Patellaluxation / Kniescheibeninstabilität

Die Kniescheibe (Patella) ist ein scheibenförmiger Knochen, der vor dem Kniegelenk liegt und gelenkseitig von Knorpel bedeckt ist. Durch die Optimierung des Hebelarms verbessert die Kniescheibe die Kraftentfaltung der Quadriceps-Muskulatur (Streckmuskulatur des Oberschenkels). Die Kniescheibe gleitet in einer Rinne (Trochlea) am Oberschenkelknochen und wird zusätzlich durch Bänder und dynamisch durch die Muskulatur stabilisiert.

Patellaluxation / Kniescheibeninstabilität

Bei einer Kniescheibeninstabilität oder Patellaluxation springt die Kniescheibe aus ihrem Gleitlager. Das kann sehr schmerzhaft sein.


Wie kommt es zur Kniescheibeninstabilität?

Springt die Kniescheibe aus ihrem Gleitlager, spricht man von einer Kniescheibeninstabilität oder Patellaluxation. Tritt dies zum ersten Mal auf, ist es in aller Regel mit starken Schmerzen und einer Blockade des Gelenks verbunden. Manchmal muss die Kniescheibe manuell wieder in das Gleitlager zurückgebracht werden.

Auslöser für eine Patellaluxation können eine flache Ausbildung der Gleitrinne (Trochleadysplasie = Fehlbildung der Gleitrinne), eine zu hoch stehende Kniescheibe, der Riss des stabilisierenden Bandes (MPFL) oder weitere Faktoren sein. Liegen solche Risikofaktoren vor, kann es wiederholt zu einer Patellaluxation kommen.


Muss eine instabile Kniescheibe operiert werden?

Eine Kniescheibeninstabilität muss nicht in jedem Fall operiert werden. Ist die Patellaluxation zum ersten Mal aufgetreten, erfolgt in aller Regel ein Behandlungsversuch ohne Eingriff. Das Risiko einer erneuten Luxation ist dabei altersabhängig und beträgt bei jüngeren Patientinnen und Patienten bis zu 60 %.

Bei wiederholter Patellaluxation oder einem bleibenden Instabilitätsgefühl ist ein operatives Vorgehen jedoch häufig sinnvoll, da einerseits mit jedem erneuten Ereignis weitere Schäden am Knorpel entstehen können, andererseits das Knie sonst wenig belastbar und unsicher bleibt.

Durch Physiotherapie kann manchmal eine leichte Besserung erzielt werden, oft bleiben aber Beschwerden bestehen, da die anatomischen Risikofaktoren nicht behandelt sind.

Da bei jeder Patellaluxation Schäden am Gelenkknorpel auftreten können, sollte auf jeden Fall eine gründliche Beurteilung mit radiologischer Abklärung (Röntgenbild, MRI-Untersuchung) erfolgen.

Die Spezialistin oder der Spezialist kann Sie zudem darüber informieren, wie der Gelenkszustand ist, ob die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Luxation hoch ist und ob konservativ oder operativ vorgegangen werden soll.


Was sind die chirurgischen Behandlungsmöglichkeiten?

Die Entscheidung für eine Operation hängt von vielen Faktoren ab. Letztlich ist es das Ziel, die zugrundeliegenden Risikofaktoren zu beseitigen. Die Behandlung gestaltet sich deshalb bei jeder Person individuell, sozusagen «à la carte». Gelegentlich werden auch verschiedene Verfahren kombiniert.


MPFL-Rekonstruktion (mediales patellofemorales Ligament)

Verläuft die Kniescheibe nicht zentriert im Gleitlager und liegt nur eine leichtgradige Fehlbildung der Gleitrinne vor, wird in aller Regel das innenseitige Band zwischen Kniescheibe und Oberschenkel rekonstruiert. Dadurch wird verhindert, dass die Kniescheibe wieder aus dem Gleitlager springen kann.

Dazu wird eine körpereigene feine Beugesehne des Oberschenkels (Gracilissehne) verwendet. Diese wird am Schienbeinkopf entnommen und minimalinvasiv über kleine Hautschnitte an der Patella und am Oberschenkel fixiert.

MPFL-Rekonstruktion

Bei der MPFL-Rekonstruktion wird eine körpereigene feine Beugesehne des Oberschenkels (Gracilissehne) verwendet.


Tuberositas-Osteotomie

Steht die Kniescheibe zu hoch und/oder ist sie nach aussen versetzt, wird der Ansatz der Kniescheibensehne am Schienbein mit einer Knochenschuppe gelöst (Osteotomie) und in die korrekte Position gebracht. Anschliessend wird die Knochenschuppe in der neuen Position mit zwei oder drei Schrauben fixiert. Nach einem Jahr können die Schrauben entfernt werden, wenn diese stören.

Tuberositas-Osteotomie

Bei der Tuberositas-Osteotomie wird der Ansatz der Kniescheibensehne am Schienbein mit einer Knochenschuppe gelöst und in die korrekte Position gebracht.


Trochleaplastik

Ist die Gleitrinne schlecht ausgebildet oder fehlt sie ganz, wird dieses Gleitlager der Kniescheibe am Oberschenkel vertieft. Dabei wird das Kniegelenk eröffnet, der Knorpel mit einer feinen Knochenschicht vom Oberschenkel abgelöst, um hier eine Vertiefung ausheben zu können. Anschliessend wird die Knorpel-/Knochen-Schuppe wieder fest verankert. Dieser Eingriff ist komplex und sollte nur an auf Patellainstabilitäten spezialisierten Kliniken durchgeführt werden.

Trochleaplastik

Die Trochleaplastik ist komplex und sollte nur an auf Patellainstabilitäten spezialisierten Kliniken durchgeführt werden.


Wie geht es nach der Operation weiter?

Die Nachbehandlung hängt von der Art des Eingriffs ab. Der stationäre Aufenthalt dauert ungefähr 2 bis 4 Tage. Danach erfolgt eine ambulante Rehabilitation. Je nach Eingriff müssen Sie in den ersten 3 Wochen eine Klettverschlussschiene tragen und dürfen das Bein während 3 bis 6 Wochen nur begrenzt belasten.

Die Physiotherapie, anfänglich zur Beweglichkeitsverbesserung und später zum gezielten Kraftaufbau, wird während mindestens 4 bis 6 Monaten fortgeführt. Die Kniebeweglichkeit wird dabei laufend verbessert, und nach etwa 8 Wochen können Sie mit dem Kraftaufbau beginnen.


Was sind die Risiken der Operation?

Neben den allgemeinen Risiken eines Eingriffs wie Bluterguss, Wundheilungsstörung und Infektion, ist speziell die postoperative Bewegungseinschränkung zu erwähnen. Deswegen ist die Physiotherapie nach dem Eingriff sehr wichtig. Das Risiko einer neuerlichen Patellaluxation ist sehr gering, kann aber nicht ganz ausgeschlossen werden.

Bestanden vor dem Eingriff Schmerzen im Knie, zum Beispiel aufgrund bereits bestehender Knorpelschäden, ist schwer voraussehbar, wie weit die Schmerzen durch die Behandlung reduziert werden können. Mit geringen Schmerzen muss – auch bei zuvor schmerzfreiem Gelenk – gerechnet werden. Schliesslich kann die Verletzung feiner Hautnerven im Bereich des Operationsgebietes zu Gefühlsminderungen oder Nervenschmerzen führen, die sich aber in aller Regel zurückbilden.

Ziel des Eingriffs ist es, den Patientinnen und Patienten durch die Stabilisierung des Kniegelenks die Wiederaufnahme aller Aktivitäten zu ermöglichen. Ob das hohe Arthroserisiko, das mit der Problematik der Patellainstabilität verbunden ist, reduziert werden kann, ist unklar und kann bestenfalls vermutet werden.