Schulter / Ellenbogen

Schultergelenkspiegelung / Schulterarthroskopie

Die Schultergelenkspiegelung (Schulterarthroskopie) ist eine minimalinvasive Operationstechnik. Dabei werden über kleine Hautschnitte von ca. 5 bis 10 mm eine Optik mit Kamera sowie Arbeitsinstrumente ins Schultergelenk eingebracht.

Durch Auffüllen des Gelenkes mit einer Spüllösung wird die Darstellung verbessert bzw. der Arbeitsraum vergrössert. So können Strukturen innerhalb sowie ausserhalb des Gelenkes, z. B. zwischen Schulterdach und Rotatorenmanschette (Subacromialraum), beurteilt und chirurgisch behandelt werden.

Kleinere arthroskopische Eingriffe können ambulant durchgeführt werden. Ansonsten ist im Normalfall mit einem Spitalaufenthalt von 1 oder 2 Tagen zu rechnen. Die Eingriffe werden in Allgemeinanästhesie und teilweise mit zusätzlicher Nervenblockade (Regionalanästhesie) durchgeführt.

Was kann durch eine Schultergelenkspiegelung behandelt werden?

  • Impingement-Syndrom (Subacromiales Impingement)

    Unterschiedliche Ursachen wie z. B. ein prominentes Schulterdach, eine chronische Entzündung und Verdickung einer Sehne der Rotatorenmanschette oder Überlastung (v .a. im Rahmen von Überkopfarbeiten) können eine relative Enge im subacromialen Raum und eine schmerzhafte Reizung des Schleimbeutels (Bursa subacromialis) bewirken, das sogenannte subacromiale Impingement.

    Hält die mechanische Reizung an, kann sogar die darunter liegende Sehne Schaden nehmen. Bei der subacromialen Dekompression schafft man Platz unter dem Schulterdach durch Begradigung bzw. Reduktion des knöchernen Schulterdaches (Acromioplastik) und Entfernung des entzündeten Schleimbeutels (Bursektomie).

  • Resektion des AC-Gelenks

    Das AC-Gelenk bildet die Verbindung zwischen Schulterdach und Schlüsselbein. Bei entzündlichen Veränderungen oder fortgeschrittener Abnutzung (Arthrose) kann es hier zu belastungsabhängigen Schmerzen sowie einer schmerzhaften knöchernen Prominenz kommen. Bei der arthroskopischen Resektion werden ca. 5 bis 7 mm des Schlüsselbeins entfernt und die prominenten Verknöcherungen abgetragen.

  • Schmerzhafte Bizepssehne

    Der Bizepsmuskel verbindet den Unterarm mit dem Schulterblatt. Seine Hauptfunktionen sind die Beugung des Ellenbogens und die Auswärtsdrehung des Unterarms bzw. der Hand (Supination). Seine beiden körpernahen Sehnen sind am Schulterblatt fixiert. Dabei handelt es sich um die kräftige kurze und die dünnere lange Bizepssehne, welche durch das Schultergelenk zieht und auf ihrem Weg um ca. 90° umgelenkt wird.

    Letztere kann durch einen Unfall oder chronische Belastung verletzt werden bzw. sich entzünden. Das geschieht in der Regel im Bereich der Aufhängung (SLAP-Läsion) oder im Bereich der Umlenkung.

    Chirurgisch kann entweder die Aufhängung stabilisiert werden (SLAP-Refixation), die Sehne in ihrem knöchernen Tunnel fixiert und der durchs Gelenk verlaufende veränderte Anteil entfernt werden (Bizepstenodese) oder lediglich ein Absetzen der Sehne ohne Fixation erfolgen (Bizepstenotomie).

    Bei der zuletzt genannten Methode kann es zu einem Tiefertreten des Muskelbauchs kommen, was vor allem kosmetisch als störend empfunden werden kann. Ein relevanter Kraftverlust resultiert nicht, da der Muskel weiterhin über die kräftigere kurze Sehne fixiert bleibt.

  • Kalkschulter (Tendinitis calcarea)

    Die Tendinitis calcarea ist eine chronische Entzündung mit Bildung schmerzhafter Kalkansammlungen in einer oder mehreren Sehnen der Rotatorenmanschette, zumeist in der Supraspinatussehne oder auch der umgebenden Bursa (Bursitis calcarea).

    Ist eine konservative Therapie erfolglos, wird die Sehne arthroskopisch eröffnet und das Kalkdepot ausgespült. Sollte es dabei zu grösseren Defekten in der Sehne kommen, muss diese allenfalls verschlossen oder sogar refixiert werden.

  • Verletzungen der Rotatorenmanschette

    Nicht bei jeder Verletzung der Rotatorenmanschette ist eine Operation erforderlich. Bei anhaltenden Schmerzen und reparabler Verletzung empfiehlt sich hingegen eine operative Rekonstruktion. Diese Rekonstruktion wird in der Regel arthroskopisch vorgenommen.

  • Schulterinstabilität

    Bei anhaltender Schulterinstabilität und je nach Ausmass der Verletzung sollte eine operative Stabilisation des Gelenkes erfolgen. Die Weichteilstabilisation wird in der Regel arthroskopisch durchgeführt.

Wie geht es nach einer Schultergelenkspiegelung weiter?

Je nach Eingriff sollte der operierte Arm für 2 bis 6 Wochen in einer Armschlinge (Mitella), in manchen Fällen auch in einer Schulterschiene ruhiggestellt werden. Meist darf die Schulter während dieser Zeit bereits passiv und aktiv assistiert bis zur Scheitelebene mobilisiert werden, entweder eigenständig oder im Rahmen einer Physiotherapie.

Auf belastende Tätigkeiten sowie Sport sollte zunächst verzichtet werden. Die Hautfäden – sofern vorhanden – können nach 10 bis 14 Tagen im Rahmen einer Wundkontrolle vom Hausarzt entfernt werden.

Bis das Gelenk wieder frei beweglich und belastbar ist, dauert es in der Regel ca. 3 Monate, nach rekonstruktiven Eingriffen an Sehnen manchmal 6 Monate oder sogar noch länger. Entsprechend variiert die Dauer der Arbeitsunfähigkeit je nach Operation und Tätigkeit zwischen ca. 2 Wochen und 6 Monaten.


Was sind die Risiken einer Schultergelenkspiegelung?

Kein Eingriff ist ganz ohne Risiken. Allerdings sind sie bei arthroskopischen Eingriffen relativ gering. Zu den Operationsrisiken gehören Infektionen (weniger als 1 %), Einblutungen (Hämatome) sowie Nervenläsionen durch Zug am Arm während der Operation, im Rahmen der Anästhesie oder (seltener) durch Instrumente (weniger als 1 %).

Letztere Läsionen führen zu in der Regel temporären Gefühlsstörungen und Schwäche. In etwa 5 % der Fälle bildet sich eine Schultersteife (reaktive Capsulitis) aus. Das ist eine Erkrankung, die zumeist bei einer gewissen Prädisposition auftritt, nahezu immer selbstlimitierend verläuft, aber zu einer Verzögerung der Rehabilitation führen kann.