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Traumatologie

Gut betreut nach einem schweren Unfall

Die Zahlen sinken zwar seit Jahren, aber in den ersten sechs Monaten 2018 wurden in der Schweiz immer noch 1726 Personen bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt. Für die Opfer ist es immens wichtig, dass sie rasch und von Anfang an in gute Hände kommen.

Manchmal sieht man es kommen, manchmal knallt es aber auch wie aus dem Nichts. Ein Verkehrsunfall ist immer ein herber Schicksalsschlag, der von einem Moment auf den anderen ein Leben verändern kann. In ein solch einschneidendes Ereignis kann jeder, selbst verschuldet oder unverschuldet, verwickelt werden – nicht nur auf der Strasse, sondern auch auf der Skipiste oder bei einem Sturz zu Hause.

Lebensrettende Notfallchirurgie

Vielfach sind Schwerverletzte bewusstlos, müssen von der Feuerwehr aus dem Autowrack befreit und mit einem Helikopter der Rega zum Spital geflogen werden. Dann ist schnelles und richtiges Handeln wichtig, da es um Leben oder Tod gehen kann. Wenn ein Opfer in akuter Lebensgefahr schwebt, wird es am KSW direkt in den Schockraum gebracht, wo ein Team aus Fachkräften bereitsteht. Anhand eines Polytrauma-CTs und spezieller Röntgenbilder wird der Zustand analysiert und eine Auslegeordnung gemacht. Vielfach kommen Patientinnen und Patienten ans KSW, die sich neben einem Schädel-Hirn-Trauma mehrere Frakturen zugezogen haben: an Rippen, Becken, Hüfte, Oberschenkel, Schienbein, Fussgelenk, Hand und Fingern.
Wenn zum Beispiel die Körperhöhlen, der Kopf und die Bauchorgane in Ordnung, aber mehrere Knochen gebrochen sind, operiert das Ärzteteam im Sinn von Damage Control Surgery zuerst eine bestimmte Fraktur und lässt den Rest des Körpers vorerst in Ruhe. Bei Damage Control Surgery handelt es sich um ein Konzept für die Notfallchirurgie, das sich bei enger Indikationsstellung bewährt hat und der Schadensminimierung bei Patienten in einem sehr kritischen Zustand dient. Eckpfeiler sind das Stoppen lebensgefährlicher Blutungen, die Kontrolle der Kontamination, die Entlastung von Kompartmentsyndromen und die provisorische Stabilisierung von grösseren Skelettinstabilitäten.

Sequenzielle Abfolge

Wenn der Patient auf der Intensivstation wieder zu Bewusstsein kommt, ist er häufig schon mindestens einmal operiert worden. Zu einem späteren Zeitpunkt werden dann weitere Eingriffe vorgenommen. Über die sequenzielle Abfolge der Operationen entscheiden immer der allgemeine Zustand des Patienten und der Grad der Erholung der Weichteile. Das kann auch mit dem Alter des Patienten zusammenhängen.
Ein solcher Fall betraf Elisabeth Fellmann. Sie wurde unverschuldet in einen Autounfall verwickelt, an den sie keinerlei Erinnerung hat. Zu Bewusstsein gelangte sie erst wieder nach der ersten Operation. Am KSW wurde sie von Prof. Dr. med. Christoph Meier, Chefarzt Orthopädie/Traumatologie, operiert und betreut. Bereits hier wurde mit Rehabilitation und Physiotherapie begonnen. Insgesamt verbrachte Elisabeth Fehlmann dreieinhalb Wochen im KSW. Dann wurde sie für die weitere Rehabilitation in eine Spezialklinik verlegt. Dort sass sie zunächst im Rollstuhl, weil beide Beine operiert waren und sie diese nicht belasten durfte. Anschliessend musste sie Schritt für Schritt wieder gehen lernen. Zuerst an zwei Stöcken, dann an einem. Während der Reha kehrte Elisabeth Fehlmann zweimal zur Kontrolle bei Prof. Dr. med. Christoph Meier ans KSW zurück.

Mittlerweile sind alle Verletzungen gut verheilt, und es hat keine posttraumatischen Störungen gegeben. Elisabeth Fehlmann hat alle Narkosen gut weggesteckt und war immer positiv eingestellt, hat immer nach vorn geschaut und nie mit dem Schicksal gehadert.

Positive Einstellung ist wichtig

«Eine positive Einstellung ist sehr wichtig bei einem solchen Verletzungsbild», sagt Prof. Dr. med. Christoph Meier. Elisabeth Fehlmann ist mit der Behandlung am KSW sehr zufrieden: «Ich hatte von Anfang an volles Vertrauen in die Ärzte und die Pflegenden.»

Heute läuft und wandert die Patientin wieder wie früher und fährt sogar Ski und Velo. Auch mit dem Auto ist sie wieder häufig unterwegs, und sie arbeitet regelmässig in ihrem Nähatelier. Die Ärzte am KSW haben alle Nägel, Schrauben und Platten wieder entfernt, zuletzt aus dem rechten Oberschenkel. Einzig am linken Handgelenk bleiben die Fremdkörper für immer drin. Für Prof. Dr. med. Christoph Meier ist der Fall nun abgeschlossen: «Anatomisch stimmt alles.» Die Voraussetzungen, dass Elisabeth Fehlmann nie ein künstliches Hüftgelenk brauchen wird, sind gegeben. Sollte die Prognose des Arztes zutreffen, hat sie Glück im Unglück gehabt. Und eine durchgehend gute Betreuung.


«Massgeschneiderte Konzepte»

Interview mit Prof. Dr. med. Christoph Meier, Chefarzt Klinik für Orthopädie und Traumatologie

Welche Patienten kommen zu Ihnen?

Das sind Patientinnen und Patienten, die sich bei einem Unfall sehr schwere Verletzungen zugezogen haben mit mehreren, teilweise komplizierten Schaft- und Gelenkbrüchen. So kann durchaus jemand das Becken und auch noch beide Oberschenkel, zum Teil auf mehreren Etagen, gebrochen haben. Diese Kombination von Verletzungen ist für sich allein schon klarer Ausdruck einer starken Gewalteinwirkung. In noch schlimmeren Fällen kann zum Beispiel ein schweres Körperhöhlentrauma
dazukommen.

Was ist für Sie als Arzt jeweils die grösste Herausforderung?

Die Kombination der Verletzungen ist oft eine Herausforderung, und das Erarbeiten des schonendsten und effizientesten Behandlungskonzepts stellt immer eine knifflige Aufgabe dar. Solche Konzepte sind stets individuell und werden auf den Patienten und sein ganz spezielles Verletzungsmuster massgeschneidert.

Kann der Patient selber etwas beitragen?

Eine positive Grundhaltung ist absolut entscheidend und trägt massgeblich zu einem guten Verlauf von Operationen und Heilung bei. Solche Patientinnen und Patienten sind in der Regel leicht zu führen, weil sie sehr motiviert sind und das Rehabilitationsprogramm mit voller Energie in Angriff nehmen und absolvieren. Kleinere oder grössere Rückschläge, wie sie natürlich immer wieder vorkommen können, werden von solchen Patienten rasch angenommen und als neue Herausforderung gesehen, um noch mehr Energie in die Rehabilitation zu stecken.

Prof. Dr. med. Christoph Meier

Chefarzt, Stv. Klinikleiter
Teamleiter Traumatologie
Klinik für Orthopädie und Traumatologie
Leiter Notfallzentrum

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