Kardiologie

Wenn das Herz aus dem Takt gerät

Klinik für Kardiologie – dank der Katheterablation am KSW treten bei Walter S. keine Herzrhythmusstörungen mehr auf. Rückblickend meint er, er hätte sich schon viel früher behandeln lassen sollen.

Walter S., 58, litt während 20 Jahren an einer Herzrhythmusstörung, bevor er sich am KSW erfolgreich behandeln liess.

Es war 23 Uhr, Walter S. wollte sich gerade zum Schlafen hinlegen, da begann sein Herz zu rasen. «Von einer Sekunde auf die andere schnellte mein Puls in die Höhe, ohne dass ich mich angestrengt hatte», erinnert er sich. «Mein Herz schlug, als würde ich einen Berg hochrennen, bis zu zehn Stunden lang. Ich fühlte mich schlapp und hatte keine Kraft. Normaler Schlaf war nicht möglich, und am anderen Tag war ich extrem müde.»

20 Jahre liegt die erste Herzrhythmusstörung bei Walter S. zurück. Am Anfang kam es alle paar Monate zu einem Anfall, dann wurden die Intervalle kürzer. Die letzten Jahre trat die Störung 10 bis 20 Mal auf, meistens in der Nacht. Walter S. ist Geschäftsführer eines KMU, die Rhythmusstörung schränkte ihn bei der Arbeit immer wieder ein.

«Von einer Sekunde auf die andere schnellte mein Puls in die Höhe, ohne dass ich mich angestrengt hatte.»
Walter S., 58

Rhythmusstörungen können alle treffen

Herzrasen in Ruhe, Leistungseinschränkung, innere Unruhe: Die Symptome von Walter S. seien typisch für Vorhofflimmern, sagt Dr. med. Markus Roos, Leitender Arzt Kardiologie und Leiter Elektrophysiologie. Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung, rund 1% der Bevölkerung ist davon betroffen. Als Risikofaktoren gelten unter anderem Bluthochdruck, Rauchen, Übergewicht und übermässiger Alkoholkonsum. «Aber auch Menschen mit einem gesunden Lebensstil wie Walter S. können davon betroffen sein», sagt Dr. Roos.

«1% der Bevölkerung leidet unter Vorhofflimmern.»

Um Vorhofflimmern zu diagnostizieren, braucht es ein Elektrokardiogramm (EKG), das die elektrische Aktivität des Herzmuskels während einer Störung aufzeichnet. Darauf kann Dr. Roos die Rhythmusstörung erkennen. «Beim Vorhofflimmern schlägt das Herz zu schnell und völlig arrhythmisch. Zudem fehlt der sogenannte Vorkammerschlag. Das führt dazu, dass der Pumpvorgang der Vorhöfe nicht auf jenen der Herzkammern abgestimmt ist. Dadurch wird das Blut nicht effizient transportiert, und für körperliche Anstrengungen fehlt ein Teil der Pumpleistung des Herzens.»

Um Vorhofflimmern zu diagnostizieren, braucht es ein Elektrokardiogramm (EKG), das die elektrische Aktivität des Herzmuskels während einer Störung aufzeichnet.

EKG während der Rhythmusstörung

Bei kürzeren Rhythmusstörungen, die nur selten auftreten, ist es nicht einfach, ein sogenanntes Anfalls-EKG zu erstellen. Das hat auch Walter S. erlebt. «Ich sass ein paar Mal bei meinem Hausarzt im Wartezimmer, doch mein Herzschlag normalisierte sich, bevor das EKG gemacht werden konnte.» Patientinnen und Patienten wird deshalb geraten, bei einer Rhythmusstörung, die in der Nacht auftritt und lange genug anhält, für ein EKG die Notfallstation aufzusuchen. Am Wochenende kann man zum Notfallarzt in der Region, unter der Woche zum Hausarzt gehen.

Schliesslich schaffte es Walter S. während eines Anfalls einmal rechtzeitig zum Hausarzt, und dieser diagnostizierte anhand des EKGs ein Vorhofflimmern. Doch Walter S. lehnte eine Behandlung ab.

«Ich fühlte mich gesund, nach einem Anfall hatte ich keine Beschwerden mehr. Und ich hatte auch etwas Respekt vor dem Eingriff.»
Walter S., 58

Er änderte seine Meinung erst nach einer Vorsorgeuntersuchung bei seinem Hausarzt. Dieser informierte ihn darüber, dass ab Mitte fünfzig die Gefahr steigt, dass sich bei einem Anfall ein Blutgerinnsel bildet. Dieses Risiko für einen Hirnschlag lässt sich durch Blutverdünner eindämmen, doch Walter S. wollte nicht auf Medikamente angewiesen sein. Deshalb schlug ihm der Hausarzt einen Kathetereingriff vor und überwies ihn zu Dr. Roos an die Klinik für Kardiologie am KSW.

Hohe Erfolgschance, geringes Komplikationsrisiko

Vorhofflimmern im frühen Stadium lässt sich mit hoher Erfolgsrate mittels Katheterablation behandeln. Dr. Roos erklärte Walter S. den Eingriff am dreidimensionalen Herzmodell. Die fehlgeleiteten elektrischen Signale, die in den Zuleitungen zum linken Vorhof auftreten, werden dabei mit Hitze oder Eis unterbunden. Um das Gewebe zu veröden, muss Dr. Roos einen Katheter über die Leistenvene zum rechten Vorhof führen und von dort durch die Vorhofscheidewand stossen, um in den linken Vorhof zu gelangen.

Die Katheterablation ist mit geringen Risiken und Komplikationen verbunden, über die Walter S. von Dr. Roos informiert wurde. Beim Zugang zum linken Vorhof kann das Herz verletzt werden. Während der Ablation kann sich trotz strengsten Vorsichtsmassnahmen ein Gerinnsel bilden, das eine Streifung verursachen kann. Um dies zu verhindern, wird das Blut der Patienten stark verdünnt. Dadurch können sich beim Zugang durch die Leiste Hämatome bilden. Diese minimalinvasive Behandlung hat sich etabliert: Dr. Roos hat in seiner Karriere schon über 1’500 Ablationen durchgeführt, pro Jahr werden am KSW rund 160 Patientinnen und Patienten mit der Katheterablation behandelt.

«160 Katheterablationen werden pro Jahr am KSW durchgeführt.»

Der eigentliche Kathetereingriff dauerte drei Stunden. Um das Risiko eines Gerinnsels zu minimieren, wurde alle 20 Minuten die Blutverdünnung kontrolliert.

Der Eingriff wird nur dann vorgenommen, wenn keine anderen relevanten Herzerkrankungen vorliegen, die eine Rhythmusstörung auslösen können. Deshalb wird der Blutdruck überprüft, und das Herz wird mittels Ultraschall untersucht. Dabei kann Dr. Roos erkennen, ob Herzmuskel und Herzklappen intakt sind. Bei Walter S. war alles in Ordnung. Sein Herz war gesund, abgesehen von den Rhythmusstörungen. Vor dem Eingriff wird zudem eine Computertomographie des Herzens erstellt, damit Dr. Roos weiss, wie gross der linke Vorhof ist und wie die Zuleitungen angeordnet sind. Auf diese Weise kann er das Gewebe millimetergenau veröden.

Drei Tage im Spital

Drei Wochen vor dem Eingriff begann Walter S. mit der Einnahme von Medikamenten zur Blutverdünnung. Dann kam er für drei Tage ins KSW. Am Eintrittstag wurde er nochmals untersucht: Mittels Ultraschallsonde wurde ausgeschlossen, dass sich im linken Vorhof ein Blutgerinnsel befand. Für den Eingriff am zweiten Tag wurde Walter S. in tiefen Schlaf versetzt. Der eigentliche Kathetereingriff dauerte drei Stunden. Um das Risiko eines Gerinnsels zu minimieren, wurde alle 20 Minuten die Blutverdünnung kontrolliert. Nach der Behandlung wurden Blutdruck und Herzrhythmus überwacht, bevor Walter S. am dritten Tag nach Hause entlassen werden konnte. Bis zwei Wochen nach dem Eingriff musste Walter S. die Leiste schonen, und bis die verödete Stelle in der Zuleitung zum Vorhof ganz verheilt war, dauerte es drei Monate.

Drei von vier Patienten haben nach einer Katheterablation kein Vorhofflimmern mehr, bei jedem vierten ist ein zweiter Eingriff nötig. Walter S. gehört zur ersten Gruppe.

«Das letzte Mal Herzrasen hatte ich drei Wochen vor der Operation. Seither ist nichts mehr, es ist wie abgestellt.»
Walter S., 58

Rückblickend sagt er, er hätte sich schon viel früher behandeln lassen sollen. Und ist selbst verwundert darüber, wie lange er mit der Einschränkung gelebt hat.

«60–90 Mal pro Minute schlägt das Herz eines gesunden Menschen in Ruhe.»


Interview mit Dr. med. Markus Roos

Rhythmusstörungen möglichst bald abklären

Wie bemerkt man, dass das Herz nicht regelmässig schlägt?

Gelegentlich merken es die Patientinnen oder Patienten gar nicht. Wenn aber der Ruhepuls mehr als 120 Schläge pro Minute beträgt, obwohl man sich nicht körperlich anstrengt, sollte man das abklären lassen. Das Herz darf aber auch nicht zu langsam schlagen. Tagsüber sollte der Puls nicht dauerhaft unter 50 Schlägen pro Minute liegen, ausser jemand treibt viel Sport. Eine medizinische Abklärung ist auch sinnvoll, wenn der Herzschlag für mehr als fünf Sekunden aussetzt.

Warum sollte man Rhythmusstörungen untersuchen lassen?

Rhythmusstörungen sind nur selten gefährlich. Es ist bei Personen der Fall, die einen Herzinfarkt erlitten haben. Bei ihnen kann eine Rhythmusstörung lebensbedrohlich sein. In den meisten anderen Fällen sind Rhythmusstörungen vor allem störend, sie beeinträchtigen die Lebensqualität. Herzrasen schränkt die Leistungsfähigkeit ein, den betroffenen Personen fällt es schwer, den Alltag zu meistern. Und je länger Rhythmusstörungen nicht behandelt werden, desto schwieriger wird es, dafür zu sorgen, dass sie nicht mehr auftreten. Deshalb lohnt es
sich, Rhythmusstörungen möglichst bald auf den Grund zu gehen.

Dr. med. Markus Roos
Leitender Arzt Kardiologie
Leiter Elektrophysiologie