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Bei Ankunft Operation

Komplexe Spitalbehandlung von null auf hundert? Nicht bei Same Day Surgery, hier geht es nicht um Notfälle. Der Patient tritt zwar erst am Operationstag ins KSW ein, aber er ist im Spital bereits ein Bekannter. Arzt und Pflege haben ihn in der Sprechstunde schon Tage vor dem Eintritt kennengelernt und sich in seine Krankengeschichte eingelesen.

Für das behandelnde Team gehören Operationen zum Alltag. Die Patienten hingegen sind mit einer Ausnahmesituation konfrontiert und wollen mental vorbereitet sein. Obwohl Same Day Surgery nach effizientem Verfahren (was es tatsächlich auch ist) klingt, erleichtert es manchen Patienten die persönliche Einstimmung. Der Spitaleintritt am Operationstag wirkt auf sie eher niederschwellig, denn sie treffen hier bei Pflege und Ärzteschaft auf bereits aus der Sprechstunde bekannte Gesichter.

Same Day Surgery Ksw Storys 01

Eintritt ins Spital

Sprechstunde als Chance

Von einem gewissen «Vorlauf» profitiert auch das Team im Spital. Gerade weil der Besuch der Sprechstunde für die Patienten näher am üblichen Alltag sei als der Spitaleintritt, betont Nadine Egloff, lerne man sie hier meist besser kennen. So sei die Sprechstunde ideal für die pflegerische Anamnese. Mehr Gelassenheit ermöglicht Same Day Surgery auch den Patienten, zwischen Sprechstunde und Operation finden sie zu Hause ausreichend Gelegenheit für eine Bedenkzeit; es müssen mindestens 24 Stunden sein. Kurz und gut: «Der Patient kann besser abgeholt werden, mental und auch in praktischen Belangen.»

Weder ambulant noch «Schnelldurchlauf»

Same Day Surgery ist nicht mit ambulanter Behandlung zu verwechseln, verkürzt wird hier lediglich der Spitalaufenthalt vor der Operation. Diese Straffung führt nicht zu einem «Schnelldurchlauf», denn Behandlung und Aufenthalt sind minutiös geplant und klar strukturiert, beginnend in der Sprechstunde mit Arzt und Pflege. Die Sprechstunde gilt auch dem Blick über Operation und anschliessenden Spitalaufenthalt hinaus, dazu können Kontakte mit der Patientenkoordination und Vorbereitungen für den folgenden Aufenthalt in einer Rehaklinik gehören. Doch im Zentrum der Gespräche mit Arzt und Pflege steht jeweils die geplante Operation.

Nicht bloss Effizienz

Unter anderem erleichtert die zeitliche Distanz der prästationären Abklärung zum Eingriff beiden Seiten, einen allfällig ungünstig gelegenen Termin (Ist die letzte Grippe eben erst gerade abgeflaut, wurde kürzlich ein entzündeter Zahn gezogen etc.?) offen zu thematisieren. Was zunächst wie ein abgekürztes Verfahren und «Effizienz first» wirkt, führt also bei Same Day Surgery eher zu mehr Gelassenheit und erlaubt eine gründliche Abklärung im Vorfeld des Eingriffs.


Enormer Effizienzgewinn

Für welche Operationen ist Same Day Surgery (SDS) geeignet, wo hat das Verfahren seine Grenzen?

Im Prinzip ist SDS für alle Operationen geeignet. Ausnahmen können auftreten, wenn es medizinische Gründe gibt, die ein Erscheinen am Vortag nötig machen, weil noch etwas abgeklärt werden muss. Das kommt aber sehr selten vor. Eine weitere Ausnahme hat einen logistischen Hintergrund: Ein Patient wohnt sehr weit weg von Winterthur. In diesem Fall kann er ausnahmsweise die Nacht vor der Operation im KSW verbringen.

SDS steigert die Effizienz im Spital. Welche Vorteile stehen für die Patienten im Vordergrund?

Die Effizienz wird sogar enorm gesteigert. Man muss sich vorstellen: Was man früher während des ganzen Vortages gemacht hat, dauert heute nur noch zwei bis drei Stunden. Denn ein Teil der Aufklärung geschieht in der Gruppe. Wir haben extra einen Informationsfilm produziert, den bis zu vier Patienten gleichzeitig anschauen können. Anschliessend haben sie die Möglichkeit, dem Arzt Fragen zu stellen. Insgesamt gestaltet sich der Ablauf organisierter und effizienter, weil man gewisse Punkte zusammennehmen kann. So sind zum Beispiel beim Patientengespräch und bei der Anamnese der Arzt und eine Pflegefachperson dabei, was verhindert, dass der Patient zweimal die gleichen Fragen zu beantworten hat. Weil bei SDS die Voruntersuchung schon durchgeführt wurde, steigt auch die Flexibilität. Sollte vor der Operation doch noch etwas abgeklärt werden müssen, ist genug Zeit vorhanden, auch um gegebenenfalls die Operation rechtzeitig zu verschieben.

Welche Reaktionen sind von Patienten oft zu hören?

Dr. med. Stefan Gaukel ist dieser Frage wissenschaftlich nachgegangen. Mittels eines Fragebogens hat er die Meinungen von Patienten eingeholt. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Zufriedenheit sehr gross ist. Gerade ältere Personen schätzen die Aufklärung durch den Film, was uns etwas überrascht hat – natürlich positiv. Grundsätzlich empfinden die Patienten es als angenehm, wenn sie in der Nacht vor der Operation noch im eigenen Bett schlafen können. Nur selten fühlt sich ein Patient gestresst, wenn er ins KSW kommt und es gleich losgeht. Früher war es vielfach so, dass er am Vortag vor allem warten musste.

Wirkt sich SDS auch auf den Heilungsverlauf aus?

Die Heilung geht nicht schneller. Aber es kann eine gewisse Gruppendynamik entstehen, zum Beispiel in der Physiotherapie, wo die Patienten in der Gruppe das Gehen an Stöcken lernen. Wenn sich die Patienten dann im Spital wieder treffen, kann sich eine positive Grundstimmung einstellen, die der Heilung sicher nicht abträglich ist.

Für die Pflege: Bringt SDS eine Entlastung oder Mehrarbeit?

Unter dem Strich bringt es für die Pflege eher eine Entlastung. Doppelspurigkeiten werden verhindert, und die Medikamente müssen nur einmal erfasst werden.

Wo steht das KSW punkto SDS im Vergleich mit anderen Spitälern?

Heute setzen viele Spitäler auf SDS, da sind wir keine Ausnahme mehr. Da spielt der Einfluss aus den USA eine Rolle und das Prinzip ambulant vor stationär. Was das gemeinsame Aufklären durch Filme oder zusammen mit anderen Fachbereichen betrifft, gehört das KSW in der Schweiz wahrscheinlich zu einem kleineren Kreis.

Warum wurde die Idee von SDS nicht schon viel früher realisiert?

Lange Zeit war die Meinung verbreitet, dass es aus medizinischer Sicht am besten ist, alles noch am Vortag der Operation zu kontrollieren. Davon ist man mehr und mehr abgekommen. Es hat keinen negativen Einfluss und bewirkt auch keinen Qualitätsverlust, wenn die Voruntersuchung einige Tage bis zwei Wochen vor der Operation durchgeführt wird. Dadurch wird die Hospitalisationdauer verkürzt, ohne dass man Abstriche bei der Qualität in Kauf nehmen muss – und es bleibt erst noch Zeit für allenfalls notwendige kurzfristige Abklärungen.