After

Stuhlinkontinenz ist keine Seltenheit

Von Stuhlinkontinenz – auch Darminkontinenz genannt – ist dann die Rede, wenn der Stuhlgang oder Winde nicht zurückbehalten werden können. Betroffene findet man in allen Altersgruppen, hauptsächlich aber im fortgeschrittenen Alter. Die Ursachen sind vielfältig und somit haben wir heutzutage auch dementsprechend verschiedene Therapieansätze. Die gesellschaftliche Tabuisierung wirkt sich auf die Betroffenen zusätzlich belastend aus. Die Dunkelziffer ist hoch durch die Scham der Betroffenen. Doch es gibt auch Mittel und Wege, mit der Krankheit umgehen zu können.

Gespräch und Untersuchungen sind wichtig

Eine ausführliche Aufarbeitung des Beschwerdeverlaufs ist in Anbetracht der verschiedenartigen Ursachen äussert wichtig. Genauso wichtig sind die klinischen Untersuchungen, die mögliche Ursachen ausschliessen oder bestätigen helfen. Nebst der Suche nach einer strukturellen Störung des Darmes mittels Darmspiegelung steht die genaue Beurteilung der Schliessmuskeln im Vordergrund. Dies erfolgt mittels Ultraschall, in manchen Fällen mit einer besonderen Magnetfeld-Untersuchung (funktionelles MRI) sowie mittels Funktionsprüfung des Verschlussapparates (Manometrie).

  • Ursache

    Die Ursachen sind vielfältig: Verletzungen nach Geburten, entzündliche Darmkrankheiten, neurologische, sensorische, muskuläre oder psychische Störungen und Medikamentennebenwirkungen. Die Tabuisierung des Themas in der Öffentlichkeit wirkt sich auf Betroffene in vielerlei Hinsicht dramatisch aus.

    Die Ursachen können unterteilt werden in:

    • angeborenen (bspw. Morbus Hirschsprung, Spina bifida),
    • nicht-angeborenen/erworbenen (bspw. Zustand nach Operationen, Geburtsverletzungen, Zustand nach Bestrahlungen),
    • gastroenterologischen (bspw. entzündliche Darmerkrankungen) und
    • neurologischen Ursprungs (bspw. Diabetes mellitus, Zustand nach Hirnschlag).
  • Häufigkeit

    Die Dunkelziffer ist sehr hoch, vor allem in Alters- und Pflegeheimen. In der Schweiz geht man von bis zu 500.000 Menschen mit Stuhlinkontinenz aus. Im Alter steigt die Zahl der Erkrankten.

  • Symptome und Beschwerden

    Je nach Grad der Erkrankung, also Verlust von Gas oder von geformtem Stuhl, ist natürlich auch das Beschwerdebild unterschiedlich. Hinzu kommt jedoch eine starke psychische Komponente, die den Leidensdruck individuell ausprägt.

  • Untersuchung

    Die fachärztliche Untersuchung ist sicher unangenehm, nicht nur wegen den Beschwerden sondern auch wegen der Scham. Zu den gängigsten Abklärungen gehören neben einer ausführlichen Anamnese über Tagesablauf, Vor-Erkrankungen, Vor-Operationen, Schwangerschaften usw. eine Inspektion und eine manuelle Untersuchung des Bauchs und des Beckenbodens. Wenn die Beschwerden es zulassen, gehören eine Austastung des Enddarms und eine Enddarmspiegelung zur Abklärung. Zeitnah empfiehlt sich in fast allen Fällen eine ergänzende Darmspieglung. Als Ergänzung können dann noch funktionelle Untersuchungen wie eine Schliessmuskeldruckmessung (Analmanometrie) oder MRI hinzukommen.

  • Behandlung - Individuelle und gezielte Therapie

    Prinzipiell gibt es einen konservativen und einen operativen Therapieansatz. Die konservative Therapie sollte 6-12 Wochen dauern und beinhaltet die Anwendung von Stuhlregulanzien und Ergänzungsstoffen, die den Speisebrei mit mehr Fasern anreichern. Zudem sollte ein Stuhltagebuch geführt werden, um spezielle Situationen zu identifizieren.

    Ein Hautschutz ist ebenfalls Teil der Behandlung. Eine elektrophysiologische Therapie ist unter Umständen sinnvoll, wird aber in nicht allen Fällen von den Versicherern übernommen. Sollte aber diese Therapie für Sie sinnvoll sein, so werden wir mit Ihnen die Kostenfrage ausführlich besprechen.

    Biofeedback und Physiotherapie können mittels gezielter Stärkung der Beckenbodenmuskulatur einen Beitrag dazu leisten, die Inkontinenz zu lindern.

    Bei neurologischen und strukturellen Ursachen kann eine minimal-invasive sakrale Nervenmodulation (SNM) die Muskeln anregen und dabei helfen, die benötigte Muskelkraft aufzubauen. Somit konnte die Rate der Operationen am Schliessmuskel selbst reduziert werden. Je nach Verträglichkeit lässt sich mit Medikamenten der Rhythmus der Stuhlentleerung besser steuern. Damit kann man unverhofften Entleerungen vorbeugen.

  • Hilfsmittel für viele Bedürfnisse

    Es gibt eine Vielzahl von Hilfsmitteln, die sich an die individuellen Bedürfnisse und Möglichkeiten anpassen lassen. Eine sorgfältige Abstimmung der Hilfsmittel mit der individuellen Situation kann entscheidend dazu beitragen, die Lebensqualität zu steigern.

Operation

  • Welche Eingriffe werden angeboten?

    Je nach Ursache und Ausmass der Inkontinenz können verschiedene Eingriffe angeboten werden, die quasi massgeschneidert sind. Die Operationen werden in Voll- oder Teilnarkose zumeist stationär durchgeführt. Die Möglichkeiten reichen von Schliessmuskelreparaturen bis hin zur Schrittmachertherapie.

  • Kontrolle / Nachsorge

    Kleinere Blutungen sind nach einem Eingriff am Anus und Darm normal und müssen keine Sorgen bereiten. Schmerzen sind nach einer Operation in Massen ebenfalls normal, daher sollten die verordneten Schmerzmittel grosszügig eingenommen werden. Ein weicher Stuhlgang erleichtert natürlich auch die Zeit der Heilung, darf aber nicht zu weich sein, um nicht wieder eine Inkontinenz zu verursachen. Nach einer Schrittmacherimplantation werden jährliche Kontrollen durchgeführt, um die korrekte Funktion des Gerätes sicherzustellen. Bei Problemen und Sorgen empfehlen wir, sich rechtzeitig zu melden, um Verunsicherungen früh aus dem Weg zu räumen. Ansonsten sehen wir unsere Patienten 4-6 Wochen nach der Operation zu einer Verlaufskontrolle in unserer Sprechstunde wieder.

Unsere Spezialisten

Leitender Arzt
Klinik für Viszeral- und Thoraxchirurgie

Prof. Dr. med. Michel Adamina

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Stv. Leitender Arzt
Klinik für Viszeral- und Thoraxchirurgie

Dr. med. Christian Gingert

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