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Ein Eingriff ist nicht immer nötig

Martin Huber wurde wegen langanhaltender Schmerzen am rechten Ellbogen in die Spezialsprechstunde für Schulter- und Ellbogenchirurgie am Kantonsspital Winterthur (KSW) überwiesen. Der ambitionierte Sportler litt an einem Tennisellbogen, bis ihm schliesslich eine Operation Linderung verschaffte.

Martin Huber* ist Sportler aus Leidenschaft. Der 48-jährige Architekt und Familienvater war früher Nachwuchsspieler bei den Handball-Junioren und ist heute ein ambitioniertes Mitglied des Tennisvereins. Eigentlich gesund und agil, plagten ihn seit einiger Zeit hartnäckige Schmerzen im rechten Ellbogen. Zuerst spürte er einige Tage nach einem Spiel ein leichtes Ziehen an der Aussenseite des Ellbogens. Dann machten sich die Schmerzen zunehmend auch im Alltag bemerkbar, etwa beim Tragen der Einkaufstasche oder beim Öffnen des Wasserhahns. Als ihn brennende Schmerzen nicht mehr schlafen liessen, suchte er seinen Hausarzt auf. Dieser konnte bereits nach einer kurzen Untersuchung die Diagnose Tennisellbogen stellen.

Martin Huber war wenig überrascht, schliesslich hatte fast die Hälfte seiner gleichaltrigen Spielerkollegen schon solche Beschwerden gehabt. Doch wie wird man sie wieder los? Der Hausarzt verschrieb ihm entzündungshemmende Schmerzmittel und Physiotherapie. Zudem riet er ihm, die Saison zu unterbrechen und manuelle Arbeiten möglichst zu unterlassen. Denn die Ursache des Tennisellbogens ist eine chronische Überlastung der Handgelenk-Streckmuskulatur über dem Ellbogen durch wiederholte (zu hohe) Belastung.

Alternative Therapieformen

Tatsächlich haben nur zehn Prozent aller Patienten mit Tennisellbogen auch wirklich Tennis gespielt. In den meisten Fällen sind repetitive Belastungen des Unterarms im Sport oder im Berufsalltag die Ursache. Selten berichten Patienten auch von einem Unfall als Auslöser der Beschwerden. In der Physiotherapie wurden mit ihm Dehnungs- und exzentrische Kraftübungen gemacht, die er zu Hause selbständig durchführen konnte. Die Therapie wirkte schnell und die Beschwerden gingen zurück, so dass leichte Belastungen wieder möglich waren. Eine längere Arbeitsunfähigkeit hätte sich der selbständige Architekt nicht leisten können.

Drei Monate nach dem ersten Hausarztbesuch und trotz gewissenhaftem Durchführen der Übungen plagten ihn aber immer noch Beschwerden. Martin Huber suchte erneut seinen Hausarzt auf, der ihn schliesslich in die orthopädische Spezialsprechstunde für Schulter- und Ellbogenchirurgie am Kantonsspital Winterthur überwies. Dort wurde er von PD Dr. med. Emanuel Benninger betreut, Chefarzt und Leiter der Klinik für Orthopädie und Traumatologie. Dieser konnte die Diagnose des Hausarztes anhand einer klinischen Untersuchung bestätigen. Der Chefarzt besprach mit Martin Huber die nichtoperativen Therapieoptionen.

Neben der klassischen Physiotherapie kommen diverse physikalische Therapien wie die extrakorporale Schockwellentherapie (ESWT), der therapeutische Ultraschall oder die Dry-needling-Behandlung in Frage. Wenn der Betroffene dadurch Erleichterung erfährt, sind grundsätzlich auch alternative Therapien wie Akupunktur oder kinesiologisches Taping möglich. Eine kurzzeitige Schmerzlinderung wird durch eine lokale Kortisonspritze erreicht. Da im Langzeitverlauf dadurch keine Verbesserung zu erreichen ist, aber ein negativer Effekt durch Schädigung des Sehnengewebes beschrieben wurde, wird diese Therapieform jedoch nicht mehr empfohlen. Neu ist die Injektion von PRP (platelet-rich plasma), das aus dem Blut des Patienten gewonnen und direkt an der schmerzenden Stelle injiziert wird. Martin Huber entschied sich nach ausführlicher Besprechung für die Weiterführung der bereits etablierten Physiotherapie.

Diverse Operationstechniken

Nach weiteren sechs Monaten intensiver Physiotherapie ging Martin Huber wieder in die Spezialsprechstunde. Auf Tage, an denen er schmerzfrei gewohnten Aktivitäten nachgehen konnte, folgten stets längere schlechtere Perioden. Für ihn war klar, dass sich die Schmerzen trotz Physiotherapie nicht genügend lindern lassen würden. Weil die Möglichkeiten der konservativen Therapie ausgeschöpft waren, erklärte ihm PD Dr. med. Emanuel Benninger die Möglichkeiten der chirurgischen Therapie. Dabei wird zwischen der konventionellen offenen Chirurgie und der minimalinvasiven arthroskopischen Technik unterschieden. Martin Huber entschied sich nach der Besprechung mit seiner Frau für die arthroskopische Operation, die problemlos verlief. Nach dem ambulanten Eingriff durfte er die Klinik noch gleichentags verlassen, und der Physiotherapeut erklärte ihm vor dem Austritt die Übungen für zu Hause.

Nach wenigen Wochen verspürte er eine deutliche Besserung, wobei er seine Belastungsfähigkeit durch gezieltes Training weiter steigern konnte. Der Behandlungserfolg wurde in der Sprechstunde regelmässig kontrolliert, und nach sechs Monaten war Martin Huber wieder zurück auf dem Platz. Vor dem nächsten Turnier will er mit Hilfe des Tennislehrers seine Rückhandtechnik verbessern, dazu haben ihm sein Arzt und der Physiotherapeut geraten. Einen Rückfall will er um jeden Preis vermeiden.

*Aus Datenschutzgründen wurde ein fiktiver Name verwendet.


«Eine Operation ist ein persönlicher Entscheid»

Interview mit PD Dr. med. Emanuel Benninger, Chefarzt Klinik Orthopädie/Traumatologie

Welche Patienten besuchen Ihre Spezialsprechstunde?

Ein Tennisellbogen verursacht häufig Schmerzen, die in der Regel zuerst vom Hausarzt behandelt werden. Eine Zuweisung in unsere Sprechstunde ist beispielsweise nötig, wenn die Schmerzen trotz konservativer Therapie nicht zurückgehen oder eine längere Arbeitsunfähigkeit besteht.

Was ist der Unterschied zwischen einem Tennis- und einem Golferellbogen?

Beim Tennisellbogen ist der Ursprung der Handgelenk-Streckmuskulatur auf der Aussenseite betroffen, beim Golferellbogen die Ursprünge der Handgelenk-Beugemuskeln auf der Innenseite des Ellbogens. Bei den meisten Betroffenen liegt die Ursache solcher Probleme allerdings in Alltags- und Berufsaktivitäten.

Wann ist eine Operation notwendig?

Über 90 Prozent der Patienten müssen nicht operiert werden. Nur wenn trotz konservativer Therapiemethoden über drei bis sechs Monate hinweg keine Besserung eintritt, muss eine Operation in Betracht gezogen werden. Das ist ein persönlicher Entscheid und vom Patienten und von seinen Lebensumständen abhängig. Auf jeden Fall müssen vorher andere Erkrankungen und Probleme am Ellbogen, die ähnliche Beschwerden verursachen können, ausgeschlossen werden.

PD Dr. med. Emanuel Benninger

Chefarzt, Klinikleiter
Teamleiter Sportorthopädie
Teamleiter Schulter- und Ellenbogenchirurgie
Klinik für Orthopädie und Traumatologie

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