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Gezielte Rückendeckung

Eskalationen voraussehen, Blockaden auflösen und Abwärtsspiralen vermeiden: Die Spezialistinnen des «Fachsupports komplexe Patientensituationen» sind weder Propheten noch Zauberer, aber ihre Einsätze wirken. Mit Erfahrung und unvoreingenommenem Blick gelingt es ihnen, festgefahrene Situationen zu entkrampfen.

Ein ungeplanter Spitaleintritt kann namentlich ältere Patientinnen und Patienten auch psychisch überfordern. Für die Pflegenden bedeutet dies eine Mehrbelastung, die sie oft selbst an die Grenze zur Überforderung bringt.

Ortswechsel mit Folgen

Für ältere multimorbide Patienten kann schon ein Ortswechsel wie die Verlegung aus der eigenen Wohnung oder dem Pflegeheim ins Spital die Welt gehörig durcheinanderbringen. Orientierungslosigkeit und diffuse Ängste steigern ihre Ansprüche an die Pflege ins oft fast Unermessliche.

Um Pflegeteams bei der Bewältigung einer überraschend auftretenden Mehrbelastung zu unterstützen, wurde vor zwei Jahren am KSW der «Fachsupport komplexe Patientensituationen» ins Leben gerufen. Hinter dem Fachsupport stehen elf Personen (Fachverantwortliche, Pflegeexpertinnen und Pflegefachberaterinnen). Sie sind als mobile Teams ohne eigene Bettenzimmer im Spital unterwegs.

Es geht nicht um Besserwisserei, das Ziel ist kollegiale Unterstützung durch ein niederschwelliges Angebot. Der Fachsupport übernimmt keine Patienten, sondern unterstützt bei der rechtzeitigen Wahrnehmung einer drohenden Eskalation und der Planung erforderlicher Massnahmen. Zu den Stärken der Spezialistinnen gehören Erfahrung mit komplexen Pflegesituationen und ein frischer Blick von aussen. Ein wichtiges Stichwort heisst Deeskalation.

«Je früher auf der Station eine belastende Entwicklung erkannt wird, desto wirksamer lässt sich eine weitere Eskalation vermeiden und das behandelnde Team vor dem Schritt in eine Negativspirale bewahren.»

Versteckte Komplexität erkennen

Erhöhte Ansprüche vorauszusehen, hilft, eine Zuspitzung der Lage zu vermeiden. Daniela Suter-Frey spricht von der versteckten Komplexität: «Manchmal ist ein erster kleiner Schritt bereits getan, wenn ein Problem benannt wird, Missverständnisse verschwinden und niemand mehr um den heissen Brei herumredet.»

Doch damit allein ist die Sache noch nicht geregelt. Jede komplexe Patientensituation ist wieder anders, deshalb basiert der Fachsupport auf durchdachten Vorbereitungen. Wenn immer möglich lesen sich die Supporterinnen im Voraus gründlich ein, unter anderem in Patientendossiers und Übergabeprotokolle des vorausgegangenen Nachtdienstes.

Die Liste möglicher Anzeichen für eine heikle Entwicklung ist ausgesprochen vielfältig; die Komplexität pflegerischer Situationen ist multidimensional, oft subjektiv geprägt und kann auf verschiedenen Ebenen erkennbar sein.

Auf Patientenebene stehen starke Unmutsäusserungen, Therapieverweigerung, erhöhter Leidensdruck, Hoffnungslosigkeit, Unzufriedenheit der Angehörigen oder unwirksames Therapiemanagement, aber auch fremd- und selbstgefährdendes Handeln im Vordergrund.

Auf Ebene der Pflegefachpersonen können es etwa Unsicherheiten im Umgang mit Patienten und Angehörigen oder ein Gefühl der fachlichen Überforderung sein. Möglich sind zudem Differenzen auf der interdisziplinären Ebene, zum Beispiel wechselnde Behandlungsziele oder Unmutsäusserungen seitens Ärzten bei Fragen durch das Pflegeteam.

Bereits mehr als tausend Einsätze

Die Spezialistinnen des Fachsupport-Teams sind zweimal pro Woche (jeweils Montag und Donnerstag) im Departement Medizin unterwegs, in dringenden Fällen leisten sie auch Einsätze auf Abruf. Der Tagesablauf richtet sich in erster Linie nach dem Supportbedarf der Bettenstationen.

Priorisiert wird nach dem Ampelsystem: Rot erhalten alle schon eskalierten Situationen, sie werden mit höchster Prioritätsstufe bearbeitet. Orange gilt für Situationen, bei denen eine Eskalation vermieden und die Lage vertieft geprüft werden soll. Grün als dritte Farbe bezeichnet schliesslich Situationen, die zunächst evaluiert werden.

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Am KSW erhalten Patienten und Patientinnen fachlich und menschlich kompetente Pflege und Betreuung.
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