Bewegung ist Leben, Leben ist Bewegung
Sie trinken einen Kaffee. Wie viele Tassen sind es pro Tag?
David Gisi: In der Regel zwei, eine am Morgen, die zweite nach dem Mittagessen.
Wie wichtig ist das für Ihre Arbeit?
Da ist die physiologische, also die anregende Wirkung. Und die rituelle – einen Kaffee zu trinken, verbinde ich mit Durchatmen, mit sozialen Kontakten. Dafür nehme ich mir bewusst Zeit.
Sie leiten das Institut für Therapien und Rehabilitation mit 100 Fachleuten. Wie oft kommen Sie noch dazu, Patientinnen und Patienten zu behandeln?
Ich habe weniger Kontakt als früher. Aber noch immer genügend, um in meinem Kernthema, der Rehabilitation bei Lungenkrankheiten, verankert zu bleiben.
In der Physiotherapie hat die Spezialisierung stark zugenommen. Weshalb braucht es das?
Das Wissen über die besten Behandlungen wächst enorm schnell. Dank der Spezialisierung können wir es für unsere Patientinnen und Patienten nutzbar machen. Diese Entwicklung fördern wir bewusst. So haben wir an unserem Institut mittlerweile 18 Spezialgebiete, für einzelne Gelenke und medizinische Bereiche wie Herz-Kreislauf, Neurologie oder Intensivmedizin.
«Bewegung ist zentral für unsere Gesundheit. Und sie hilft, am sozialen Leben teilzuhaben.»
Haben Sie schon einmal selbst Physiotherapie benötigt?
Ja, nachdem ich mich beim Fussballspielen am Sprunggelenk verletzt hatte. Und ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung. Ich war anfangs stark verunsichert, hatte Angst, dass ich nicht wieder spielen könnte. Während der Rehabilitation hatte ich das Bedürfnis, begleitet zu werden. Das hat mir für meine Arbeit aufgezeigt, wie wichtig es ist, dass ich Patientinnen und Patienten beistehe und ich ihnen Konstanz und Sicherheit vermittle.
Was sind weitere Aspekte, auf die Sie und Ihr Team bei der Arbeit Wert legen?
Die klassische klinische Expertise der Therapeutinnen und Therapeuten ist unverzichtbar. Gleichzeitig braucht es grosses Interesse am Gegenüber, Neugier auf Menschen und ihre unterschiedlichen Facetten.
Anfang April findet der nationale Aktionstag «Bringt Bewegung ins Spital!» statt. Weshalb ist er nötig?
Bewegung ist zentral für unsere Gesundheit, und sie hilft, am sozialen Leben teilzuhaben. Gerade Menschen, die sich kaum bewegen, profitieren stark davon, wenn sie körperlich aktiver werden. Daran versuchen wir am Aktionstag am KSW auf charmante Art zu erinnern. Wir sensibilisieren unser Personal, damit es die Patientinnen und Patienten zu mehr Bewegung motiviert.
Wie gelingt das?
Das fängt bei der Grundhaltung unserer Fachleute an. Also dass ihre Begeisterung für Bewegung spürbar ist. Dabei geht es nicht darum, zu missionieren. Wichtig ist vielmehr, die konkrete Situation einer Patientin, eines Patienten rasch zu erfassen und anzuerkennen. Das verlangt Empathie und Neugierde in Bezug auf das Gegenüber.
Können Sie ein Beispiel nennen?
Es gibt Menschen, die sich nicht mehr trauen, eine Strasse zu überqueren, weil sie glauben, sie schafften es bei Grün nicht rechtzeitig über den Fussgängerstreifen. Mit ihnen können wir die Gehdistanz trainieren und ihnen dann mit Hilfe einer Stoppuhr aufzeigen, dass die Zeit reicht. Wenn sie dadurch Sicherheit zurückgewinnen, steigt die Chance, dass sie häufiger aus dem Haus gehen.
3 Tipps für mehr Bewegung
- Selbstverantwortung: Physiotherapeuten sind keine Mechaniker, die etwas mit einem Handgriff reparieren können. Es liegt in der Verantwortung der Patientinnen und Patienten, die Übungen und Hilfestellungen umzusetzen, die sie von unseren Fachleuten erhalten.
- Zusammen mehr Spass: In einer Gruppe zu trainieren, etwa mit Freunden oder im Turnverein, fällt leichter als allein.
- Sanfter sozialer Druck: Mit dem Training zu beginnen, ist der erste Schritt. Ebenso wichtig ist, dass es regelmässig weitergeführt wird. Das gelingt besser, wenn man sich gegenüber anderen Menschen dazu verpflichtet.
Über David Gisi
MAS Physiotherapie, Leiter Institut für Therapien und Rehabilitation
- Kann am besten beim Fussballspielen abschalten.
- Verbringt die Ferien am liebsten mit Veloreisen.
- Schätzt Meditation und Yoga zur Erholung.




