Gesundheitsmythos


Führt Fingerknacken zu Arthrose?

NEIN. Das regelmässige Knacken der Finger macht die Gelenke nicht kaputt.


Der menschliche Körper besteht aus etwa 200 Knochen, die durch rund 100 Gelenke beweglich miteinander verbunden sind. Nur dadurch können wir laufen, den Kopf drehen und Alltagstätigkeiten verrichten. Gesunde Gelenke sind unerlässlich für einen aktiven Lebensstil. Deshalb schaffen wir Klarheit – in 47 Spezialgebieten, wie beispielsweise der Rheumatologie.

Knick, knack, Finger bald ab?

Auch wenn manche das Geräusch knackender Finger als ungesund oder störend empfinden, ist Fingerknacken keineswegs schädlich. Dass es ungesund sein soll, ist ein Mythos: Die Gelenke nehmen dabei keinen Schaden, Arthritis und Arthrose werden dadurch nicht begünstigt. Mit den Fingern zu knacken, ist eine Angewohnheit, die andere vielleicht stört, aber keinen nachweisbaren Einfluss auf die eigene Gesundheit hat.

Woher das Knacken kommt

In allen Gelenken befindet sich eine Schmierflüssigkeit, die Gelenkschmiere oder Synovialflüssigkeit. Knackt man mit den Fingern, so lösen sich die Gelenkflächen voneinander. Der Zwischenraum, in dem die Gelenkschmiere sitzt, vergrössert sich, und es entsteht ein Unterdruck, wodurch Gase freigesetzt werden. Diese Freisetzung von Gasen erzeugt das Knackgeräusch.

Warum knacken andere Gelenke von allein? 

Das Fingerknacken wird von uns erzwungen. Aber auch andere Gelenke knacken ab und zu, zum Beispiel Knie beim Aufstehen nach langem Sitzen, die Hüfte, wenn man sich dreht, oder Rücken und Nacken, wenn man sich aufrichtet. Dafür gibt es zwei Gründe: Entweder die Muskeln und Sehnen sind verkürzt oder nach längeren Ruhephasen nicht geschmeidig, weshalb zu viel Spannung auf den Sehnen lastet und sie über die Gelenke schnappen, wobei sich die Spannung hörbar entlädt.

Oder die Gelenke sind in einer ungünstigen Position blockiert, dann entsteht bei der Bewegungsaufnahme ein Unterdruck, der sich mit hörbarem Knacken normalisiert. Knacken die Gelenke öfter ohne äusseren Einfluss, so sollte man das abklären lassen, insbesondere wenn das Knacken schmerzhaft ist.

Was ist der Unterschied zwischen Arthrose und Arthritis?  

Beide Erkrankungen äussern sich durch Gelenkschmerzen – sie haben aber unterschiedliche Ursachen. Arthrose ist der Gelenkverschleiss, zu dem es im Laufe des Lebens kommt. Davon sind meist ältere Personen betroffen. Zu vorzeitiger Arthrose bei jungen Menschen kommt es nach Gelenkschädigung, ausgeprägter familiärer Neigung, einer Gelenksfehlbildung oder bei Übergewicht.

Arthritis hingegen ist eine Gelenkentzündung, bei der sich das körpereigene Abwehrsystem gegen die Gelenke richtet oder die ihre Ursache in einer Infektion des Gelenks hat. Davon können alle Altersklassen betroffen sein. Arthrose, also der Gelenkverschleiss, schmerzt nur bei Bewegung. Arthritis hingegen schmerzt typischerweise auch im Ruhezustand.

Beide Krankheiten können mit schmerzstillenden und entzündungshemmenden Medikamenten, Injektionen, physiotherapeutischen und/oder operativen Massnahmen gut behandelt und gelindert werden. Geheilt werden können beide Krankheiten aber nicht.


Gut zu wissen

Unsere Knochen und Muskeln tragen uns wortwörtlich durchs Leben. Schmerzen am Bewegungsapparat können viele Ursachen haben. Doch haben sie nur eine Auswirkung: eine wesentliche Einschränkung der Lebensqualität. Deshalb sollten die Gründe für Schmerzen in Gelenken frühzeitig von einer Fachperson abgeklärt werden.