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Parkinson

Parkinson bedeutet mehr als nur Zittern

In der Schweiz sind über 15'000 Menschen von Parkinson betroffen. Die Nervenkrankheit tritt meist im Alter auf und bringt von der Motorik bis zum Liebesleben einiges durcheinander. Etwas dagegen tun kann man jeden Tag am Frühstückstisch.

Kein Gegner brachte ihn je zum Zittern! Aber gegen Parkinson hatte sogar Muhammad Ali – oft als grösster Boxer aller Zeiten betitelt – keine Chance auf einen Sieg, denn die Krankheit lässt Bewegungen steif und langsam werden, erschwert das Gehen und ruft auch das bekannte Zittern hervor. Grund dafür ist das Absterben von Nervenzellen im Gehirn, die den Körper normalerweise mit Dopamin versorgen. Dopamin ist ein Botenstoff, der Bewegungsabläufe und das Gefühl von Motivation und Belohnung koordiniert. Ein Mangel führt zu einem Ungleichgewicht, das wiederum die bekannten Störungen hervorruft.

Eine Alterskrankheit

Weltweit gibt es rund 10 Millionen Menschen mit Parkinson, 15’000 davon leben in der Schweiz – Männer und Frauen sind in etwa gleich stark betroffen. Äusserst selten wird die Erkrankung vererbt und kann dann bereits früh im Leben ausbrechen. Die Diagnose «Morbus Parkinson» erhalten die meisten Patientinnen und Patienten aber tatsächlich um das 60. Lebensjahr. Erste Symptome treten zwar bereits rund zehn Jahre vor der Diagnose auf, weisen aber oft zunächst nicht direkt auf Parkinson hin.

Hat der Geruchssinn nachgelassen? Leiden Sie an Verstopfung? Konnten Sie auch schon eine Weile lang nicht gut schlafen? Oder haben Sie das Gefühl, etwas vergesslicher geworden zu sein? Solche Symptome können mit Parkinson zusammenhängen, haben aber meist ganz andere Ursachen. Das macht die Diagnose von Parkinson schwierig. Und: Die Beschwerden bei Parkinson gehen weit über motorische Einschränkungen hinaus.

Lustlosigkeit oder gar Spielsucht?

Viele kennen den Namen und das Zittern. Dass Parkinson auch die Psyche beeinflussen kann, ist weniger bekannt. Bei einem Mangel an Dopamin kann sich schnell Lustlosigkeit einstellen, die auch das Liebesleben belastet. Die Medikamente, die die Hirnfunktionen normalisieren sollen, können einzelne Hirnregionen aber auch überstimulieren. Die Auswirkungen können dann von einer Luststeigerung bis zur Entwicklung einer Sucht reichen. Experten raten daher zu einem regelmässigen Austausch mit der Partnerin oder dem Partner sowie der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.

Die unzähligen Inhaltsstoffe von Kaffee haben einen positiven Effekt auf die Gesundheit und beugen sogar Parkinson vor – ein Heilmittel ist er aber nicht.


Ein gesunder Lebensstil lohnt sich

INTERVIEW mit Dr. med. Matthias Greulich, Leitender Arzt Neurologie am Kantonsspital Winterthur

Wie finden Sie heraus, ob jemand Parkinson hat?

Oft kann der Neurologe schon durch das gezielte Erfragen der Symptome und eine neurologische Untersuchung die Diagnose «Parkinson» stellen. Besonders zu Beginn der Erkrankung ist das aber schwierig, da viele Symptome auch durch andere Erkrankungen des Nervensystems ausgelöst werden können. Dann wird ein MRI oder auch eine spezielle nuklearmedizinische Untersuchung des Gehirns notwendig, die uns einen möglichen Dopaminmangel in den Nervenzellen erkennen lässt.

Was ist bei der Behandlung von Parkinson wichtig?

Leider können wir die Erkrankung heute noch nicht heilen. Das Wichtigste ist daher eine gute Lebensqualität unserer Patientinnen und Patienten. Mit Medikamenten können wir den Dopaminhaushalt regulieren, was die Symptome meist bereits deutlich lindert. Bei bestimmten Patienten kommen zudem invasive Methoden in Frage, beispielsweise die Implantation eines Hirnschrittmachers.
Wichtig ist nicht zuletzt das Training in der Physio-, Logo- oder Ergotherapie – die Behandlung ist immer auch Teamarbeit.

Wie kann ich Parkinson vorbeugen?

Es ist meist unklar, warum jemand Parkinson bekommt. Was Sie tun können, hat Ihnen Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt bestimmt schon mehrfach ans Herz gelegt: Essen Sie abwechslungsreich und gesund, sorgen Sie dafür, dass Sie genügend und gut schlafen, und bewegen Sie sich, treiben Sie Sport, tanzen Sie Tango. Eine Studie hat übrigens auch gezeigt, dass täglicher Kaffeekonsum das Parkinson-Risiko deutlich senken kann – Ihren Kaffee zum Frühstück dürfen Sie also ganz ohne schlechtes Gewissen geniessen.

Dr. med. Matthias Greulich

Leitender Arzt
Neurologie
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