Orthopädische Mythen auf dem Prüfstand
Ein Tennisellbogen kommt vom Tennisspielen
«Tennis ist nicht der falsche Namensgeber», lacht Dr. Aregger. «Gerade bei ungeübten Spielerinnen und Spielern macht sich der Tennisellbogen oft bemerkbar. Bei vielen ist die Ursache allerdings weit weniger sportlicher Natur. Er tritt insbesondere auf, wenn man über lange Zeit die immer gleiche Bewegung ausführt, wie an der Kasse eines Grossverteilers oder bei der Arbeit mit der Computermaus.»
Eine Schulterluxation ist eine Bagatelle
«Schön wäre es, doch sollte man eine Schulterluxation – entschuldigen Sie das Wortspiel – nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wer sie schon einmal ausgekugelt hat, weiss, wie schmerzhaft das ist. Zudem ist es oft so, dass insbesondere bei jungen Menschen die Schulter dadurch nicht mehr hundertprozentig stabil ist und leichter erneut auskugelt. Bei älteren Leuten werden darüber hinaus neben der Kapsel oft auch Sehnen verletzt.»
Metall muss immer entfernt werden
«Das stimmt so nicht, zumindest nicht mehr. Früher hat man in der Tat Schrauben und Platten in der Regel entfernt», bestätigt Dr. Aregger. «Heute ist man zurückhaltender. Gerade wenn das Metall nicht stört, wird oft auf eine Operation verzichtet.»
Implantate verursachen Beschwerden
«Patientinnen und Physiotherapeuten gehen oft davon aus, dass Bewegungseinschränkungen davon herrühren, dass der Knochen am Implantat ansteht. Das ist jedoch kaum je der Fall. Die Platte selbst kann aber auf Druck oder bei einer unglücklichen Bewegung sehr wohl stören und lokal Probleme verursachen.»
Knochenbrüche heilen in sechs Wochen
«Leider nein», winkt Dr. Aregger ab. «Dieses Gerücht stammt aus einer Zeit, als ein Bruch meist gegipst und der Gips in der Regel nach sechs Wochen entfernt wurde. Auch wenn es unterschiedliche Ansichten gibt, was ‹geheilt› bedeutet, dauert es gewöhnlich drei Monate, bis man wieder voll belasten kann, und bis zu achtzehn Monate, bis der Heilungs- und Umbauprozess vollständig abgeschlossen ist.»
Nur wenn man operiert, kommt es gut
«Das stimmt so absolut gesagt nicht. Unsere Erfahrung zeigt aber, dass wir meist viel mehr Zeit dafür benötigen, Patientinnen und Patienten von einer konservativen Therapie zu überzeugen als von einer Operation, auch wenn die Heilungschancen in beiden Fällen gleich gut sind», erklärt der Traumatologe.
Ein kaputter Meniskus muss operiert werden
«Nein. Der Meniskus ist als Puffer und für die Stabilität des Gelenks sehr wichtig», sagt Dr. Aregger. «Das Kreuzband schützt den Meniskus, der Meniskus schützt das Gelenk. Deshalb sollte nur operiert werden, wenn der Meniskus akut verletzt ist oder das Gelenk blockiert. Bei altersbedingten Schäden ist das Resultat nach drei bis sechs Monaten meist dasselbe, ob man nun operiert oder konservativ behandelt.»




