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Neonatologie

Damit Frühgeborene gut ins Leben starten

Eine Frühgeburt ist für Mutter und Kind ein einschneidendes Erlebnis. Spezialisierte Medizin und gleichzeitig die grosse Nähe und Wärme von Eltern und Pflegefachpersonal fördern die Entwicklung der Frühgeborenen.

Bei der Geburt ihres Kindes überlassen die Eltern nichts dem Zufall. Im Vorbereitungskurs lernen sie den Umgang mit dem Neugeborenen, sie wählen den Geburtsort, machen sich mit dem Gebärsaal vertraut, besprechen mit der Hebamme eine Wassergeburt oder eine andere Gebärmethode oder legen den Termin für den Kaiserschnitt fest. Und meist verläuft alles genau nach Plan. Denn die Schwangerschaft ist ein regelmässiger Vorgang: Fast 90 Prozent aller Kinder kommen in der üblichen Zeit auf die Welt, zwischen der 38. und der 42. Woche.

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Die Pflege ist darauf ausgerichtet, die Entwicklung der Frühgeborenen zu fördern.

Eine Frühgeburt kann die schönen Pläne durchkreuzen. Davon spricht man, wenn ein Kind vor Ablauf von 37 Schwangerschaftswochen zur Welt kommt. Auslöser kann ein Sturz sein oder wenn die Gebärmutter unter dem Druck der Wehen reisst.

«Wir können ein Kind innerhalb von zehn Minuten per Kaiserschnitt zur Welt bringen»

Der damit verbundene Blutverlust kann für Mutter und Kind lebensbedrohlich sein. Auf solche Notfälle ist das KSW vorbereitet. «Wir können ein Kind innerhalb von zehn Minuten per Kaiserschnitt zur Welt bringen», sagt Dr. med. Lukas Hegi, Chefarzt der Klinik für Neonatologie, «zu jeder Tages- und Nachtzeit.» Die standardisierten Abläufe werden regelmässig trainiert.

Kaiserschnitt zum richtigen Zeitpunkt

Bereits in einer frühen Phase der Schwangerschaft kann sich eine Frühgeburt abzeichnen. Wenn sich zum Beispiel die Plazenta über den Geburtsausgang gelegt hat. Wächst das Kind, so kann sich die Plazenta ablösen, was zu massiven Blutungen führen kann.

Wird dies bei einer Untersuchung festgestellt, kommt die Mutter auf die Geburtshilfeabteilung des KSW, wo sie und ihr Kind überwacht werden. «Im Bauch der Mutter kann sich das Kind am besten entwickeln. Sobald jedoch Komplikationen auftreten, führt die Geburtshilfe einen Kaiserschnitt durch», sagt Dr. Hegi.

«Unser Ziel ist es, so viel menschliche Nähe wie möglich zu bieten und so wenig Technik wie nötig einzusetzen.»

Jede Frühgeburt ist ein einschneidendes Erlebnis. Nach dem Kaiserschnitt wacht die Mutter allein auf, ihr Kind wird auf der Neonatologie medizinisch betreut. «Damit die Eltern diese belastende Situation möglichst gut bewältigen können, nehmen wir uns viel Zeit und erklären genau, was getan wird», sagt Dr. Hegi. Und wenn es der Gesundheitszustand des Kindes zulässt, können die Eltern es in die Arme nehmen. «Unser Ziel ist es, so viel menschliche Nähe wie möglich zu bieten und so wenig Technik wie nötig einzusetzen.»

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Eine sanfte Stimulation mit einem Wattestäbchen hilft, den Saugreflex des Kindes zu entwickeln.

Viele der Frühchen sind winzig klein, manche wiegen nur wenig mehr als ein Kilo. An der Klinik für Neonatologie am KSW werden Frühgeborene betreut, die nach der vollendeten 28. Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen sind. Das sind drei Monate vor dem errechneten Geburtstermin, entsprechend viel Medizin wird benötigt: Weil die Lunge noch nicht voll entwickelt ist, brauchen sie Atemunterstützung.

Zur Regulierung der Körpertemperatur liegen sie in einem geschlossenen Inkubator, und sie werden über Infusionen und Magensonden ernährt. In der Regel bleiben die Frühchen bis kurz vor dem eigentlichen Geburtstermin auf der Neonatologie. Dabei holen sie schnell auf: Sie dürfen aus dem Inkubator in ein offenes Bettchen wechseln, die technische Unterstützung beim Atmen oder bei der Ernährung kann mit der Zeit reduziert werden.

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Das Frühgeborene spürt die Körperwärme und den Herzschlag der Mutter.

Die Wärme der Eltern

In dieser Zeit können die Eltern ganz nah bei ihrem Kind sein. Selbst wenn das Frühchen noch «verkabelt» ist, liegt es immer wieder zugedeckt für eine Stunde nackt auf der Brust von Mutter oder Vater.

«Dank dieser Känguru-Methode spürt das Kind die Körperwärme und den Herzschlag, und auch Bakterien werden übertragen. Das ist für den Aufbau des Immunsystems wichtig», sagt Christine Haid, Abteilungsleiterin Pflege in der Klinik für Neonatologie. Auch wickeln die Eltern ihr Kind und können andere Pflegeaufgaben übernehmen.

«Es geht darum, die Belastung der Frühgeborenen durch Licht, Lärm oder Berührungen möglichst gering zu halten»

Damit die Frühgeborenen gut ins Leben starten, spielt die Pflege eine wichtige Rolle. Seit zwei Jahren folgt die Klinik für Neonatologie der Philosophie der entwicklungsfördernden Pflege. «Es geht darum, die Belastung der Frühgeborenen durch Licht, Lärm oder Berührungen möglichst gering zu halten», erklärt Christine Haid.

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Dazu gehört, dass die Abläufe auf den Rhythmus der Kinder ausgerichtet werden. «Arztvisiten oder das Wickeln der Kinder finden nicht zu fixen Zeiten statt, sondern immer nur dann, wenn die Kinder wach sind», sagt Christine Haid. Das ist arbeitsintensiver, fördert jedoch die Entwicklung. So können Eltern ihr Kind schneller zu sich nach Hause nehmen.

Perinatalzentrum ‒ optimale Betreuung für Mutter und Kind

1765 Kinder sind 2016 auf der Geburtshilfeabteilung des KSW zur Welt gekommen, und bei den meisten ist die Geburt ohne Schwierigkeiten verlaufen. Wenn jedoch während der Schwangerschaft oder bei der Geburt Komplikationen auftreten, ist für höchstmögliche Sicherheit gesorgt.

Das Perinatalzentrum des KSW vereint Geburtshilfe und Neonatologie unter einem Dach und garantiert eine umfassende medizinische und pflegerische Betreuung von Mutter und Kind. Sämtliche Fachdisziplinen, die es für die Unterstützung von normalen und risikobehafteten Geburten braucht, arbeiten an diesem Kompetenzzentrum eng zusammen: Hebammen, Geburtshilfe, Neonatologie, Anästhesie und falls nötig auch Kinderneurologie und Kinderkardiologie.

Die Fachleute begleiten werdende Mütter durch die Schwangerschaft und führen alle notwendigen Untersuchungen durch. Sie wissen genau, wie sich ungeborene Kinder entwickeln und welche Prozesse zur Anpassung an das Leben ausserhalb des Mutterleibs ablaufen. Dies erlaubt es ihnen, allfällige Komplikationen bei Frühgeborenen vorauszusehen und sich schon vor der Geburt optimal auf die sich abzeichnende Situation vorzubereiten.

Diese spezialisierten medizinischen Leistungen für Mutter und Kind werden wichtiger, weil sogenannte Risikoschwangerschaften häufiger werden: Frauen werden älter, bis sie sich für ein Kind entscheiden, zudem nehmen Mehrlingsschwangerschaften zu.

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Im Perinatalzentrum sind werdende Mütter und Frühgeborene unter dem gleichen Dach bestens aufgehoben.
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Wir betreuen Säuglinge ab der vollendeten 28. Schwangerschaftswoche, die besondere Pflege benötigen.
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