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Palliative Care

Wenn sich existenzielle Fragen stellen

Palliative Care unterstützt Patientinnen und Patienten mit schweren, unheilbaren Krankheiten. Neben stationärer Behandlung bietet das Zentrum für Palliative Care am KSW auch eine ambulante Sprechstunde an. So kann frühzeitig auf körperliche, psychische und soziale Belastungen reagiert werden.

Susanne G. leidet unter fortgeschrittenem Brustkrebs. Mit Chemotherapie konnte der Tumor zuvor jeweils nur für kurze Zeit eingedämmt werden, bevor er wieder zu wachsen begann. Die 49-Jährige lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern zusammen. Der Haushalt bringt sie an ihre Grenze, von ihrer Arbeit als Lehrerin ist sie krankgeschrieben. Obschon der Mann viel arbeitet, plagen sie finanzielle Sorgen.

Bei Susanne G. kommt sehr viel zusammen, das wird an diesem Vormittag in der ambulanten Sprechstunde des Zentrums für Palliative Care am KSW klar. «Dass sich die Patientin in dieser Situation überfordert fühlt, ist völlig normal», sagt Franziska Trüb, pflegerische Leiterin des Zentrums.

Die körperlichen Beschwerden und die psychische Belastung durch die Krankheit wirken sich auf das gesamte Leben aus. Dass die Lebenserwartung begrenzt ist, wirft zudem existenzielle Fragen auf. «Ein klärendes Gespräch mit der Patientin und ihren Angehörigen kann da sehr viel bewirken», sagt Franziska Trüb.

«Je früher sich Wünsche und Bedürfnisse klären lassen, desto besser.»

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Das Team der Palliative Care steht unheilbar kranken Patientinnen und Patienten auch mit telefonischer Beratung zur Seite.

Gemeinsam Ziele formulieren

Palliative Care unterstützt Patientinnen und Patienten mit schweren, unheilbaren Krankheiten mit dem Ziel, die Lebensqualität zu verbessern oder zu erhalten. Im Gespräch mit Susanne G. suchen Fachleute gemeinsam nach Wegen, um die Beschwerden zu lindern und ein Netz für die notwendige Betreuung aufzubauen.

«Im Gespräch lässt sich klären, welche Ziele realistisch sind und welche Therapien sich unter den gegebenen Umständen am besten eignen.»

Wichtig ist auch, zu klären, welche Therapie die Wünsche und Bedürfnisse der Frau am besten abdeckt. «Wir befähigen Patienten, zu definieren, was Lebensqualität für sie genau bedeutet und welche Ziele sie haben», sagt Dr. med. Christa Hauswirth Siegenthaler, Leitende Ärztin des Zentrums für Palliative Care. «Im Gespräch lässt sich klären, welche Ziele realistisch sind und welche Therapien sich unter den gegebenen Umständen am besten eignen.»

Je früher grundlegende Fragen besprochen werden, desto besser können Betroffene in ihrer Krankheit begleitet werden. «Palliative Care setzt nicht erst bei der Betreuung am Lebensende ein. Wenn möglich, beginnt sie sehr früh, das heisst, wenn sich zeigt, dass keine Aussicht auf Heilung mehr besteht», sagt Dr. Hauswirth. Seit Anfang 2017 bietet das Zentrum für Palliative Care deshalb eine ambulante Sprechstunde an.

Umfassende stationäre Betreuung

Für Patientinnen und Patienten, deren Gesundheitszustand so schlecht ist, dass eine ambulante Betreuung nicht mehr ausreicht, verfügt das Zentrum für Palliative Care über eine Station mit zwölf Betten.

Hier wird momentan Urs D. betreut. Der 78-jährige Mann ist nierenkrank und seit 15 Jahren auf Dialyse angewiesen. Wegen unerträglicher Schmerzen kam er erst auf die Notfallabteilung und später auf die stationäre Abteilung des Zentrums. Aufgrund anhaltender Übelkeit verlor er an Gewicht, und er leidet an einer Depression. In seiner Verzweiflung äusserte er den Wunsch, die Dialyse abzubrechen und zu sterben.

Um komplexe Leiden, wie sie bei Urs D. vorliegen, bestmöglich lindern zu können, gehören dem Behandlungsteam Fachleute aus sehr vielen Disziplinen an. Neben Medizin und Pflege sind dies Psychoonkologie, Physiotherapie, Sozialarbeit und auch Seelsorge.

Zudem ist Kunsttherapie Teil der Behandlung. «Dies hilft gerade bei Patienten, die sonst nicht über ihre Gefühle und Ängste sprechen können», sagt Dr. Hauswirth. Ob jemand malt, Musik macht oder ein Gedicht verfasst: Das Ergebnis steht nicht im Vordergrund. «Zentral ist, was in der Zeit zur Sprache kommt, Ängste, Trauer, aber auch Wünsche und Hoffnungen. Darauf können wir die Behandlung ausrichten», sagt Dr. Hauswirth.

12 Betten stehen am Zentrum für Palliative Care für die stationäre Behandlung von unheilbar kranken Patientinnen und Patienten zur Verfügung.

Dank erfolgreicher Behandlung der Schmerzen und der Übelkeit hat Urs D. neuen Lebensmut gefasst. Weil der Aufenthalt auf der stationären Abteilung zeitlich begrenzt ist, wird frühzeitig ein Netz an Unterstützungsdiensten aufgebaut.

Urs D. lebt allein in einer Wohnung, weshalb für den Haushalt die Spitex und für den Transport zur Dialyse ein Fahrdienst organisiert wird. Sollte sich sein Gesundheitszustand wieder verschlechtern, wird Kontakt zur ambulanten spezialisierten Palliative Care hergestellt. «Diese vorausschauende Planung vermittelt den Betroffenen Sicherheit und Stabilität», sagt Franziska Trüb.

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