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Stippvisite

Mikrobiologisches «SWAT-Team»

Die Spitalhygiene am KSW hat den Auftrag, Patienten und das Personal vor Infektionen und deren Übertragung zu schützen. Alle mit direktem oder indirektem Patientenkontakt haben täglich mit dem Thema Infektionsprävention zu tun. Im Alltag ist die Arbeit der Spitalhygiene häufig nicht sichtbar, sie ist aber immens wichtig. Zentral ist, dass alle Mitarbeitenden eine korrekte Händedesinfektion gemäss den fünf Momenten der WHO vornehmen.

Die Spitalhygiene wird in der Regel erst zu einem grösseren Thema, wenn es zu einer Verbreitung von Erregern oder zum Ausbruch einer Krankheit kommt – und eine relevante Zahl von Patienten und Mitarbeitenden betroffen ist. Dann berichten auch die nationalen Medien gern darüber. Am KSW war dies letztmals im Jahre 2004 der Fall aufgrund eines ausgedehnten Norovirusausbruchs. International kommt es leider immer wieder zu grösseren, folgenschweren Vorfällen in Spitälern, wie zum Beispiel zum Ausbruch von SARS in Hongkong und Toronto im Jahre 2003, MERS-CoV in Saudi-Arabien 2013 und in Südkorea 2015 sowie von Masern in Shanghai 2015. Auch von Medizinalgeräten und Medizinprodukten ausgehende Ausbrüche treten regelmässig auf und können durchaus grossen Schaden anrichten (z.B. Mycobacterium chimera, ausgehend von Heater-cooler-Maschinen).

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Hygienevorschriften

«In einem solchen Fall geht es für uns darum, alle, die mit einem Erreger in Kontakt kamen, ausfindig zu machen und zu testen», sagt Urs Karrer. Das sei wie die Detektivarbeit eines mikrobiologischen SWAT-Teams.

Rasche Reaktion

Wenn heutzutage ein Norovirus ausbricht, kann es rasch eingedämmt werden. Das ist dem sofortigen Einbezug der Spitalhygiene und schnell eingeleiteten Massnahmen zu verdanken. Dazu gehören: Isolation, Kohorting, Aufnahmestopp in bestimmten Zimmern, Absage von nicht lebensnotwendigen Therapien, konsequente Oberflächendesinfektion, Erstellen einer Epikurve, Information aller Beteiligten. Beim Ausbruch im Frühjahr 2019 beispielsweise waren denn auch viel weniger Personen vom Norovirus betroffen als 2004. Das Eindämmen von Ausbrüchen ist nur ein relativ kleiner Teil der Arbeit der Spitalhygiene. Durch die konsequente Anwendung der Hygienestandardmassnahmen (insbesondere Händehygiene) und wenn nötig von Isolationsmassnahmen sollte es gar nicht erst zu einem Ausbruch kommen. «Zentral in unserer Arbeit ist die enge Zusammenarbeit mit behandelnden Ärzten und der Pflege, um das Auftreten von im Spital erworbenen Infektionen zu minimieren», sagt Corinne Furrer. Die häufigsten dieser Infektionen sind: postoperative Wundinfektionen, katheter-assoziierte Harnwegsinfektionen, ventilator-assoziierte Pneumonien, katheter-assoziierte Sepsis, Clostridien-Kolitis.

Trotzdem sind in der Schweiz gut 6% aller hospitalisierten Patienten von einer im Spital erworbenen Infektion betroffen (Stand 2017). Für das KSW wären das jeden Tag vier oder fünf Patienten. Diese Infektionen haben einen grossen Einfluss auf die Gesundheit der Patienten, das Ergebnis der Behandlung und führen nicht selten gar zum Tod. In der Schweiz geht man von ca. 2’000 Todesfällen jährlich aufgrund von im Spital erworbenen Infektionen aus. Zudem führen diese Infektionen zu längeren Spitalaufenthalten und haben eine nicht zu unterschätzende Kostenfolge für das gesamte Gesundheitswesen und zunehmend – wegen des DRG – auch für die einzelnen Spitäler.

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Corinne Furrer bei einer Schulung der IDEM-Frauen.

Disziplinierte Händehygiene

Zu etwa zwei Dritteln der nosokomialen Infektionen im Spital kommt es nicht wegen Erregern aus der Umwelt, dem Essen oder von Mitpatienten oder Personal, sondern wegen der endogenen Flora des Patienten: Er ist also bereits Träger des Erregers. Das Betreuungspersonal bringt die Bakterien des Patienten wegen unzureichender Händehygiene und ungenügenden aseptischen Arbeitens an einen Katheter oder in die Wunde. Dort kann sich das Bakterium einnisten und vermehren, weil die natürliche Hautbarriere unterbrochen ist.

Mit strikt aseptischem Arbeiten während der OP und postoperativ bei den Wundverbänden sowie durch eine korrekte präoperative Antibiotikaprophylaxe innerhalb einer Stunde vor Schnitt kann ein Teil dieser Infekte vermieden werden. Die effektivste Infektionsprävention ist aber die Händehygiene. 90% der relevanten Erregerübertragungen können dadurch verhindert werden. Deshalb ist es wichtig, die Hände gemäss der fünf Momente der WHO zu desinfizieren. «Eigentlich sollte das ein Automatismus sein», findet Dr. med. Adrian Schmid. Wie sowohl aus dem Verbrauch des Händehygienealkohols als auch aus dem Monitoring der Händehygienecompliance ersichtlich ist, liegt die Adhärenz der Händehygiene bei 20–68%. Es gibt also Luft nach oben, auch wenn das Ziel von 100% nur schwer zu erreichen ist, da sich Verhaltensmuster nur äusserst schwer ändern lassen.

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Urs Karrer und sein Team bei der täglichen Mikrobiologie-Visite.

Tägliche Aufgaben der Spitalhygiene

  • Am Morgen jeweils als Erstes im Computer im Phoenix nachschauen, ob Patienten mit einem spitalhygienisch relevanten Erreger eingetreten sind. Verordnungen zu den Isolationsmassnahmen tätigen. Abklären, ob Isolationsmassnahmen geändert, angepasst oder gestoppt werden können, mit direktem Kontaktieren der betroffenen Abteilungen. Es werden dann je nach dem Hauptübertragungsweg des Erregers Hygienezusatzmassnahmen getroffen, wie zum Beispiel das Anlegen einer gelben Überschürze bei Patientenkontakt oder einer FFP2-Maske. Damit möchte man Ansteckungen von Mitpatienten und Personal und grundsätzlich ein Ausbreiten von multiresistenten Erregern im Spital verhindern.
  • Dann visitiert die Spitalhygiene die Abteilungen, die isolierte Patienten betreuen. Bei der Visite werden Fragen zur Umsetzung der Hygienezusatzmassnahmen, zum Erreger oder zur Resistenz geklärt, und es kann dem Betreuungspersonal Feedback gegeben werden.
  • Ein wichtiger Punkt der Infektionsprävention ist die Surveillance – ein Tool zur Überwachung, Früherkennung von allfälligen Problemen und letztlich Verhinderung von nosokomialen Infektionen. Im KSW werden resistente und andere Erreger monitorisiert. Zudem erfolgt die Surveillance von postoperativen Wundinfektionen gemäss nationalen Vorgaben. Dies bei folgenden Operationen: Appendektomien < 16, Colonoperationen, Cholezystektomien und Kaiserschnitten. Die Infektionsraten sind öffentlich einsehbar unter: https://www.anq.ch/de/fachbereiche/akutsomatik/messergebnisse-akutsomatik/step2/measure/11/
  • Bei der Infektionsprävention spielen nebst der bereits erwähnten Händehygiene und den Hygienestandardmassnahmen noch andere Faktoren eine wichtige Rolle. Dazu gehören zum Beispiel die regelmässige Schulung des Personals, aseptisches Arbeiten, die korrekte Wiederaufbereitung von Endoskopen und Operationsbesteck usw., bauliche Massnahmen, Impfungen sowie eine allgemeine Antibiotikarestriktion/Antibiotic Stewardship (d.h. Antibiotikaeinsatz nur bei gegebener Indikation und so lange wie nötig, aber so kurz wie möglich). Letzteres wird sichergestellt durch die enge Zusammenarbeit der Spitalhygiene/Infektiologie und Mikrobiologie mit den Klinikern im Hause.
  • Viele Spitalhygieneaspekte sind auf nationaler Ebene geregelt: Epidemiegesetz, Bundesgesetz über Arzneimittel und Medizinprodukte, Produktehaftpflichtgesetz, Bundesgesetz über den Schutz vor gefährlichen Stoffen und Zubereitungen. Diese Gesetze müssen bei der Beantwortung diverser Anfragen berücksichtigt werden.

Deine 5 Momente für die Händehygiene

  1. Vor Patientenkontakt
  2. Vor aseptischen Tätigkeiten
  3. Nach Körperflüssigkeiten
  4. Nach Patientenkontakt
  5. Nach Patientenumgebung
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Medizinische Poliklinik
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