Blutgefässe / Blut

Multiples Myelom / Plasmozytom

Das Multiple Myelom ist ein Blutkrebs, der von den sogenannten Plasmazellen im Knochenmark ausgeht. Diese befinden sich normalerweise im Knochenmark. Diese Krebserkrankung zählt zur Gruppe der reifen B-lymphatischen Neoplasien oder der Non-Hodgkin-Lymphome. In der Medizin ist sie auch unter dem Fachbegriff Morbus Kahler bekannt. Findet sich nur ein einzelner Tumor aus Plasmazellen, wird die Krankheit als Plasmozytom bezeichnet.

Multiples Myelom

Das Multiple Myelom zählt zur Gruppe der sogenannten Non-Hodgkin-Lymphome.


Ursache

Die Blutbildung gehört zu den aktivsten Geweben im menschlichen Körper überhaupt. Dabei werden während des ganzen Lebens mehr als 100 Millionen weisser und roter Blutkörperchen pro Minute hergestellt. Basis dieser unglaublichen Leistung ist die Zellteilung, bei der die Erbinformation vollständig auf die nächste Tochterzelle kopiert wird.

Bei diesem Vorgang kann es zu Fehlern kommen. Im ungünstigen Fall kann dabei eine Plasmazelle entstehen, die zum Multiplen Myelom führt. Sehr hohe Dosen ionisierender Strahlung können die Entstehung solcher Fehler begünstigen.


Häufigkeit

Das Multiple Myelom ist innerhalb aller Krebserkrankungen eher selten. In der Schweiz erkranken jährlich etwa 600 Menschen neu daran – Männer etwas häufiger als Frauen. Innerhalb der Blutkrebserkrankungen macht das Multiple Myelom etwa 10 % aller neu diagnostizierten Fälle aus.

Das mittlere Alter bei der Diagnosestellung beträgt 68 Jahre. Deshalb ist das Multiple Myelom auch als «Krankheit des älteren Menschen» bekannt. Lediglich 2 % der Erkrankten sind bei der Erstdiagnose jünger als 40 Jahre.


Symptome und Beschwerden

Ein Multiples Myelom kann lange Zeit kaum Beschwerden verursachen.

Im Verlauf greift die Erkrankung verschiedene Organe an. Am häufigsten sind dabei Knochen, Blutbildung und Nieren betroffen. Werden die Knochenstrukturen gestört, beklagen die Betroffenen Schmerzen – vorwiegend im Rücken, in den Rippen oder in den Röhrenknochen. Bei Störung der Blutbildung steht die Blutarmut mit daraus resultierender Müdigkeit, verminderter Leistungsfähigkeit und Atemnot bei Anstrengung im Vordergrund. Wird die Nierenfunktion vermindert, sind die Beschwerden mit Müdigkeit und Appetitlosigkeit oft unspezifisch.


Diagnose

Beim fast allen Patientinnen und Patienten wird der Verdacht auf ein Multiples Myelom nach Feststellung eines krankhaften Eiweisses (Paraprotein) in der Blutuntersuchung gestellt. Zur Bestätigung der Diagnose sind verschiedene weitere Abklärungen erforderlich:

  • Patientengespräch (Anamnese) und körperliche Untersuchung
  • Laboruntersuchung (Kontrolle des Bluts und des Urins)
  • Entnahme einer Knochenmarkprobe
  • Röntgenuntersuchung oder Computertomographie der Knochen

Wenn sich der Verdacht erhärtet, wird eine genaue Diagnose gestellt. Diese bildet die Grundlage für den individuellen Therapieplan.

CT Multiples Myelom

Befundbeispiel im Computertomogramm (CT) bei Neudiagnose eines Multiplen Myeloms mit schmerzhafter Auflösung der Knochenstruktur im Beckenbereich


Behandlung

In einem sehr frühen Stadium wartet man häufig mit einer Therapie zu, weil diese zu diesem Zeitpunkt keine Vorteile bringt. Diese Phase nennt sich «Watch and wait»: beobachten und abwarten.

Wenn die Erkrankung zu Beschwerden führt, sollte eine Behandlung besprochen werden. Diese besteht aus einer Kombination von Kortison, zielgerichteten Medikamenten und teilweise auch einer Chemotherapie. Manchmal kommt zusätzlich eine Hochdosis-Chemotherapie mit autologer Stammzelltransplantation in Frage. Je nach Ausgangslage können zusätzlich eine Strahlentherapie und ein orthopädischer Eingriff erforderlich sein.


Nachsorge

Das Multiple Myelom ist im Normalfall nicht heilbar. Mit einer Behandlung kann es aber über längere Zeit so weit zurückgedrängt werden, dass keine Beschwerden mehr auftreten. Ist ein Therapieabschluss möglich, sind weiterhin regelmässige Nachsorgeuntersuchungen nötig.

Dabei werden Blut und Urin sowie unter Umständen auch das Knochenmark und die Knochen (Computertomogramm) untersucht. Der Arzt oder die Ärztin bleiben wichtige Ansprechpartner. Die Fachleute der Psychoonkologie helfen Patientinnen und Patienten dabei, sich von den seelischen Belastungen zu erholen und wieder zu Kräften zu kommen.