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Erfahrungsbericht Nephrologie/Dialyse

Dank Dialyse mit Schwung durchs Leben

Pascal R. ist seit fünf Jahren auf die Dialyse angewiesen. Obwohl die Therapie seinen Alltag bestimmt, führt er ein erfülltes, vielseitiges Leben – auch dank der umfassenden Betreuung durch die Fachleute am KSW.

Pascal R. ist mit seinem E-Bike zum Gespräch für diesen Text gefahren. Auch die meisten Besorgungen erledigt er damit. «Der kleine Motor macht es möglich, dass ich mich normal bewegen und mit anderen mithalten kann», sagt er.

Der 49-Jährige leidet an einer chronischen Niereninsuffizienz. Seine Niere kann lebenswichtige Funktionen nicht mehr übernehmen, Fremdstoffe und Abbauprodukte des Stoffwechsels werden nicht mehr aus dem Blut gefiltert und über den Harn ausgeschieden.

«Pascal R., 49, leidet seit vielen Jahren an einer Nierenschwäche. Dank Dialyse kann er eine gute Lebensqualität beibehalten.»

Radikale Umstellung des Lebens

Nimmt die Leistung der Nieren zu stark ab, sind Patienten auf eine Dialyse oder eine Spenderniere angewiesen. «Sinkt die Nierenfunktion unter 10–15% und bestehen Beschwerden, raten wir zu einer Nierenersatztherapie», sagt Dr. med. Thomas Kistler, Chefarzt Nephrologie/Dialyse.

Pascal R. erhielt den Bescheid 2016, und er erinnert sich gut an diesen Tag. «Es war ein Schock. Ich wusste, von nun an bin ich von einer Maschine abhängig.» Ganz unvorbereitet traf ihn die Nachricht aber nicht. Seine Niere war schon länger geschwächt. Nach einer Behandlung mit Antibiotika hatte sie 2010 erstmals ausgesetzt. Seit er vierjährig war, hat er nur noch eine Niere; wegen eines Tumors hatte ihm eines der beiden Organe entfernt werden müssen.

«4500 – 5000 Personen in der Schweiz sind auf die Dialyse angewiesen.»

Es gibt viele Gründe, weshalb eine Nierenersatztherapie nötig werden kann. Am häufigsten führen ein hoher Blutdruck oder Diabetes zu Nierenschäden, die ein Nierenversagen verursachen. Seltener sind Autoimmun- oder genetische Erkrankungen oder der Verlust beider Nieren durch einen Unfall.

Von Anfang an gut aufgehoben

Die Umstellung auf die Hämodialyse gelang Pascal R. gut. Dreimal die Woche ging er von nun an ins KSW, wo sein Blut von einer Maschine gereinigt wurde. Rasch spürte er eine Verbesserung. «Ich hatte viel mehr Energie, wurde nicht mehr so schnell müde.» Und er fühlte sich bei Dr. Kistler und seinem Team sehr gut aufgehoben. «Mir war klar: Gegen die Dialyse anzukämpfen, bringt nichts. Ich musste es akzeptieren», sagt er.

Hämodialysen können Patienten auch zu Hause durchführen. Oder sie entscheiden sich für eine Bauchfelldialyse. Hier wird das Bauchfell als natürlicher Filter für die Blutreinigung und die Entwässerung genutzt. Für die Wahl der Methode bleibt am KSW viel Zeit. In mehreren Gesprächen wird geklärt, welche Option am besten passt. «Das ist individuell und hängt auch vom Umfeld ab», sagt Dr. Kistler. «Sofern nötig oder gewünscht, können die Patienten die Methode später auch wechseln und, da wir am KSW alle Formen anbieten, weiter von uns betreut werden.

Pascal R. kennt alle Dialysemethoden aus eigener Erfahrung. Nach einem halben Jahr wechselte er zur Bauchfelldialyse. «Positiv war, dass mein Blut täglich während 24 Stunden gereinigt wurde und ich unabhängiger vom Spital war», erinnert er sich. Doch dann erlitt er einen nicht operierbaren Leistenbruch, und mit der Zeit vertrug er die Flüssigkeit, welche in die Bauchhöhle geleitet wird, nicht mehr gut. Deshalb kam er wieder für die Hämodialyse ans KSW, bevor ihm vorgeschlagen wurde, auf Heimdialyse umzustellen. Seither steht eine kühlschrankgrosse Maschine, die er selbst bedient, in seinem Schlafzimmer.

Die Therapie bestimmt seinen Alltag vom Aufstehen bis zum frühen Nachmittag. Um 8 Uhr morgens schliesst er den Schlauch der Maschine an den Gefässzugang beim Schlüsselbein an.

«10’000 Hämodialysen wurden im Jahr 2020 am KSW durchgeführt.»

Die erste Stunde döst er. Dann absolviert er im Liegen das Fitnessprogramm mit Ausdauer- und Krafttraining, welches das KSW eigens für Dialysepatienten entwickelt hat. Drei Stunden läuft die Maschine, danach isst er zu Mittag, bevor er sich nochmals für zwei Stunden hinlegt. Sechsmal pro Woche macht er das so. Dank der Behandlung zu Hause war es möglich, den für ihn optimalen Behandlungsrhythmus zu finden.

Enges Zusammenspiel der Fachleute

Damit die Dialyse reibungslos funktioniert, sind viele Fachleute im Einsatz. «Der Erfolg der Therapie hängt von der engen Zusammenarbeit der verschiedenen Disziplinen ab», sagt Dr. Kistler, «und die ist am KSW optimal.» Das beginnt mit Fachleuten der Angiologie und der Gefässchirurgie. Sie sorgen dafür, dass für eine Hämodialysebehandlung über eine Vene am Unter- oder Oberarm ausreichend Blut über den Hämodialysefilter geleitet werden kann.

Auch Fachleute aus Urologie, Rheumatologie, Neurologie und Kardiologie werden beigezogen. «Das ist sehr wichtig, weil einige unserer Patientinnen und Patienten schon älter sind und nicht selten weitere medizinische Beschwerden vorliegen», sagt Dr. Kistler.

«Bei uns werden die Dialysepatientinnen und -patienten sehr persönlich betreut.» Sacha Buchmann Stv. Leiter Pflege

Eine zentrale Rolle spielt die Pflege. «Wir verbringen sehr viel Zeit mit den Patientinnen und Patienten, wenn sie die Hämodialyse am KSW machen», sagt Sacha Buchmann, Stv. Leiter Pflege der Dialysestationge der Dialysestation. «Unser Ziel ist es, dass sie sich möglichst wohl fühlen. Je entspannter sie sind, desto seltener kommt es zu Blutdruckschwankungen während der Dialyse.» Dank der engen Beziehung kann Sacha Buchmann auch andere körperliche Beschwerden früh erkennen, Durchblutungsstörungen an den Füssen etwa. «Wir achten darauf, dass es keine Druckstellen gibt. Bilden sich Wunden, legen wir Verbände an.» Und kommt es doch einmal zu einer Infektion, wird das Wundambulatorium beigezogen.

Die richtige Ernährung

Die Dialyse kann die Aufgaben der Nieren nur zum Teil übernehmen. «Die richtige Ernährung ist deshalb eine wichtige Unterstützung», sagt Ernährungstherapeutin Sabrina Frei, «gerade was den Wasser- und Mineralienhaushalt betrifft.» So muss die Trinkmenge an die täglich noch ausgeschiedene Urinmenge angepasst werden. Wird kein Urin produziert, darf pro Tag nur ein Liter getrunken werden. «Funktioniert die Niere nicht, kann sie die aufgenommene Flüssigkeit nicht mehr ausscheiden. Das Wasser wird bis zur nächsten Dialyse gespeichert, was den Körper belastet.» Zurückhaltung ist auch beim Salzkonsum verlangt, «sonst bekommen die Patienten Durst und trinken zu viel». Hingegen ist es wichtig, genügend Eiweiss aufzunehmen. Denn durch die Dialyse wird dem Körper Eiweiss entzogen.

«20% des Blutes, das vom Herz in den Kreislauf gepumpt wird, gelangen bei gesunden Menschen direkt zu den Nieren.»

Pascal R. hat wegen der Dialyse seine Lebensfreude nicht verloren. Er arbeitet weiter für eine Bibliothek, viermal die Woche ein paar Stunden, «von zu Hause aus, das war schon vor Corona möglich». Und er fährt weiterhin in die Ferien. Was allerdings etwas Planung verlangt. In der Nähe muss ein Spital oder ein Dialysezentrum sein, wo er dreimal pro Woche sein Blut reinigen lassen kann. «Ganz abgelegen sollte es nicht sein, damit der Weg zur Dialyse nicht zu weit ist.» Im Corona-Jahr war er am Genfersee, zuvor in Amsterdam und in der Bretagne.

Bevor er sich verabschiedet, sagt er noch, wie zufrieden er mit der Behandlung am KSW sei. «Die Nephrologie, das Team im Ambulatorium, auch die Physiotherapie und die Ernährungsberatung: Es ist immer sehr persönlich und menschlich.» Dann nimmt er seine Velotasche und macht sich auf, um zu seiner Partnerin zu fahren.

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