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Gelenke: Kleine Wunderwerke mit grosser Wirkung

Gelenke sind wahre Alltagshelden und wirken meist im Stillen. Erst wenn sie schmerzen oder steif werden, merken wir, wie wichtig sie in unserem Alltag sind. Was ist noch normal, was nicht mehr? Und wie lassen sich die Gelenke im Alltag stärken? Ein Blick ins Innere unserer Gelenke und auf die Möglichkeiten, wenn Bewegung nicht mehr selbstverständlich ist.

Gelenke sind komplexe Strukturen aus Knorpel, Knochen, Bändern und Gelenkflüssigkeit. Sie sorgen dafür, dass alltägliche Bewegungen mühelos ablaufen: gehen, greifen, sitzen, aufstehen, sich drehen, sich bücken und viele andere. Mit zunehmendem Alter oder bei starker Beanspruchung verändern sich diese Strukturen. Warum ist das so? Was ist normaler Verschleiss, was behandlungsbedürftig? Und was können wir selbst tun, um möglichst lange beweglich zu bleiben? Wissen über Gelenke hilft, Beschwerden besser einzuordnen und rechtzeitig aktiv zu werden.

«Viele denken, Schmerzen gehörten einfach zum Älterwerden. Das stimmt so nicht.»
Prof. Dr. med. Christoph Meier

Warum Gelenke altern

Mit zunehmendem Alter treten Gelenkbeschwerden häufiger auf. Das hat mit natürlichem Verschleiss zu tun. Der Knorpel, der die glatten Gelenkflächen bildet, wird im Laufe der Jahre dünner oder verliert an Elastizität. «Das ist ein normaler Prozess des Alterns, aber er verläuft bei jedem Menschen anders», erklärt PD Dr. med. Emanuel Benninger, Chefarzt und Klinikleiter der Klinik für Orthopädie und Traumatologie. Neben dem Alter spielen auch frühere Verletzungen, Überbelastungen, genetische Faktoren und der Lebensstil eine Rolle. Deshalb gibt es Menschen, die schon in jüngeren Jahren starke Beschwerden haben, und andere, die bis ins hohe Alter kaum Probleme haben.

Bewegung als Schlüssel

Eine entscheidende Rolle spielt Bewegung. Prof. Dr. med. Christoph Meier, Chefarzt, Stellvertretender Klinikleiter und Teamleiter Traumatologie, ergänzt: «Ein Gelenk muss bewegt und belastet werden, damit es ernährt wird. Es steift ein, wenn es zu lange ruhiggestellt wird.» Gleichzeitig gilt: Auch Überlastung, vor allem durch einseitige Bewegungen oder hohe Belastung, kann Probleme verursachen. Das zeigt sich insbesondere bei bestimmten Sportarten wie Skifahren oder Fussball – meist in Zusammenhang mit Verletzungen.

«Stabile Bänder und gesunde Sehnen sowie eine gute Muskulatur schützen vor Überlastung und Verletzungen. Deshalb ist es ratsam, aktiv zu sein und zu bleiben.»
PD Dr. Emanuel Benninger

Entscheidend für den Schutz der Gelenke sind sorgfältige Vorbereitung bei gelenkbelastenden sportlichen Aktivitäten sowie ein ausgewogenes, altersgerechtes Mass an Bewegung. Auch die Stabilität der Gelenke spielt eine wichtige Rolle. Fakt ist: Wenn ein Gelenk nicht mehr gut geführt ist, nutzt es sich schneller ab. Dazu PD Dr. Benninger: «Stabile Bänder und gesunde Sehnen sowie eine gute Muskulatur schützen vor Überlastung und Verletzungen. Deshalb ist es ratsam, aktiv zu sein und zu bleiben.»

Überlastung oder Arthrose?

Wenn ein Gelenk dennoch schmerzt, bedeutet dies nicht automatisch einen degenerativen Knorpelschaden, also eine Arthrose. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einer vorübergehenden Überlastung, von der das Gelenk sich erholen kann, und einem Knorpelverschleiss, der meist bestehen bleibt und gezielt behandelt werden muss, wie PD Dr. Benninger erklärt: «Bei einer Überlastung sind die Beschwerden in der Regel kurzfristig, nicht sehr intensiv und klingen innerhalb von Stunden oder spätestens am nächsten Tag ab. Wenn die Schmerzen aber ungewohnt stark sind und trotz Schonung oder Kühlung nicht nachlassen, ist eine ärztliche Untersuchung ratsam (siehe Box «Wann zum Arzt?»).

Operation als letzter Schritt

Viele Menschen zögern, bei Gelenkschmerzen eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen, denn sie haben Angst davor, dass voreilig operiert wird. Diese Sorge ist unbegründet. «In den meisten Fällen stehen zunächst konservative Massnahmen im Vordergrund», betont Prof. Meier. Dazu gehören Physiotherapie, gezielte Bewegung, Schmerzbehandlung oder Anpassungen im Alltag. Bewegung ist dabei oft ein zentraler Bestandteil der Therapie. Sie stärkt die Muskulatur rund um das Gelenk, stabilisiert es und verbessert die Funktion. Auch das Körpergewicht beeinflusst die Gelenke. Jedes zusätzliche Kilo belastet die Gelenkstrukturen. Umgekehrt kann schon eine moderate Gewichtsreduktion spürbare Entlastung bringen.

Ein operativer Eingriff – etwa in Form des Einsetzens eines künstlichen Gelenks, sei es als Teilprothese oder als vollständige Prothese – kommt erst dann in Betracht, wenn konservative Therapien nicht mehr ausreichend helfen und die Lebensqualität deutlich eingeschränkt ist. «Das ist immer eine individuelle Entscheidung, die gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten getroffen wird», bestätigt PD Dr. Benninger. Ziel ist es, nach persönlichen Bedürfnissen Mobilität, Selbständigkeit und Lebensqualität zu erhalten. Die Suche nach patientenzentrierten Lösungen ist mit ein Grund, weshalb der Klinikleiter täglich mit Freude zur Arbeit kommt: «Mich begeistern die Möglichkeiten, Patientinnen und Patienten rasch von Schmerzen zu entlasten und sie ihre gewohnten Aktivitäten wiederaufnehmen zu lassen.»

Die wichtigste Botschaft der beiden Spezialisten ist klar: Gelenkbeschwerden sind nichts, was man einfach hinnehmen muss. Prof. Meier betont: «Viele denken, Schmerzen gehörten einfach zum Älterwerden. Das stimmt so nicht.» Wer informiert ist, auf den eigenen Körper hört, in Bewegung bleibt und die medizinischen Möglichkeiten kennt, kann seine Lebensqualität bis ins hohe Alter erhalten.

Typische Warnzeichen – wann zum Arzt?

Nicht jedes Ziehen oder Zwicken ist ein Grund zur Sorge. Eine ärztliche Abklärung ist jedoch sinnvoll bei:

  • anhaltenden oder zunehmenden Gelenkschmerzen
  • ausgeprägter und anhaltender Morgensteifigkeit
  • deutlichen Bewegungseinschränkungen im Alltag
  • Schmerzen nach früheren Verletzungen
  • Schwellungen, Rötungen oder Überwärmung eines Gelenks

Je früher die Ursache gefunden wird, desto gezielter kann behandelt werden.

Unsere Fachexperten

Portrait von PD Dr. med. Emanuel Benninger

PD Dr. med. Emanuel Benninger

Chefarzt, Klinikleiter
Senior Consultant Sportorthopädie
Teamleiter Schulter- und Ellbogenchirurgie
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Prof. Dr. med. Christoph Meier

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Zahlen und Fakten zu Gelenken und Sportverletzungen

Künstliche Gelenke

In der Schweiz werden jährlich etwa 26‘000 künstliche Hüftgelenke und 23‘000 künstliche Kniegelenke implantiert. Am KSW sind es rund 880 Knie- und Hüftgelenke pro Jahr.

Quelle: SIRIS (Schweizerisches Implantatregister)

Steife Gelenke am Morgen

Gelenke fühlen sich am Morgen steif an, weil Entzündungen oder Abnutzung die Gelenkflüssigkeit zäh machen. Erst durch Bewegung werden die Gelenke wieder beweglich.

Das beweglichste Gelenk des Körpers

Das Schultergelenk ist das beweglichste Gelenk des Körpers und lässt sich um 170 bis 180° seitlich nach oben oder nach vorn bewegen. Dies ist möglich, weil der Oberarmkopf in einer flachen Gelenkpfanne liegt und das Gelenk vorwiegend über Muskeln stabilisiert wird. Das Hüftgelenk ist zwar ebenfalls ein Kugelgelenk, kann aber nur bis 100° nach vorn und um 40 bis 50° seitlich bewegt werden, weil die Pfanne den Hüftkopf weiter umfasst.

140 bewegliche Gelenke

Der menschliche Körper verfügt über etwa 140 bewegliche Gelenke. Zählt man zusätzlich alle gelenkigen Verbindungen mit, reichen die Schätzungen von gut 200 bis hin zu ungefähr 360 Gelenken.

150 Minuten pro Woche

Erwachsene in der Schweiz verbringen im Schnitt rund 5,7 Stunden pro Tag sitzend. Gleichzeitig erreichen 76 % der Bevölkerung die offiziellen Empfehlungen von mindestens 150 Minuten Bewegung pro Woche.

Quelle: Bundesamt für Statistik (BFS), Bundesamt für Gesundheit (BAG) / Gesundheitsfragebogen, letzte Erhebung 2022

Häufige Sportverletzungen

Ungefähr 40 % aller Sportunfälle in der Schweiz passieren beim Fussball oder beim Schneesport (Ski/Snowboard).

Beliebteste Sportarten in der Schweiz

Ganz vorn liegen laut offiziellen Studien Wandern und Bergwandern, darauf folgen Velofahren, Schwimmen, Skifahren und Joggen. Frauen bewegen sich etwas häufiger bei Wandern, Gymnastik, Yoga oder Tanzen, Männer öfter bei Velofahren, Skifahren und Fussball.

Quelle: BFS, Sportaktivitätsstudien Schweiz

300’000

In der Schweiz verletzen sich jährlich über 300’000 Menschen beim Sport.

Quelle: Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu), SUVA: NBU-Statistik 2019–2023

Snowboard

43 % der Unfälle betreffen die obere Extremität: vor allem Hand-, Unterarm- oder Schulterverletzungen.

Ski

46 % der Unfälle betreffen die untere und 23 % die obere Extremität: oft Knie-, Schulter- oder Rückenverletzungen.

Fussball

67 % der Verletzungen betreffen die untere Extremität: häufig Sprunggelenk-, Knie- oder Muskelverletzungen.