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Rückenschmerzen

Wenn das Kreuz schmerzt

Fast alle Menschen leiden in ihrem Leben mindestens einmal unter Rückenschmerzen. Die Wirbelsäule ermöglicht uns den aufrechten Gang und muss dabei gleichzeitig stabil und flexibel sein. Weil sie nicht jeder Belastung gewachsen ist, kann es zu Rückenproblemen kommen. Diese können die Bewegungsfreiheit einschränken und sogar eine Operation notwendig machen. Um dem möglichst effektiv vorzubeugen, haben wir ein paar Tipps für Sie.

Unsere Wirbelsäule ist ein anatomisches Meisterwerk. Sie hält den Körper aufrecht, trägt die Last von Kopf, Rumpf und Armen und ist gleichermassen stabil und beweglich. Zudem nimmt sie eine wichtige Schutzfunktion wahr, denn sie umschliesst mit dem Wirbelkanal das empfindliche Rückenmark bzw. einen Teil der Nervenwurzeln. Zwischen den einzelnen freien Wirbelkörpern liegen die Bandscheiben. Sie bestehen aus Knorpel- und Bandgewebe und fungieren als eine Art Stossdämpfer. Zudem haben sie die Aufgabe, die einzelnen Wirbel beweglich miteinander zu verbinden. Stabilität erhält die Wirbelsäule auch durch ihre doppelte S-Krümmung. Erschütterungen, die bei jeder Bewegung des Körpers entstehen, können abgefedert und gleichmässig auf die gesamte Wirbelsäule verteilt werden. Beim Gehen werden so Stösse gedämpft, die dem empfindlichen Gehirn kaum zuträglich wären.

Das Volksleiden «Rückenweh»

Probleme mit dem Rücken sind keine Seltenheit – rund 80 Prozent aller Erwachsenen leiden in ihrem Leben mindestens einmal unter Rückenschmerzen. Meist verschwinden sie innerhalb von wenigen Wochen wieder, sie können aber auch chronisch werden. Deshalb sollten Sie sich das Datum ihres Auftretens notieren und spätestens nach zwei Monaten ohne Besserung Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt konsultieren. Rückenschmerzen sind oft das Resultat von stundenlangem Sitzen und zu wenig Bewegung. Durch die vermehrte Belastung der Bandscheiben flachen sie ab, die Abstände zwischen den Wirbelkörpern werden dadurch kleiner und die Haltebänder erschlaffen. Normalerweise wird dieser Stabilitätsverlust durch die Muskulatur kompensiert. Wenn diese jedoch geschwächt und überfordert ist, führt das zu schmerzhaften Verspannungen. Deshalb ist es besonders wichtig, die Muskulatur am Rücken zu stärken. Wenn Ihnen das freie Sitzen oder Gehen in aufrechter Haltung schwerfällt, ist das möglicherweise ein Zeichen für eine Schwächung der Rückenmuskeln.

Stichwort: Bandscheibenvorfall

Einer der häufigsten Gründe für ernsthafte Rückenbeschwerden ist der Bandscheibenvorfall. Auslöser ist oftmals schweres Heben oder eine ruckartige Bewegung. Durch diese akute Überbelastung können im äusseren Faserring der Bandscheibe bereits vorbestehende chronische Risse verstärkt werden, so dass ein Teil des gallertartigen Kerns in Richtung Wirbelkanal gepresst wird. Die austretende Bandscheibenmasse kann auf die umliegenden Nerven drücken, was unter Umständen zu einer Entzündung führt. Die Folgen sind plötzlich einsetzende Rückenschmerzen, Beinschmerzen und/oder Taubheitsgefühle. In der Regel sind Bandscheibenvorfälle im Bereich der Lendenwirbelsäule lokalisiert, die mit nur fünf Wirbelkörpern die Hauptlast unseres Körpergewichts trägt. Ein Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich (auch lumbaler Bandscheibenvorfall genannt) kommt daher weitaus häufiger vor als ein Vorfall im Bereich der Hals- oder Brustwirbelsäule. Ein Bandscheibenvorfall kann gut behandelt werden, meist sogar ohne Operation. Mit Physiotherapie lassen sich Schmerzen lindern, statische Verbesserungen im Bereich der Wirbelsäule erreichen und vorbeugende Effekte erzielen. Eine besondere Bedeutung kommt hier der sogenannten Rückenschule und dem physiotherapeutisch instruierten Eigenübungsprogramm zu. Entzündungen können mit entsprechenden Medikamenten behandelt werden.

Aktiv gegen Rückenschmerzen

Die beste Strategie, um akuten oder chronischen Rückenschmerzen vorzubeugen, besteht darin, aktiv zu sein und körperliche Bewegung in den Alltag zu integrieren. Je mehr man im Alltag körperlich aktiv ist, desto besser geht es in der Regel dem Rücken. Das bedeutet konkret: lieber mal die Treppe nehmen anstatt den Lift. Besser aufs Velo steigen statt ins Auto. Auch Sportarten wie Nordic Walking oder Schwimmen sind zur Vorbeugung gut geeignet. Sollte der Rücken trotzdem schmerzen, können dosierte körperliche Aktivitäten Linderung verschaffen. Zu viel Schonung sollte unbedingt vermieden werden, besser geht man möglichst normal den Alltagsaktivitäten nach und verschafft sich mehrere kurze Entspannungspausen. Auch Kälte- oder Wärmepackungen können helfen, wobei es von Mensch zu Mensch verschieden ist, wer worauf besser anspricht. Schmerzmittel sollten am besten nur in Absprache mit dem Arzt eingenommen werden, denn der vorschnelle Griff zu Tabletten oder Tropfen hat seine Tücken. Das Schmerzempfinden hat nämlich auch eine Warnfunktion, die man unter bestimmten Umständen nicht ignorieren sollte.

Operation nur bei klarer Indikation

Interview mit Prof. Dr. med. Marc-Eric Halatsch, Leitender Arzt der Klinik für Neurochirurgie

Muss bei einem Bandscheibenvorfall immer operiert werden?

Bei schätzungsweise fünf bis zehn Prozent aller lumbalen Bandscheibenvorfälle ist eine Operation notwendig. Häufig ist dies der Fall, wenn eine neu auftretende stärkere, die Gliedmassenfunktion spürbar beeinträchtigende Lähmung vorliegt. Dann ist es wichtig, zeitnah zu operieren. Auch wenn Schmerzen trotz Behandlung innerhalb von sechs bis acht Wochen nicht deutlich zurückgehen, sollte eine Operation geprüft werden. Letztendlich wird aber jede Behandlung individuell abgewogen, geplant und im persönlichen Gespräch ausführlich erläutert.

Wie läuft so eine Operation ab?

Bei einer Bandscheibenoperation wird die in den Wirbelkanal ausgetretene sogenannte Diskushernie entfernt. Die Operation erfolgt mikrochirurgisch, d.h. unter einem Operationsmikroskop. In der Neurochirurgie sind die anatomischen Sicherheitsabstände generell sehr klein. Manchmal ist auch eine sogenannte Instrumentierung oder Wirbelsäulenversteifung notwendig, bei der mittels Navigationstechnik und spezieller Röntgenaufnahmen eine präzise Positionierung von Implantaten vorgenommen wird. Grundsätzlich führen wir am KSW die operative Versorgung der gesamten Wirbelsäule durch.

Und nach der Operation?

Nach einer Bandscheibenoperation beginnt bereits am Operationstag die Mobilisation der Patientin oder des Patienten. Es gilt, verschiedene Techniken, mit deren Hilfe der Rücken im Alltag deutlich entlastet werden kann, unter physiotherapeutischer Anleitung zu erlernen. In der Regel ist nach sechs Wochen eine Rückkehr in den gewohnten Alltag möglich. Sportarten wie Schwimmen und Fahrradfahren sind zu einem relativ frühen Zeitpunkt erwünscht bzw. erlaubt, hingegen sollten Sportarten, die die Wirbelsäule intensiver belasten, erst nach drei bis sechs Monaten wieder aufgenommen werden.

Prof. Dr. med. Marc-Eric Halatsch

Leitender Arzt
Klinik für Neurochirurgie und Wirbelsäulenchirurgie

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