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Erfahrungsbericht

Einmal Hölle und zurück

Im letzten Jahr haben sich schweizweit knapp 18'000 Autounfälle mit 3'654 Schwerverletzten ereignet. Eine davon war Elisabeth Fehlmann, die im Kanton Thurgau unverschuldet in eine Frontalkollision verwickelt wurde und mehrere Knochenbrüche erlitt. Von der Rega wurde sie zum KSW geflogen, wo sie operiert und behandelt wurde. Heute sind die Folgen des Unfalls fast gänzlich überwunden. Ein Beispiel, das zeigt, wie wichtig es ist, dass man in einer solchen Situation in gute Hände kommt.

Plötzlich wie aus dem Nichts ein Knall, alles wurde schwarz, und die Welt stand für einen Moment still. An einem Samstag Ende Januar 2017 nahm das Leben von Elisabeth Fehlmann eine schicksalhafte Wendung, wie sie jedem passieren kann. Um die Mittagszeit fuhr sie damals, wie schon viele Male zuvor, mit ihrem Kleinwagen von Rothenhausen, wo sie Einkäufe gemacht hatte, zurück zu ihrem Wohnort Mettlen im Kanton Thurgau. Auf dieser Ausserortsstrecke, auf der Tempo 80 gilt, war die Frau schon hunderte Male unterwegs gewesen, stets problemlos. An jenem Tag aber verlor der Lenker eines entegenkommenden Wagens die Kontrolle über sein Fahrzeug, so dass es in einer leichten Kurve und bei regennasser Strasse zu einem Frontalzusammenstoss kam.

Nichts mitbekommen

Von all dem bekam Elisabeth Fehlmann nichts mit. Erst am Sonntagmorgen kehrte ihr Bewusstsein zurück. Da lag sie schon in der Intensivabteilung am KSW – mehrfach operiert. Dieser Unfall war einer von genau 17’799 im Jahr 2017, bei denen Personen zu Schaden kamen. 3’654 Personen wurden dabei schwer verletzt, eine davon war Elisabeth Fehlmann. In der Zeit, an die sie keine Erinnerung hat, musste sie zuerst von der Feuerwehr aus ihrem Auto geschnitten werden. Dann flog ein Helikopter der Rega sie zum KSW, wo sie wegen akuter Lebensgefahr direkt in den Schockraum kam.

Mit dem Rega-Helikopter zum KSW geflogen.

Für Dr. med. Christoph Meier, der an jenem Wochenende Dienst hatte, war sofort klar, dass die Patientin schwer verletzt war. Anhand eines Polytrauma-CTs und spezieller Röntgenbilder konnte ihr Zustand analysiert und eine Auslegeordnung gemacht werden. Ein Blick in ihre Krankenakte zeigt, dass sie sich neben einem Schädel-Hirn-Trauma mehrere Frakturen zugezogen hatte: an Rippen, Becken, Hüfte, Oberschenkel, Schienbein, Fussgelenk, Hand und Finger.

Stippvisite Orthopaedie Traumatologie Ksw Storys 01

Dr. med. Christoph Meier erklärt, was im Schockraum geschehen ist.

Sequenzielle Abfolge der Operationen

In Ordnung waren aber die Körperhöhlen, der Kopf und die Bauchorgane. Im Sinn von Damage Control operierte das Ärzteteam zuerst den einen Oberschenkel und liess den Rest vorerst in Ruhe. Drei Tage später waren dann das Becken und der zweite Oberschenkel an der Reihe. Am 2. Februar wurden der rechte Schienbeinkopf, ein Handgelenk und die Finger operiert, am 7. Februar ein Sprunggelenk und ein Sprungbein. Über die sequenzielle Abfolge der Operationen entschieden der allgemeine Zustand der Patientin und der Grad der Erholung der Weichteile.

Schon am KSW wurde mit Rehabilitation und Physiotherapie begonnen. Insgesamt verbrachte Elisabeth Fehlmann dreieinhalb Wochen im KSW. Anschliessend wurde sie für die Rehabilitation zuerst nach Zurzach und dann nach Bellikon verlegt. Dort sass sie neben Querschnittgelähmten zunächst in einem Rollstuhl, weil beide Beine operiert waren und sie sie nicht belasten durfte. Anschliessend musste sie Schritt für Schritt wieder gehen lernen. Zuerst an zwei Stöcken, dann an einem. «Die Zeit in Bellikon hat mir gezeigt, dass ich zwar Pech gehabt hatte, aber irgendwie doch auch Glück. Es hätte alles noch viel schlimmer kommen können.» Während der Reha kehrte Elisabeth Fehlmann zweimal zur Kontrolle ans KSW zurück. Vom Unfallverursacher, der nur leicht verletzt wurde, hat sie nie etwas gehört. Das wollte sie aber auch nicht, da sie ja vom Unfall gar nichts mitbekommen hatte. Sie hegt aber auch keinen Groll gegen ihn.

Positivismus ist wichtig

Christoph Meier ist sehr zufrieden mit seiner Patientin, die ihm einen interessanten Fall beschert hat. Alle Verletzungen seien gut verheilt, und es habe keine posttraumatischen Störungen gegeben. «Frau Fehlmann hat alle Narkosen gut weggesteckt und war immer positiv eingestellt.» Sie habe immer nach vorn geschaut und nie mit dem Schicksal gehadert.

Früher Beginn mit Rehabilitation und Physiotherapie.

«Positivismus ist sehr wichtig bei einem solchen Verletzungsbild.» Elisabeth Fehlmann ist voll des Lobes für die Behandlung am KSW. «Ich hatte von Anfang an volles Vertrauen in die Ärzte und die Pflegenden und bin mit dem Resultat völlig zufrieden.» Wenn sie ehrlich sei, sei es besser herausgekommen, als sie erwartet habe. «Es ist einfach nur herrlich, dass ich wieder gehen kann.»

Nach vier Monaten stieg sie schon wieder in ein Auto, fuhr zuerst auf einem leeren Parkplatz wie eine Fahrschülerin. Als sie merkte, dass es gut ging, wagte sie sich auch wieder auf die Strasse. Fast täglich kommt sie mit dem Auto an der Unfallstelle vorbei, was ihr nichts ausmacht. «Weil ich keine Erinnerung an den Zusammenstoss habe, habe ich auch kein schlechtes Gefühl», sagt sie. Noch bevor sie sich wieder hinters Steuer setzte, hatte sie begonnen, in ihrem Nähatelier zu arbeiten, anfänglich wenig, dann zunehmend mehr. In der Zwischenzeit haben ihr die Ärzte am KSW verschiedene Nägel, Schrauben und Platten wieder herausgenommen, zum letzten Mal am 20. September dieses Jahres. Da kam das Eisen im rechten Oberschenkel raus. Christoph Meier hätte gewisse Nägel an Ort und Stelle belassen, aber Elisabeth Fehlmann wollte das nicht. Nur am linken Handgelenk bleiben die Fremdkörper für immer drin.

Zurück auf die Skipiste

Anderthalb Jahre nach dem verhängnisvollen Unfall kann Elisabeth Fehlmann schon wieder problemlos wandern und Velo fahren. Im vergangenen Sommer hat sie zusammen mit ihrem Mann in zwei Wochen 740 Kilometer mit dem Velo zurückgelegt – schmerzfrei. Vor allem Velofahren ist gut für sie, weil dabei die Gelenke nicht allzu stark belastet werden. Und auch auf die Skipiste will das Unfallopfer bald zurückkehren. Im kommenden Winter soll es so weit sein. Christoph Meier sieht keinen Grund, weshalb das nicht möglich sein sollte. Der Fall sei eigentlich abgeschlossen. «Anatomisch stimmt alles.» Die Voraussetzungen, dass Elisabeth Fehlmann nie ein künstliches Hüftgelenk brauchen wird, seien gegeben. Das hört sie natürlich gern. Sollte die Prognose des Arztes zutreffen, wäre für sie der Ausflug in die Hölle am Schluss doch noch glimpflich verlaufen.

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