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Pensioniertenausflug: Zum Davonlaufen schön

An diesem sonnigen Frühherbstmorgen im September denkt niemand der 37 KSW-Pensionierten ans Davonlaufen. Viele der Teilnehmenden sind jedes Jahr beim Herbstausflug dabei. Wie schon beim Frühlingsausflug sind erneut einige Neupensionierte dazugekommen. Herzlich willkommen.

Zum Ausflugsthema «Am Bodensee Weltgeschichte erleben» lassen wir uns mit verschiedenen ÖV-Transportmitteln nach Märstetten TG und von dort auf den Seerücken fahren. Wir sind nicht die einzige Gruppe, die auf dieser Strecke unterwegs ist. So sind die Sitzplätze im Postauto schnell besetzt. Die eher unbekannte Strecke durch die landwirtschaftlich geprägte Thurgauer Hügellandschaft ist ein Genuss. Schön angelegte Apfelbaum-Kulturen, Landwirtschaftsflächen und gepflegte Waldstücke wechseln sich ab. Bei diesem Blick in die Natur fliegt die Zeit bei angeregten Gesprächen über Erkenntnisse zu unserem Lebensabschnitt nur so dahin. Beim Ausflug sind fünf über 80-jährige Teilnehmende dabei.

Im ländlichen Weiler Fruthwilen nimmt die Gruppe den Weg Richtung Zielort Arenenberg unter die Füsse. Auf dem Hügel ist die wärmende Herbstsonne spürbar, und die klare Weitsicht über den Bodensee hinaus weckt Ferienlaune. Als Überraschung steht bei Familie Gremlichs Hoflädeli ein Aperitif auf dem Programm, der ein «Davonlaufen» garantiert nicht sinnvoll erscheinen lässt. Zu Sekt und Sirup werden getrocknete Zwetschgenhälften und Apfelringe von seltenen Sorten gereicht. Ein schöner Moment, bevor wir in die gelebte Weltgeschichte der Familie Napoleon Bonaparte eintauchen werden. Ein kurzer Spaziergang führt uns zum schmucken Anwesen mit wunderbarem, fast kitschigem Ausblick auf die Insel Reichenau.

Die Schlossanlage Arenenberg ist einer der schönsten Orte am Bodensee. Hier «erwartet» uns Kaiser Louis Napoleon III., der uns, vertreten durch eine kompetente junge Museumsführerin, seine Familie mit Wohnhaus und Geschichten dazu näherbringen will. Plötzlich sind wir Freunde von Königin Hortense, seiner Mutter, die den kleinen Prinzen zum französischen Kaiser erzog.

Mit Filzpantoffeln an den Füssen schlurfen wir beeindruckt über auf Hochglanz poliertes Parkett von einem Raum in den anderen. Das Wohnhaus hat 23 Zimmer. Wir bestaunen die antiken Originalmöbelstücke und die grossen Gemälde in vergoldeten Rahmen. Porträts der in edle Roben gekleideten Familienmitglieder hängen an den Wänden. Das kleiderschrankgrosse «Schmuckkästchen» der Königin ist leider verschlossen. Für die Besichtigung der oberen Stockwerke steigen wir die steile Wendeltreppe hoch. Wir sehen Schlafgemächer ohne Romantik, edle Bürotische im Arbeitszimmer in düsterem Ambiente, das Kämmerlein mit Plumpsklo und das Bad mit Sitzbadewanne für die kaiserliche Familie. Die beiden obersten Etagen für die Französisch sprechenden Angestellten sind deutlich einfacher eingerichtet. Die anderssprachigen Hilfskräfte wohnten noch einfacher im Nebengebäude. Selbstverständlich gab es aber eine grosse Küche, die wir nach der Schlossbesichtigung gern in der heutigen Ausrichtung geniessen wollen. Zu Gast bei Louis Napoleon III. werden uns im gleichnamigen Bistro edle Cordons bleus mit knuspriger Beilage à la Bocuse aufgetragen. Die vegetarische Lasagne quadrille sah zwar nicht sehr königlich aus, mundete aber trotzdem.

Die freie Zeit wird bei strahlendem Sonnenschein im königlichen Lustgarten, auf den Aussichtsterrassen, beim Pavillon (Lieblingsplatz der Königin) oder auf dem weitläufigen Gelände der Landwirtschaftsschule genutzt. Nach dem obligaten Gruppenfoto auf der Schlossterrasse verlassen wir diesen schönen Ort und wandern in 30 Minuten zum Schiffsteg in Ermatingen hinunter. Die Wartezeit bis zum Anlegen des Bodenseeschiffs wird für Kontakte und persönliche Momente innerhalb der Gruppe genutzt. Die Einfahrt in den Hafen von Konstanz vermittelt immer ein Gefühl von mediterraner Lebensfreude. Die fortgeschrittene Zeit lässt uns dieses Gefühl nicht lange geniessen, denn auf dem Bahngeleise steht schon der reservierte «Muggli»-Wagen zur Abfahrt bereit. Mit Blick auf den Säntis sitzen wir in den Abteilen und lassen die heute erlebten Momente nochmals an uns vorüberziehen.

Es war wirklich zum Davonlaufen schön.

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Viele Mitarbeitende bleiben dem KSW auch nach der Pensionierung eng verbunden. Für sie organisieren wir regelmässig Treffen.
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