Hüftarthrose
Hüftgelenkersatz

Hüftarthrose / Hüftgelenkersatz

Bei einer Hüftgelenkarthrose wird der Knorpelüberzug auf dem Kopf des Oberschenkelknochens und im Bereich der Hüftpfanne im Laufe der Zeit immer dünner. Dies verursacht Schmerzen, die insbesondere bei längerem Gehen oder morgens nach dem Aufstehen, aber auch im Ruhezustand auftreten können. Ausserdem nimmt die Beweglichkeit der Hüfte ab, bis sie schliesslich fast steif ist. Alltägliche Verrichtungen wie Socken anziehen oder Schnürsenkel binden kann man dann fast nicht mehr selbständig ausführen.

Links besteht eine deutliche Hüftarthrose.

Ein künstliches Hüftgelenk schafft hier Abhilfe, so dass sich die Lebensqualität wieder deutlich erhöht. Andere Gründe für einen Hüftgelenkersatz können beispielsweise Entwicklungsstörungen im Kindesalter, Störungen der Durchblutung im Oberschenkelknochen oder ein Bruch der Hüfte sein.

Operation

  • Grund für eine Operation

    Sie leiden an einer Erkrankung des Hüftgelenks. Deswegen wurde Ihnen empfohlen, es durch ein künstliches Gelenk ersetzen zu lassen. In den meisten Fällen ist eine Arthrose des Hüftgelenks der Grund für eine solche Operation.

  • Die Hüftprothese

    Das abgenutzte Gelenk wird bei der Operation durch eine Prothese ersetzt, die aus vier Teilen besteht: einem Schaft, der im Oberschenkelknochen sitzt, einem Kopf auf dem Schaft, einer künstlichen Pfanne und einem Kunststoffeinsatz zwischen Kopf und Pfanne. Dieser sorgt für eine ideale Führung des Kopfes in der Pfanne und verhindert, dass sich der Kopf am Metall der Pfanne reibt.

    Bevor die Prothese eingesetzt wird, nimmt der Operateur am Computer eine genaue Planung vor, um die geeigneten Implantate und die richtige Grösse zu bestimmen.

    Die vier Teile einer Hüftprothese: Schaft (1), Kopf (2), Kunststoffeinsatz (3), Pfanne (4)

  • Minimalinvasiver Eingriff

    Bei dieser Operation handelt es sich um einen minimalinvasiven Eingriff, bei dem die Hüfttotalprothese von vorn eingesetzt wird. Legt man den Hautschnitt vorn an, gelangt der Operateur ans Hüftgelenk, ohne dass Muskeln verletzt werden oder die Versorgung der zu den Muskeln führenden Nerven beeinträchtigt wird. Zudem begünstigt dieses Vorgehen die spätere Rehabilitation und die Eingliederung ins Alltagsleben, nachdem die Prothesenteile vollständig in den Knochen integriert sind.

    Ob der Prothesenschaft mit sogenanntem Knochenzement fixiert oder eine Prothese gewählt wird, die in den Knochen einwachsen muss, hängt einerseits vom Alter des Patienten, von seiner Aktivität und seinem Sturzrisiko ab, andererseits von der Form und der Qualität der Knochen. Die Knochenqualität hat vor allem einen Einfluss auf die Nachbehandlung. Ist sie gut, kann die künstliche Hüfte nach der Operation in der Regel sofort voll belastet werden, unabhängig davon, ob es sich um eine zementfreie Prothese handelt oder der Schaft zementiert wurde. Bei grenzwertiger Knochenqualität und zementfreier Prothese ist in den ersten sechs Wochen nach der Operation hingegen eventuell nur eine Teilbelastung möglich.

  • Ablauf am Operationstag

    Die Operation dauert etwa 60–90 Minuten. Das Anästhesieteam bereitet Sie darauf vor.

    Nach dem Eingriff werden Sie kurzzeitig im Aufwachsaal überwacht. Sobald Sie wieder ansprechbar sind und es Ihnen gutgeht, werden Sie zurück in Ihr Zimmer auf der Bettenstation gebracht.

    Die Schnittwunde wird mit selbstauflösenden Fäden genäht, mit Steristrip versehen und mit einer wasserdichten Folie abgedeckt.

Nachbehandlung

  • Was passiert nach der Operation?

    Die Operationswunde wird nach der Operation mit einem durchsichtigen Pflaster abgedeckt. Es ist wasserdicht und Sie können damit duschen. Sofern es nicht undicht wird, kann es für zwei bis drei Wochen belassen und anschliessend vom Hausarzt entfernt werden. Er schneidet dann auch gleich die überstehenden Fadenreste ab, die an beiden Enden der Operationswunde verblieben sind. Der Rest des Fadens löst sich selber auf. Nach der Operation dürfen Sie den Rest des Tages im Bett verbringen und sich ausruhen. Vor allem nach Abklingen der Schmerzmittel, die Sie während des Eingriffs erhalten haben, können Schmerzen auftreten. Zögern Sie in diesem Fall nicht, die Pflege nach schmerzlindernden Medikamenten zu fragen.

    Nur selten kommt es während der Operation zu einer grösseren Blutung, die einen Mangel an rotem Blutfarbstoff zur Folge hat. In diesem Fall kann die Gabe einer Blutkonserve sinnvoll sein und wird mit dem Patienten besprochen.

  • Erste Gehübungen

    Schon am ersten Tag nach der Operation helfen Ihnen die Pflege und eine Physiotherapeutin oder ein Physiotherapeut beim Aufstehen. Unter Aufsicht können Sie auf dem Gang mit zwei Gehstöcken oder am Rollator die ersten Schritte machen. Dabei wird Ihnen gezeigt, wie stark Sie das Bein mit der operierten Hüfte belasten dürfen. Bitte bringen Sie daher rutschfeste Schuhe, in denen Sie guten Halt haben, ins Spital mit. Am zweiten Tag nach dem Eingriff wird ein Röntgenbild angefertigt, um die Lage der Prothese zu kontrollieren. Bei der Arztvisite erhalten Sie eine Kopie dieses Bildes.

  • Treppensteigen

    Während des Spitalaufenthalts üben Sie unter Anleitung einer Physiotherapeutin oder eines Physiotherapeuten auch das Treppensteigen. In den ersten sechs Wochen nach dem Spitalaustritt wird auf Physiotherapie verzichtet, denn zu intensives Training könnte das Einwachsen der Prothese in den Knochen beeinträchtigen.

    Sie werden aber nach drei Wochen zu einem Kontrolltermin im Institut für Physiotherapie aufgeboten. Dabei werden Ihre Gangsicherheit, die Beweglichkeit des Hüftgelenks und allfällige Schwellungen im Operationsgebiet kontrolliert.

  • Ambulante Physiotherapie

    In der siebten Woche nach der Operation beginnt dann die ambulante Physiotherapie. Die Verordnung dafür wird Ihnen beim Spitalaustritt mitgegeben.

    Mit der Operation ist ein stationärer Aufenthalt von vier bis fünf Tagen verbunden. Danach können Sie entweder nach Hause zurückkehren oder einen Rehabilitationsoder Kuraufenthalt antreten.

    Auch wenn Sie das Bein voll belasten dürfen, sollten Sie in den ersten sechs Wochen aus Sicherheitsgründen ausschliesslich an zwei Gehstöcken gehen.

  • Blutverdünnung

    Für diese Zeit werden Ihnen ausserdem Blutverdünnungsmittel verschrieben, meist in Form von Tabletten. Sie beugen der Bildung eines Blutgerinnsels im Bein vor, das zu einer Lungenembolie führen könnte.

  • Erste ärztliche Kontrolle

    Die erste ärztliche Kontrolle nach dem Spitalaustritt findet etwa drei Monate nach der Operation statt. Dann werden erneut Röntgenbilder angefertigt, um die Lage der Implantate zu kontrollieren und den Stand der Rehabilitation zu überprüfen. Der Termin für diese Kontrolluntersuchung wird Ihnen schon beim Spitalaustritt mitgeteilt. Sollten in der Zwischenzeit Unsicherheiten auftreten, wenden Sie sich bitte direkt ans Sekretariat der Klinik für Orthopädie und Traumatologie.

Risiken und Komplikationen

Jede Operation ist mit gewissen Risiken verbunden und kann zu Komplikationen führen. Was dies im Zusammenhang mit einem Eingriff zur Implantation einer Hüftprothese bedeutet, wird im Folgenden erläutert.

Bei der Operation muss man durch die Haut bis zum Hüftgelenk gelangen. Dabei können grundsätzlich alle zwischen Haut und Gelenk liegenden Strukturen verletzt werden. Aussen betrifft dies die Haut, die auf einer Länge von ca. 7–10 cm durchschnitten werden muss. Der Schnitt hinterlässt eine Wunde, die später vernarbt. Wenn Sie über die Narbe streichen, spüren Sie das sehr wahrscheinlich anders resp. weniger stark, als wenn Sie über eine Stelle daneben streichen. Dies liegt daran, dass der Operateur beim Hautschnitt mit dem Skalpell zwangsläufig Hautnerven verletzt, die so fein sind, dass er sie mit blossem Auge nicht erkennen kann.

  • Nervenverletzungen

    Möglich ist auch, dass der Nerv, der für das Gefühl an der Aussenseite des Oberschenkels zuständig ist und bei der Operation zur Seite geschoben werden muss, gedehnt oder verletzt wird. Wird er gedehnt, verschwindet die dadurch bedingte Gefühlsstörung meist innerhalb weniger Monate. Manchmal bleibt die Berührungsempfindlichkeit an der Aussenseite des Oberschenkels allerdings dauerhaft vermindert.

    Nur ganz selten wird bei der Operation einer der beiden Hauptnerven des Beins verletzt. Vorn liegt der sogenannte Nervus femoralis, hinten der Nervus ischiadicus (Ischiasnerv). Eine solche Verletzung kann zur Teillähmung des Beins führen. Laut Literatur kommt sie aber bei weniger als 1% der Operationen vor, und in 80% dieser Fälle erholt sich der Nerv vollständig.

  • Blutergüsse

    Beim Operieren können auch Blutgefässe verletzt werden. Bei Nachblutungen bildet sich ein Bluterguss, der als blauer Fleck sichtbar wird. Dehnt sich der Bluterguss in die Oberschenkelmuskulatur aus, macht sich dies in einer Schwellung bemerkbar. Wenn es zu einer Blutung ins neue Gelenk kommt, können Schmerzen auftreten.

    Wenn Sie an den Stöcken zunehmend mobil sind und wieder öfter stehen oder gehen, folgt das Blut der Schwerkraft und kann in den Unterschenkel absinken, wodurch sich dieser gespannt anfühlt. In seltenen Fällen bildet sich sogar ein blauer Fleck im Bereich der Knöchel. Das muss Sie nicht beunruhigen, denn dieser – in aller Regel schmerzlose – Bluterguss wird vom Körper selbst abgebaut.

  • Infektion

    In einer solchen Blutansammlung in der Tiefe können Bakterien einen idealen Nährboden finden. Bakterien bedeuten Infektion. Die kann an der Haut als Wundinfekt auftreten, wo sie durch Hautbakterien aus der Umgebung verursacht wird und relativ gut behandelt werden kann, aber eben auch im Körperinneren an der Prothese. Dies ist problematisch, weil die Prothese nicht durchblutet ist. Daher kann weder die körpereigene Abwehr greifen, noch hilft der kurzfristige Einsatz von Antibiotika. In diesem Fall muss mindestens einmal erneut operiert werden, ausserdem ist eine länger dauernde Antibiotikatherapie notwendig.

    Wird die Infektion früh erkannt und behandelt, kann die Prothese meistens belassen werden, ansonsten muss sie vollständig ausgebaut werden. Nach längerer Antibiotikatherapie wird sie dann in einem zweiten Eingriff erneut eingesetzt.

    Um das Risiko einer Infektion so gering wie möglich zu halten, wird das Bein vor der Operation mehrfach desinfiziert, zudem werden vor und nach der Operation über einen Venenkatheter Antibiotika gegeben. Beides dient dazu, die Menge der Bakterien, die jeder in und auf dem Körper trägt, zu reduzieren. Ein absoluter Schutz vor Infektionen ist jedoch nicht möglich; ein Restrisiko von knapp 1% bleibt bestehen.

    Um späteren Infektionen vorzubeugen, empfehlen wir bis 6 Monate nach der Hüftoperation eine Antibiotikaprophylaxe bei invasiven Eingriffen wie z.B. Zahnarzt, Dentalhygiene oder Darmspiegelung.

  • Knochenverletzungen

    Zum Einschlagen der Pfanne und des Schafts ist ein gewisser Kraftaufwand erforderlich. Dabei kann es passieren, dass der Knochen reisst oder bricht, wodurch der Prothesenschaft oder die Pfanne im Knochen keinen festen Halt findet und das künstliche Hüftgelenk nicht belastbar ist. Um einen festen Sitz der Prothese zu gewährleisten, müssen dann zusätzlich stabilisierende Massnahmen ergriffen werden. Falls diese Komplikation in Ihrem Fall eintritt, werden Sie nach der Operation sofort darüber informiert und dürfen die operierte Seite dann bis zur Knochenheilung nur begrenzt belasten.

  • Gehen an Stöcken

    Von Physiotherapeutinnen oder Physiotherapeuten lernen Sie nach der Operation nicht nur das richtige Gehen an zwei Stöcken, sondern auch einige wenige Bewegungen, auf die Sie während 6–8 Wochen nach der Operation verzichten sollten, damit die Prothese nicht auskugelt. In diesem Zeitraum bildet sich eine feste Manschette oder Kapsel um das neue Hüftgelenk, so dass die Hüfte wieder stabil ist. Danach können Sie sich wie vor der Operation uneingeschränkt frei bewegen. Wenn das Hüftgelenk nach drei Monaten oder später auskugelt, ohne dass es zu einem Unfall kam, liegt die Ursache meist in einem technischen Problem, das in einer zweiten Operation behoben werden muss. Dieser Fall tritt aber nur selten ein.

  • Lebensdauer der Prothese

    Die Funktionstüchtigkeit einer Prothese ist zeitlich begrenzt. Heute hält eine Prothese je nach Aktivität und Alter des Patienten durchschnittlich 15 bis 20 Jahre. Im Laufe der Zeit nützt sich der Kunststoffeinsatz ab, daher werden Prothesen alle fünf Jahre in der Sprechstunde anhand eines Röntgenbildes kontrolliert. Wird dabei eine deutliche Abnützung festgestellt, muss – auch wenn keine Beschwerden auftreten – ein vorzeitiger Wechsel des Kunststoffeinsatzes empfohlen werden, weil der Prothesenschaft oder die Pfanne sich durch eine Entzündungsreaktion auf die Abriebpartikel lockern können. Sollte es zur Lockerung einzelner Komponenten der Prothese kommen, was mit belastungsabhängigen Schmerzen verbunden ist, müssen in der Wechseloperation auch die lockeren Teile ersetzt werden.

  • Lagerungsschäden

    Für diese Operation, die unter Voll- oder Teilnarkose durchgeführt wird, werden Sie auf einem speziellen Operationstisch gelagert. Dabei kann es zu Lagerungsschäden kommen, denn Sie spüren nichts. In der Regel bestehen solche Schäden nur aus kleinen Druckstellen auf der Haut, in ganz seltenen Fällen sind aber auch Nerven betroffen.

  • Differenz der Beinlängen

    Die Operation wird anhand eines Röntgenbilds millimetergenau geplant. Dabei wird auch versucht, einen allfälligen Unterschied in der Länge der Beine auszugleichen, so dass die Beine nach der Operation gleich lang sind.

    Es kann aber trotzdem zu einer geringfügigen Differenz von einigen Millimetern kommen; dies liegt im Rahmen der Messtoleranz. Erst ab einem Unterschied von ca. 1–1,5 cm muss die Beinlänge durch Einlagen in den Schuhen ausgeglichen werden.

    Durch die Operation sollen Ihre Beschwerden behoben werden. Über 95% der Patienten sind nach einem solchen Eingriff und der anschliessenden Erholungszeit schmerzfrei. Das macht die Implantation einer Hüfttotalprothese weltweit zu einer der erfolgreichsten Operationen.

    Eingesetzte Hüfttotalprothese links.