auch nicht merkt, dass Informationen fehlen. Das kann speziell im Strassenverkehr sehr schnell gefährlich werden, da Betroffene Objekte oder Personen auf der Strasse schlichtweg nicht sehen.


Gut zu wissen

Viele Augenkrankheiten sind nicht schmerzhaft und machen sich erst bemerkbar, wenn sie bereits fortgeschritten sind. Das Risiko für ein Glaukom beispielsweise steigt ab dem 40. Lebensjahr. Reparabel sind die durch ein Glaukom verursachten Schäden nicht. Einzig eine Verzögerung oder ein Stopp des Krankheitsverlaufs kann erreicht werden. Dazu werden Augentropfen eingesetzt, die den Druck im Auge senken.

Nützt diese nichtinvasive Therapie nicht mehr, kann das Auge gelasert oder operiert werden. Dadurch kann beispielsweise der Abfluss verbessert und die Entwicklung weiterer Schäden vermieden oder verlangsamt werden. Deshalb empfiehlt es sich, die Augen regelmässig von der Augenärztin oder dem Augenarzt untersuchen zu lassen.