Knicksenkfuss / Plattfuss

Knicksenkfuss / Plattfuss

Knicksenkfuss oder Plattfuss sind zwei Begriffe, welche die gleiche Fussfehlstellung beschreiben. Es besteht keine klare Abgrenzung, wobei mit Plattfuss meist eine etwas schwerwiegendere Fehlstellung bezeichnet wird.

Bei dieser Fehlstellung ist das Fussgewölbe am Innenrand des Fusses zwischen Ferse und Grosszehenballen abgesenkt. Zusätzlich kommt es zu einem Abknicken der Ferse zum Fussaussenrand und auch der vordere Teil des Fusses schaut mehr nach aussen.

Der überwiegende Teil der Kleinkinder weist einen Knicksenkfuss auf, welcher sich in den meisten Fällen auswächst. Der Plattfuss darf nicht als Erkrankung angeschaut werden, da der Grossteil der Menschen mit Plattfuss keine Beschwerden und auch sonst keine Einschränkungen haben.

Typischer Plattfuss des Kleinkindes mit einer fehlenden inneren Fusswölbung und deutlichem Abknicken der Ferse nach aussen


Ursache

Der Knicksenkfuss ist im Kindesalter eine Fussform, welche im Rahmen der normalen Entwicklung vorkommt. Die Gründe dafür sind ein verstärktes Fettpolster an der Fusssohle, Überbeweglichkeit des Bindegewebes und die muskuläre Unreife. In der Regel kommt es über das Wachstum zu einer zunehmenden Aufrichtung des Fussgewölbes.

Durch das Abkippen der Ferse kann es gelegentlich zu einer deutlichen Verkürzung der Wadenmuskulatur kommen. Das führt dazu, dass der Fuss sich nicht mehr wunschgemäss aufrichten kann und es gehäuft zu Schmerzen kommt.

Ein Plattfuss kann auch im Rahmen einer Verwachsung von Fusswurzelknochen auftreten, einer sogenannten Coalitio. Eine weitere, jedoch extrem seltene Sonderform, ist der angeborene Plattfuss oder Talus verticalis. Hier ist der Fuss schon bei Geburt stark deformiert und bedarf einer Behandlung.


Häufigkeit

Da der Begriff Plattfuss nicht genau definiert ist, sind Angaben zur Verbreitung schwierig zu machen. Im Kleinkindesalter wird eine Häufigkeit von 50 bis sogar 90­ % angegeben. Der Plattfuss ist also beim Kleinkind eher die Regel als die Ausnahme. Im Erwachsenenalter haben dann nur noch 10 bis 20 % der Menschen einen Plattfuss.


Symptome und Beschwerden

Der grösste Teil der Kinder und Jugendlichen mit einem Knicksenkfuss hat keine Beschwerden. Im Falle von Schmerzen treten diese am häufigsten auf der Fussinnenseite auf in Form von Druckstellen oder es tritt ein ziehendes Gefühl in der Fusswölbung auf. Ebenso können Beschwerden unter dem Aussenknöchel oder ein schnelles Ermüdungsgefühl im Unterschenkel oft durch einen Plattfuss verursacht sein.


Untersuchung

Neben der Inspektion des Gangbildes und des Fusses muss geprüft werden, ob der Fuss aktiv gut aufgerichtet werden kann. Die manuelle Untersuchung gibt sehr viel Auskunft über die Beweglichkeit des Fusses. Eine Verkürzung der Wadenmuskulatur stellt sich oftmals beim stärkeren Plattfuss ein und ist ein mögliches Zeichen für die Behandlungsbedürftigkeit. Eine Röntgenuntersuchung des Fusses im Stehen liefert bei Beschwerden oft wertvolle Zusatzinformationen.


Behandlung

In den allermeisten Fällen kommt es im Kindesalter zu einer spontanen Verbesserung und zur Aufrichtung des Fusses während des Wachstum. Die meisten Studien haben gezeigt, dass durch das Tragen von speziellen Einlagen oder orthopädischen Schuhen der Spontanverlauf nicht wesentlich beeinflusst werden kann.

Im Falle von Beschwerden beim flexiblen Knicksenkfuss ist die Versorgung mit einer orthopädischen Fussbettung (Schuheinlage) jedoch eine gute Methode, um diese Beschwerden zu lindern und die Funktion des Fusses zu verbessern.

Bei einer deutlichen Verkürzung der Wadenmuskulatur sollte diese behandelt werden, da dadurch die Aufrichtung des Fusses erschwert wird und es auch vermehrt zu Schmerzen kommt. Diese Behandlung kann bestehen in Dehnübungen, einer Schienen- oder Gipsbehandlung oder sogar in einer Verlängerung der Wadenmuskulatur mittels Operation.

Im Falle eines weiterhin deutlichen aber flexiblen Knicksenkfusses mit Beschwerden zu Beginn der Pubertät kann mittels einer kleinen Operation (der sogenannten Calcaneo-Stopp-Schraubenarthrorise) der Fuss schön aufgerichtet werden.


Operation

Calcaneo-Stopp-Schraubenarthrorise

Bei der Calcaneo-Stopp-Schraubenarthrorise wird über einen rund 1 cm langen Hautschnitt auf der Aussenseite des Fusses eine Schraube ins Fersenbein eingebracht.

Diese Schraube verhindert das übermässige Abknicken des Fusses. Über das verbleibende Wachstum kommt es zu einer Anpassung des Fussskelettes, der Muskeln und Bänder, sodass die Schraube nach rund 3 Jahren entfernt werden kann, ohne dass der Fuss zurück in die übermässige Fehlstellung knickt.

Leider gibt es keine Messungen, die uns zeigen, welche Knicksenkfüsse auch im Erwachsenenalter weiterhin schmerzhaft sind und zu zunehmenden Problemen führen können, zumal der grösste Teil dieser Füsse keine Beschwerden macht. Obwohl es ein kleiner Eingriff ist, muss deswegen Einzelfall immer abgewogen werden, ob eine solche Operation sinnvoll ist.

Röntgenbilder eines ausgeprägten Knicksenkfusses mit Beschwerden vor der Operation und Korrektur der Fehlstellung nach Einsetzen einer Calcaneo-Stopp Arthrorise-Schraube

Evans-Osteotomie / Hintermann-Osteotomie

Als Alternative zu dieser Schraubenarthrorise kann ein Plattfuss auch durch eine Verlängerung des Fersenbeines meist in Kombination mit einem Eingriff an der Innenseite des Fusses korrigiert werden (Evans-Osteotomie oder Hintermann-Osteotomie). Dieser Eingriff bedingt aber eine längere Gipsruhigstellung und Entlastung des Fusses, sodass er an unserer Klinik fast nur beim Versagen der Arthrorise oder beim komplett ausgewachsenen Fuss zur Anwendung kommt.