Knieprothese

Knieprothese - Information zur Operation

Grund für die Operation

Sie leiden an einer relevanten Abnutzung Ihres Kniegelenks (Arthrose).  Deswegen wurde Ihnen empfohlen, es durch Knieprothese ersetzen zu lassen.

Die Arthrose ist nicht nur ein Abrieb des Knorpels, der die Gleitfläche eines Gelenks bedeckt, auch der gelenknahe Knochen erleidet Veränderungen. Zudem entwickelt sich im Gelenk eine entzündliche Reaktion, welche teilweise starke Schmerzen verursachen kann.

Knieprothese

Sind bei einer Kniearthrose die konservativen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft, können bei vielen Betroffenen durch eine Knieprothese die Beschwerden nachhaltig verringert und die Lebensqualität wieder gesteigert werden.

Eine Kniearthrose äussert sich in zunehmenden Schmerzen im Knie, die beim Anlaufen, bei Belastung und Aktivität oder sogar im Ruhezustand auftreten können. Mit fortschreitendem Verschleiss des Gelenks nimmt die Beweglichkeit ab, das Gelenk versteift zunehmend und als Folge davon beginnt man zu hinken. Es können sich auch Achsenfehlstellungen und Instabilitäten entwickeln. Mit abnehmender Beweglichkeit werden zunehmend die Nachbargelenke belastet, so dass im Laufe der Jahre auch dort Schmerzen auftreten können.

Bei der Behandlung wird zuerst versucht, die Schmerzen durch konservative Massnahmen wie Schmerzmittel, Kortisonspritzen oder Physiotherapie einzudämmen. Sind die konservativen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft und leidet die Lebensqualität zunehmend, können glücklicherweise bei vielen Betroffenen durch einen Gelenkersatz die Beschwerden nachhaltig verringert und die Lebensqualität wieder gesteigert werden. Letztlich ist es nicht das auf dem Röntgenbild ersichtliche Ausmass der Arthrose, das über die Durchführung eines Eingriffs entscheidet, sondern massgebend ist Ihr Leidensdruck.

Beschränkt sich die Arthrose hauptsächlich auf den inneren oder äusseren Anteil des Gelenks, ist die Implantation einer Kniegelenk-Teilprothese möglich. Die behandelnde Orthopädin oder der behandelnde Orthopäde wird Sie über diese Möglichkeit und die Vorteile dieses Eingriffs informieren.


Operationsvorbereitung

Der Zahnstatus sollte in Ordnung sein. Im Zweifelsfall bitten wir um Kontrolle beim Zahnarzt.

Wenn Sie blutverdünnende Medikamente (Xarelto/Marcoumar/Sintrom) einnehmen müssen, sollte der Hausarzt 10 Tage vor dem Eingriff eine Umstellung der Medikamente einleiten. Thrombozytenaggreationshemmer wie z. B. Aspirin können bedenkenlos weiter eingenommen werden.

Reduzieren oder sistieren Sie das Rauchen nach Möglichkeit bereits vor dem Eingriff, da Nikotin die postoperative Heilung negativ beeinflusst.


Operation

Beim Eingriff werden die beschädigten und abgenutzten Gelenkanteile oberflächlich abgetragen und ein künstliches Gelenk eingesetzt. Ein solcher Gelenkersatz besteht aus drei Elementen: einem aus einer Metalllegierung bestehenden Ersatz für den Anteil des Oberschenkelknochens, einem für den Anteil des Unterschenkels und einem Kunststoffeinsatz.

Kniegelenk-Totalprothese

Betrifft die Arthrose das gesamte Kniegelenk, ist meist eine Kniegelenk-Totalprothese angezeigt.

Dieser wird zwischen die Metallteile gesetzt, um die ideale Führung des Gelenks zu gewährleisten und zu verhindern, dass die Metalloberflächen aneinander reiben. Die beschädigten Oberflächen des Gelenks werden unter Zuhilfenahme von patientenspezifischen Schnittschablonen abgetragen, damit das Ersatzgelenk passgenau eingebracht werden kann.

In aller Regel wird vor dem Eingriff ein 3-D-Abdruck Ihres Kniegelenkes angefertigt, um das Gelenk in allen Ebenen exakt ausmessen und den Gelenkersatz genau planen zu können. Dabei können interindividuelle anatomische Unterschiede berücksichtigt werden. Relevante Achsabweichungen (O- oder X-Beine) werden beim Eingriff korrigiert.

Kniegelenk-Teilprothese

Ist der innere Anteil des Kniegelenks von Arthrose betroffen, wird meist eine Kniegelenk-Teilprothese eingesetzt.


Vorgehen

Der Zugang erfolgt über einen Hautschnitt vorn über der Kniescheibe. Damit eine gute Sicht aufs Gelenk möglich wird, wird die Kniescheibe vorsichtig leicht zur Seite geschoben. Zur Fixierung der Prothesenteile am Knochen wird meist Knochenzement verwendet.

Um den Blutverlust möglichst gering zu halten, wird die Durchblutung des Gelenks während dem Eingriff durch eine Manschette kurzzeitig unterbrochen. Dadurch und mit den heutigen modernen Operationstechniken sind Blutkonserven-Gaben sehr selten notwendig.


Ablauf am Operationstag

Die Art der Anästhesie werden Sie im Vorfeld mit dem Anästhesieteam besprechen. Der Eingriff dauert ca. 60 bis 90 Minuten. Nach dem Eingriff werden Sie kurzzeitig im Aufwachsaal überwacht. Sobald Sie wieder wach sind und es Ihnen gutgeht, werden Sie in Ihr Zimmer auf der Bettenstation zurückgebracht.


Nachbehandlung

Bereits am Tag des Eingriffs dürfen Sie einige Schritte, zum Beispiel zur Toilette, gehen. In den meisten Fällen ist die Vollbelastung direkt nach dem Eingriff erlaubt und erwünscht.

Schmerzen können vor allem auftreten, wenn die Wirkung des Narkosemittels abklingt, typischerweise am ersten Abend und in der ersten Nacht. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten, diese Schmerzen zu reduzieren – zögern Sie nicht, bei der Pflege nachzufragen.

Am ersten Tag nach dem Eingriff helfen Ihnen die Pflege und eine Physiotherapeutin oder ein Physiotherapeut beim Aufstehen, und Sie lernen das Gehen an Stöcken.

  • Gehen an Stöcken

    Auch wenn Sie das Bein voll belasten dürfen, sollten Sie aus Sicherheitsgründen in den ersten 3 bis 6 Wochen an zwei Stöcken gehen, zumindest so lange, bis Sie wieder ohne Hinken gehen können. Für diese Zeit werden Ihnen ausserdem Blutverdünnungsmittel verschrieben, meist in Form von Tabletten oder Spritzen. Sie beugen damit der Bildung eines Blutgerinnsels (Thrombose) im Bein vor.

    Schon am ersten Tag nach dem Eingriff führen Sie in der Physiotherapie Übungen zur Verbesserung der Kniebeweglichkeit aus. Am zweiten Tag nach dem Eingriff wird ein Röntgenbild angefertigt, damit die Lage des neuen Gelenks kontrolliert werden kann. Bei der Arztvisite erhalten Sie eine Kopie dieses Bildes.

  • Treppensteigen

    Noch während des Spitalaufenthalts üben Sie unter Anleitung einer Physiotherapeutin oder eines Physiotherapeuten das Treppensteigen. Nach dem Austritt trainieren Sie im ambulanten Rahmen in der Physiotherapie weiterhin Beweglichkeit, Muskelkraft und Gehfähigkeit und führen die Übungen zu Hause selbständig aus.

    Die Operationswunde wurde nach dem Eingriff mit einem wasserdichten Pflaster abgedeckt, so dass Sie damit duschen können. Sofern es nicht undicht wird, kann es für zwei Wochen belassen und anschliessend von der Hausärztin oder vom Hausarzt entfernt werden. Die Wunde wird üblicherweise mit Hautklammern verschlossen, die ebenfalls nach 2 Wochen vom Hausarzt entfernt werden.

    Mit dem Eingriff ist ein stationärer Aufenthalt von maximal 4 bis 5 Tagen verbunden. Danach können Sie entweder nach Hause zurückkehren und die Hilfe der Physiotherapie in Anspruch nehmen oder aber einen Rehabilitations- oder Kuraufenthalt antreten. Unser darauf spezialisiertes Team berät Sie gern schon vor dem Eingriff und stellt den Antrag in Ihrem Sinn. Letztlich ist es aber die Krankenkasse oder die Versicherung, die entscheidet, wie Sie unterstützt werden.

  • Ambulante Physiotherapie oder stationäre Rehabilitation?

    Für Sie ist es wichtig, zu wissen, dass ambulante Physiotherapie für das operierte Knie genauso gute Ergebnisse bringt wie eine stationäre Rehabilitation.

    Bei einem unproblematischen Verlauf erfolgt die nächste Kontrolle 2 Monate nach dem Eingriff in unserer Sprechstunde. Dabei wird erneut ein Röntgenbild angefertigt, ausserdem werden Ihre Beweglichkeit und die Funktion des Gelenks überprüft.

Risiken und Komplikationen

Jeder Eingriff ist mit gewissen Risiken verbunden, ausserdem können Komplikationen auftreten. Was dies im Zusammenhang mit der Implantation eines künstlichen Kniegelenks bedeutet, wird im Folgenden erläutert.

Beim Eingriff müssen die Haut und das Unterhautgewebe durchtrennt werden. Davon bleibt eine Narbe zurück. Beim Hautschnitt ist es unvermeidlich, dass kleinste Nervenäste durchtrennt werden. Dies führt dazu, dass die Haut im Bereich der Narbe später weniger empfindlich ist. Dieser Unterschied in der Empfindlichkeit kann sich im Lauf der Zeit verringern, aber eine Differenz bleibt fast immer bestehen.

  • Verletzung von Blutgefässen

    Beim Eingriff werden auch kleine Blutgefässe durchtrennt, was zu einem Bluterguss führen kann, der sich in einer Blauverfärbung der Haut äussert. Diese Verfärbung ändert ihre Farbe von Schwarz bis Gelb, um dann ganz zu verschwinden. Ein kleiner Bluterguss tritt immer auch im Gelenk auf.

    Wenn Sie an den Stöcken zunehmend mobil sind und wieder öfter stehen oder gehen, folgt das Blut der Schwerkraft und kann in den Unterschenkel absinken. Er fühlt sich dann gespannt an und verfärbt sich möglicherweise auch. Das Kniegelenk bleibt nach dem Eingriff mehrere Monate geschwollen. Die Schwellung ist Teil des Heilprozesses und klingt mit der Zeit langsam ab.

  • Infektion

    Trotz aller Vorsichtsmassnahmen können bei jedem Hautschnitt Bakterien von der Haut ins Gewebe gelangen und eine Infektion verursachen. Eine Infektion kann als Wundinfekt nur an der Haut auftreten oder aber sich in die Tiefe bis zur Prothese ausdehnen. Infektionen sind allerdings sehr selten; das Risiko am Kantonsspital Winterthur beträgt aktuell 0,3 %. Sind Bakterien bis zur Prothese gelangt, können sie nicht mehr vom Körper selbst bekämpft werden. In diesem Fall muss das Gelenk erneut operativ eröffnet und gründlich gespült werden, danach ist eine mehrere Wochen dauernde Antibio- tikatherapie notwendig. Reicht die operative Säuberung nicht aus oder sind die Bakterien zu aggressiv, muss manchmal ein Wechsel des Gelenks erfolgen.

    Zu einer Infektion kann es nicht nur in den ersten Wochen oder Monaten nach dem Eingriff kommen. Auch Jahre später können Bakterien von anderen Körperstellen aus über die Blutbahn bis zum Knie gelangen, zum Beispiel von einer eitrigen Infektion an den Zähnen, einem eingewachsenen Zehennagel oder einem offenen Bein. Bei solchen Erkrankungen ist es daher wichtig, den Zahnarzt resp. den Hausarzt aufzusuchen, damit die richtige Behandlung eingeleitet werden kann.

    Um das Risiko einer Infektion so gering wie möglich zu halten, wird das Bein vor dem Eingriff mehrfach desinfiziert, zudem werden Ihnen vor und nach dem Eingriff über einen Venenkatheter Antibiotika verabreicht. Beide Massnahmen dienen dazu, die Zahl der Bakterien, die jeder in und auf dem Körper trägt, zu reduzieren.

  • Versteifung des Gelenks

    In wenigen Fällen treten nach dem Eingriff Verklebungen der Gelenkkapsel auf und das Gelenk kann nicht wie gewünscht bewegt werden. Einer solchen Einschränkung der Beweglichkeit wird zuerst mit konservativen Massnahmen und Physiotherapie begegnet. Bleibt das Kniegelenk trotzdem steif, wird es unter Narkose durchbewegt.

    Jedes Gelenk, auch ein künstliches, braucht einen gewissen Spielraum. Deshalb treten beim Bewegen der Knieprothese häufig Klickgeräusche auf. Dies ist normal und hat keinen Krankheitswert. Es bedeutet auch nicht, dass sich die Prothese gelockert hätte. Unter der Kniescheibe kann es zudem zu einer Reibung aufgrund von Vernarbungen kommen, was ein knirschendes Geräusch verursachen kann.

    Falls nötig, wird während des Eingriffs eine Achsenkorrektur vorgenommen, um eine Fehlstellung des Kniegelenks zu beheben. Insbesondere bei der Begradigung eines X-Beines besteht ein gewisses Risiko, dass der Nerv an der Aussenseite des Gelenks überdehnt wird. Dies kann die (Teil-)Lähmung von Unterschenkelmuskeln zur Folge haben und dazu führen, dass der Fuss nicht mehr angehoben werden kann. Eine solche Lähmung ist aber meist reversibel und nur äusserst selten bleibend.

  • Bandverletzung

    Ein Ziel des Eingriffs ist es, dass das Kniegelenk stabil und die Spannung der Bänder symmetrisch ist. Obwohl die Stabilität des Gelenks während des Eingriffs genau überprüft wird, ist die Bandspannung danach in seltenen Fällen nicht ideal.

    Trotz aller Vorsichtsmassnahmen kann es bei dem Eingriff zu einer Verletzung eines der stabilisierenden Seitenbänder kommen. Wird dies noch während des Eingriffs bemerkt, kann das Band sofort genäht oder rekonstruiert werden. Wird es hingegen erst später festgestellt, kann der Instabilität mit einer Schiene begegnet werden.

    Zu einer Verringerung der Bandspannung kann es auch nach dem Eingriff kommen, dies ist dann mit einer zunehmenden Dehnung des Seitenbands verbunden. In solchen Fällen wird das Band später rekonstruiert, in Ausnahmefällen ist sogar ein Eingriff zum Wechsel auf einen stabileren Prothesentyp notwendig.

  • Allergie

    Fast alle Knieprothesen bestehen aus einer Metalllegierung aus Chrom, Kobalt und wenig gebundenem Nickel. Auf Letzteres sind viele Menschen allergisch. Es ist aber bekannt, dass eine Allergie auf der Haut nicht dasselbe ist wie unter der Haut, weshalb Allergietests vor der dem Eingriff wenig Sinn ergeben und umstritten sind. Die gesamte Problematik der Allergie wird von internationalen Spezialisten sehr kontrovers diskutiert. Ob es eine solche überhaupt gibt und falls ja, wie sie mit Sicherheit festgestellt werden kann. Aus diesen Gründen setzen wir fast immer eine herkömmliche Knieprothese aus der erwähnten Metalllegierung ein.

  • Lebensdauer der Prothese

    Die Lebensdauer einer Knieprothese ist begrenzt. Treten im ersten Jahr keine Probleme auf, kann man davon ausgehen, dass die Prothese 15 bis 20 Jahre lang hält.

    Bei hoher Beanspruchung, wenn Patientinnen oder Patienten also sehr aktiv oder unter 55 Jahren alt sind, belegt die Statistik eine kürzere Lebensdauer der Prothese. Hier darf man ausnahmsweise den Menschen mit einem Auto respektive ein künstliches Gelenk mit einem Pneu vergleichen: Je öfter und sportlicher ein Auto gefahren wird, desto schneller nutzen sich die Pneus ab. Eine Prothese lockert sich allerdings manchmal auch aus unbekannten Gründen schon vorzeitig, was einen Prothesenwechsel erforderlich machen kann.

    4 von 5 Patientinnen resp. Patienten sind nach der Implantation einer Knieprothese mit deren Funktion und ihrem Befinden zufrieden bis sehr zufrieden. Bei 20 % der Operierten bleiben hingegen Restbeschwerden, sie leiden unter leichten Schmerzen, oder die Prothese funktioniert nicht optimal. Aber nur die Hälfte dieser Personen gibt an, mit dem Eingriff nicht zufrieden zu sein. Die Gründe für solche Restbeschwerden werden leider trotz etlicher Untersuchungen und Abklärungen oft nicht gefunden.

Fazit

Insgesamt kann man sagen, dass die Implantation eines künstlichen Kniegelenks eine erfolgreiche operative Massnahme ist, durch die Schmerzen reduziert werden und eine gute Funktionsfähigkeit erreicht wird und die Lebensqualität bei vielen Patientinnen und Patienten nachhaltig und signifikant verbessert werden kann.