Brustoperationen

Brusterhaltung, Brustentfernung und Brustwiederaufbau

Die frühzeitige Erkennung von Brustkrebs und die fortgeschrittenen Behandlungsmöglichkeiten tragen heute wesentlich dazu bei, dieser häufigen Krebsform wirkungsvoll zu begegnen. Dazu ist es erforderlich, das medizinische Wissen mehrerer Fachbereiche zu bündeln. Am Kantonsspital Winterthur setzen wir das gesamte Fachwissen rund um Brustkrebs für die jeweils optimale Behandlung der individuellen Patientin ein – seit 2013 sind wir von der Krebsliga als Brustzentrum zertifiziert.

Zu den obersten Zielen der Brustkrebstherapie zählt die Brusterhaltung. Das schliesst allerdings nicht aus, dass es vereinzelt richtig und wichtig ist, eine Mastektomie vorzunehmen, also eine Brustentfernung. Für den Brustwiederaufbau ist das Fachwissen aus der Tumorchirurgie und der plastischen Chirurgie erforderlich, die zusammen die onkoplastische Chirurgie ergeben.

Die fortgeschrittenen Möglichkeiten und Techniken der Brustrekonstruktion erlauben es heute, nebst den gesundheitlichen Zielen auch kosmetische Aspekte zu berücksichtigen. Dafür legen im Brustzentrum des Kantonsspitals Winterthur Ärztinnen und Ärzte unterschiedlichster Fachrichtungen ihre Kompetenzen für Sie zusammen. Gemeinsam mit dem spezialisierten Pflegepersonal stellen wir sicher, dass Sie sich während der ganzen Behandlungsdauer in guten Händen wissen.


Brusterhaltende Operation

Die brusterhaltende Tumorbehandlung findet zunehmend Anwendung. Dabei wird bei grosser Brust die Tumorentfernung kombiniert mit einer Brustverkleinerung und -neuformung (therapeutische Brustverkleinerung). Dabei sind die Bruststraffung und die Angleichung der Gegenseite mit entsprechender Optimierung der Brustform ein positiver Nebeneffekt.


Wie kommt es zu einer Brustrekonstruktion?

Sobald die Diagnose Brustkrebs gestellt wird, besprechen die verschiedenen Spezialistinnen und Spezialisten gemeinsam an einem sogenannten Tumorboard die für jede Patientin beste Behandlung. Ihr Ziel ist es stets, die Brust möglichst zu erhalten. Erweist sich die Brustentfernung von vornherein oder im Verlauf der Behandlung als notwendig oder spricht sich die Patientin aus persönlichen Gründen dafür aus, gilt es, den Brustwiederaufbau zu bedenken.

Brustwiederaufbau / Brustrekonstruktion

Brustwiederaufbau
1 Brust mit Tumor
2 Entfernung des Tumors samt Brustgewebe
3 Angleichung der Gegenseite
4 Brust nach onkoplastischer Behandlung


Was geschieht bei einer Brustentfernung?

Bei der onkoplastischen Brustamputation (Mastektomie) wird der Patientin unter Vollnarkose das gesamte Brustgewebe inklusive Drüsen, Milchgängen und Fettgewebe entfernt. Abhängig von Tumorart, Tumorgrösse und Tumorlokalisation kommen unterschiedliche Verfahren zur Brustentfernung zur Anwendung. Wenn immer möglich werden der Hautmantel und idealerweise auch die Brustwarze erhalten, um bei der Rekonstruktion ein natürliches Ergebnis zu erzielen.

Brustentfernung / Mastektomie KSW

Verfahren zur Brustentfernung
1 Mastektomie: Vollständige Entfernung des Brustdrüsenkörpers unter Mitentfernung von Haut und Brustwarzenhof
2 Skin-sparing-Mastektomie: Vollständige Entfernung des Brustdrüsenkörpers unter Mitentfernung des Brustwarzenhofs, die Haut wird belassen (im Rahmen einer Sofortrekonstruktion)
3 Nipple-sparing-Mastektomie: Vollständige Entfernung des Brustdrüsenkörpers, die Haut und der Brustwarzenhof werden belassen (meist im Rahmen einer vorbeugenden Brustentfernung)


Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Brustrekonstruktion?

Grundsätzlich kann ein Brustwiederaufbau im gleichen Eingriff wie die Tumorentfernung erfolgen oder auf einen Zeitpunkt nach der Radio- oder Chemotherapie verlegt werden. Die Sofortrekonstruktion hat zwei Vorteile: Erstens erlebt die Patientin das Trauma des Brustverlustes erst gar nicht, und zweitens ist das kosmetische Ergebnis optimal.

Erweist sich die Sofortrekonstruktion im Einzelfall als medizinisch nicht empfehlenswert oder spricht sich die Patientin aus persönlichen Gründen dagegen aus, kann die Rekonstruktion zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt werden. Auch im Rahmen einer späteren Operation lassen sich kosmetisch gute Ergebnisse erzielen.


Wie wird die Brust rekonstruiert?

Für den Wiederaufbau oder die Korrektur einer Brust und für andere begleitende Massnahmen stehen heute verschiedene Verfahren zur Verfügung. Grob unterscheidet man zwischen dem Brustwiederaufbau mit körpereigenem Gewebe und dem Wiederaufbau mit Silikonprothesen.

Verfahren zur Brustrekonstruktion

  • Rekonstruktion mit körpereigenem Gewebe

    Die Rekonstruktion der Brust mit körpereigenem Gewebe wird wenn immer möglich empfohlen. Die Vorteile liegen in einem besseren und natürlicheren Ergebnis. Weil keine Fremdkörper eingesetzt werden, entfallen ein Implantatwechsel und somit auch Folgeoperationen. Das individuelle Beratungsgespräch sowie die weiteren Abklärungen zeigen auf, ob dieser sogenannte Goldstandard im Einzelfall sinnvoll ist.

  • Woher stammt das körpereigene Gewebe für die Brustrekonstruktion?

    Einerseits kommt es darauf an, ob Gewebe für die Rekonstruktion einer Brust oder beider Brüste benötigt wird. Andererseits soll das Gewebe an möglichst vorteilhafter Stelle entnommen werden. Besonders bewährt haben sich drei Operationstechniken, mit denen Eigengewebe aus dem Bauch-, Gesäss- oder Oberschenkelbereich entnommen wird.

    Die grössten Vorzüge weist die Entnahme eines ovalen Hautlappens aus der Bauchdecke auf. Aus diesem Bereich lässt sich das Gewebe für die Rekonstruktion einer oder beider Brüste gewinnen. Auf Wunsch kann diese Entnahme gleichzeitig dazu genutzt werden, eine Straffung der Bauchdecke vorzunehmen. Kommt eine Gewebeentnahme im Bauchbereich nicht in Frage, wird Gewebe aus dem Gesässbereich verwendet.

  • Rekonstruktion mit Fremdmaterial

    Bei der zweiten Gruppe von Verfahren zur Brustrekonstruktion geht es um den Wiederaufbau mit Implantaten, konkret mit Silikonprothesen. Die heutigen silikongefüllten Implantate zeichnen sich durch ihre anatomische Form aus, was zu wesentlich natürlicheren Ergebnissen führt als noch vor einiger Zeit. Ein Hauptvorteil ist die einfache und kurze Operation ohne zusätzliche Narbe. Ein wesentlicher Nachteil der Implantate liegt darin, dass der Körper sie als Fremdkörper wahrnimmt. Die äussere Beschaffenheit der Implantate neuster Generation wirkt dieser körpereigenen Reaktion jedoch wirksam entgegen.

  • Was geschieht mit der Brustwarze?

    Die Brustwarze wird – falls erforderlich – in der Regel 3 bis 6 Monate nach dem Wiederaufbau der Brust separat rekonstruiert. Häufig kann dieser Eingriff ambulant und unter örtlicher Narkose durchgeführt werden. Falls notwendig ist der Eingriff auch mit einer Operation zur Angleichung der Brust an die Gegenseite kombinierbar.

Wer kommt für die Kosten einer Brustrekonstruktion auf?

Sofern Brustkrebs diagnostiziert wurde, kommt die Krankenkasse für die Kosten der Brust- und Brustwarzenrekonstruktion auf, häufig auch für die Kosten des Abgleichs mit der anderen Brust.

Bei der nur vorsorglichen oder vorbeugenden Brustentfernung ohne konkrete Krebsdiagnose ist es nicht selbstverständlich, dass die Krankenkasse die Kosten dafür übernimmt. Es empfiehlt sich jedoch grundsätzlich, die Kostenfrage frühzeitig mit der Krankenkasse und allenfalls mit Zusatzversicherungen abzuklären.


Weiterführende Informationen


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