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Erfahrungsbericht Orthopädie und Traumatologie

Schmerzfrei – dank zwei Knieprothesen

Eine Gelenkabnutzung verursachte bei Walter R. seit seinem 60. Lebensjahr Knieschmerzen. Dem zunehmenden Leidensdruck setzte er mit einem Gelenkersatz ein Ende – für ihn die allerbeste Entscheidung.

«Wenn ich ein drittes Knie hätte, würde ich das auch noch machen lassen», sagt Walter R. und lächelt verschmitzt. Vor anderthalb Jahren hat er sein erstes künstliches Kniegelenk bekommen, ein halbes Jahr später das zweite. Der selbständige Metallbauer und passionierte Berggänger hat heute keine Schmerzen mehr und bewegt sich wieder wie früher. «Es ist wie ein Wunder», bekräftigt er und demonstriert seine wiedergewonnene Mobilität mit einer sportlichen Kniebeuge. Walter R. sprüht vor Tatendrang. Rumsitzen ist nicht sein Ding. Das war es nie. Seine Visionen setzt er in die Tat um – sowohl beruflich als auch privat: selbständig mit 23 Jahren, in Etappen wandernd quer durch die Schweiz. Alles lief gut – Walter R. auch –, bis vor rund acht Jahren.

«Meine Erwartungen wurden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen.»

Walter R.
Patient

Die Knie wollten nicht mehr

Seit 45 Jahren steht der Metallbauer täglich in seiner Werkstatt und fertigt für seine Kunden Möbelstücke und Kunstwerke aus Metall. Walter R. entwirft, produziert und montiert alle Aufträge selber – eine schwere körperliche Arbeit, bei der er oft knien, Treppen steigen und Lasten tragen muss. All dies nimmt er gern in Kauf, denn seine Arbeit ist ihm mehr als nur Beruf. Vor acht Jahren wurden Metallbau und Bergwandern, seine liebste Freizeitbeschäftigung, in Frage gestellt. Zunehmend machten dem damals 60-Jährigen Knieschmerzen zu schaffen. Unannehmbar für den geh- und schaffensfreudigen Mann mit dem humorigen Schalk in den Augen.

Was nun? Walter R. holte sich medizinischen Rat: «Mein Hausarzt diagnostizierte Kniearthrose. Er fand mich allerdings zu jung für eine Prothese. So rieb ich meine Knie mit Salbe ein und nahm Schmerztabletten. Doch diese schlugen mir auf den Magen. Das ging so nicht. Dann folgte der Versuch mit Kortisonspritzen. Die halfen zwar, aber nur kurz. Spätestens nach zwei Monaten kamen die Schmerzen zurück. Nach ein paar Jahren mit Hoffnung und Rückschlägen hatte ich genug. Ein Entscheid wurde fällig.»

«18’000 Knieprothesen werden in der Schweiz pro Jahr eingesetzt.»

Wie Walter R. ergeht es vielen, weiss Dr. med. Samuel Blatter, Leitender Arzt an der Klinik für Orthopädie und Traumatologie, Teamleiter Kniechirurgie. Viele Menschen leiden an einer Abnutzung ihres Kniegelenks (Arthrose). Die Arthrose ist nicht nur ein Abrieb des Knorpels, der die Gleitfläche eines Gelenks bedeckt. Auch der gelenknahe Knochen verändert sich – nicht zum Guten. Häufig entwickelt sich im Gelenk eine entzündliche Reaktion, die teilweise starke Schmerzen verursacht. «Eine Kniearthrose äussert sich in zunehmenden Schmerzen im Knie, die beim Anlaufen, bei Belastung und Aktivität oder sogar im Ruhezustand auftreten. Mit fortschreitendem Verschleiss des Gelenks nimmt die Beweglichkeit ab, das Gelenk versteift zunehmend. Manchmal entwickeln sich auch Achsenfehlstellungen, sprich O- oder X-Beine. Folgen sind ein hinkender Gang mit vermehrter Belastung der benachbarten Gelenke und der Wirbelsäule.»

Auch bei Walter R. nahmen die Schmerzen und Beschwerden weiter zu. Ein Orthopäde riet ihm angesichts der fortgeschrittenen Arthrose zu einem Gelenkersatz. Anfang 2021 kam Walter R. in die Kniesprechstunde am KSW zu Dr. Blatter. «Walter R. kam mit einer klaren Vorstellung zu mir in die Sprechstunde. Er wollte sich in Beruf und Freizeit wieder schmerzfrei bewegen können. Am KSW behandeln wir Kniepathologien aller Art grundsätzlich zunächst mit konservativen Massnahmen. Erst wenn sämtliche nicht operativen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind, eine Arthrose im Endstadium vorliegt und die Lebensqualität zunehmend leidet, ziehen wir einen Kniegelenkersatz in Betracht.

«Die Lebensdauer einer Prothese liegt in der Regel bei 15–20 Jahren oder mehr.»

Durch den Teil- oder Vollersatz eines Kniegelenks helfen wir Menschen, ihren Alltag schmerzfrei zu bewältigen, wieder mobiler zu sein und länger autonom zu bleiben. Insbesondere ältere Menschen profitieren von der wiedergewonnenen Mobilität, so dass in einzelnen Fällen der Eintritt in eine Pflegeeinrichtung hinausgezögert werden kann.»

«Wenn ich ein drittes Knie hätte, würde ich das auch noch machen lassen.»

Nach einem fundierten Beratungsgespräch am KSW entschied sich Walter R. zunächst zum Eingriff am linken Knie. «Dr. Blatter und der Anästhesist haben mich bestens informiert und mir den Eingriff im Detail erklärt. Von Anfang an hatte ich das Gefühl, am KSW in den richtigen Händen zu sein. Und als positiv denkender Mensch hatte ich darum keine Angst vor dem Eingriff. Aber natürlich erhoffte ich mir, meine Schmerzen loszuwerden.» Am 4. Juni 2021 wurde die Knieprothese bei Walter R. eingesetzt. An den Eingriff erinnert er sich nicht. Er hatte sich für eine Vollnarkose entschieden. Alles verlief nach Plan, der Eingriff dauerte knapp über eine Stunde. Von der Operationsmethode am KSW zeigt er sich fasziniert: «Vor dem Eingriff wurde ein 3-D-Abbild meines Kniegelenks angefertigt. Das Gelenk wurde exakt ausgemessen. So konnten Dr. Blatter und sein Team den Gelenkersatz genau an- und einpassen.»

Walter R. mit seiner Frau Renate in der Werkstatt. In Teamarbeit entwerfen, produzieren und montieren sie alle Aufträge selber.

Nach der OP auf die Beine

Walter R. blieb drei Tage lang im Spital. Bereits kurz nach dem Eingriff durfte er an Stöcken einige Schritte gehen. Tags darauf startete das physiotherapeutische Training – ganz im Sinn des Bewegungsmenschen. Tatsächlich ist die Vollbelastung des Knies bald nach dem Eingriff in den meisten Fällen erlaubt und sogar erwünscht. «Als die Narkose nachliess, verspürte ich vorübergehend schon Schmerzen», erinnert sich Walter R., «aber diese rührten von der Wunde her. Meine Knieschmerzen hingegen waren verschwunden. Meine Erwartungen wurden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen.» Walter R. war vom Resultat und vom Knie-Team derart überzeugt, dass er sich schon gut einen Monat später für den Eingriff am rechten Kniegelenk entschied. Heute wandert er unbeschwert in den Bergen – wenn er nicht gerade ein Werkstück in seinem Atelier bearbeitet.

 


Die patientenspezifische Instrumentierung der Knieprothese bringt viele Vorteile

INTERVIEW mit Dr. med. Samuel Blatter, Teamleiter Kniechirurgie, Leitender Arzt Klinik für Orthopädie und Traumatologie

In der orthopädischen Klinik am KSW bietet das Knie-Team das ganze Spektrum der Kniechirurgie an und hat stets den Nutzen für die Patientinnen und Patienten im Fokus. Trotz enormer Erfahrung ist der chirurgische Eingriff nie Routine. Dr. med Samuel Blatter zu den innovativen kniechirurgischen Methoden am KSW.

Das KSW gehört zu den Schweizer Spitälern, die am meisten Knieprothesen einsetzen, und das mit ausgezeichneter Qualität bei niedrigsten Revisionsraten. Bei Walter R. haben Sie einen Gelenkersatz an beiden Knien vorgenommen. Handelte es sich hierbei um einen Routineeingriff?
Wir haben sicherlich viel Erfahrung in der Knie-Endoprothetik. Diesen Eingriff führen wir wöchentlich mehrfach durch, trotzdem sprechen wir nie von Routine-eingriffen. Obwohl die Anatomie in sich sehr ähnlich ist, kann jedes Gelenk individuelle Eigenheiten aufweisen, und diese gilt es zu berücksichtigen. Haben wir früher bei jedem Patienten bzw. jeder Patientin die identische Implantat-Position gewählt, so werden heutzutage am KSW die Implantat-Komponenten individuell an der jeweiligen Anatomie ausgerichtet.

«Unsere Kniegelenkprothesen zeichnen sich durch eine ausgezeichnete Qualität und eine geringe Revisionsrate aus.»

Die patientenspezifische Instrumentierung der Knieprothese ist ein besonderes Merkmal der Kniechirurgie am KSW. Was sind die Vorteile dieser Methode und was ist dabei anders als bei der herkömmlichen Technik?
Das künstliche Knie soll sich möglichst natürlich anfühlen und die Patient:innen sollen ihre natürliche Beinstellung beibehalten. Die patientenspezifische Instrumentierung hilft uns, diese Ziele zu erreichen. Am KSW setzen wir seit 2009 auf diese Technologie. Das heisst, bei jedem Patienten bzw. bei jeder Patientin wird das Knie in einer Computertomographie-Untersuchung dreidimensional genau vermessen. Dadurch können wir bereits im Vorfeld des Eingriffs die individuellen anatomischen Eigenheiten des Gelenks, die Drehachsen und die Beinachse analysieren und den Eingriff genau planen. Diese Technik erlaubt es uns, die Implantatgrösse und die individuelle Positionierung des Gelenks für jeden Patienten bzw. jede Patientin präzise zu realisieren. Studien belegen, dass diese Technologie sehr präzise ist und Fehlplatzierungen mit entsprechend schlechtem Resultat vermieden werden können. Das scheint auch unsere sehr geringe Revisionsrate beim Kniegelenkersatz zu erklären.

Sie sind mit Leib und Seele Knieorthopäde. Was reizt Sie an diesem Fachgebiet?
Herr R. meinte in einem Gespräch spasseshalber, dass wir eigentlich beide Schlosser seien – er sei ein Metallschlosser und ich ein Knochenschlosser. Tatsächlich empfinde ich unseren Beruf als Handwerk, bei dem das Resultat sofort mittels Röntgenuntersuchung visualisiert werden kann. Erfahrung ist dabei ausserordentlich wichtig. Das Medizinstudium dauert sechs Jahre und die Spezialisierung auf Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates noch einmal mindestens sechs Jahre. Es braucht Leidenschaft für diese Disziplin, um den langen Ausbildungsweg durchzuhalten. Das Schöne an unserem Beruf ist, dass wir unseren Patientinnen und Patienten wieder zu einem schmerzfreien Alltag verhelfen und ihre Mobilität fördern können.

Dr. med. Samuel Blatter

Teamleiter Kniechirurgie
Leitender Arzt
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