Pensioniertenwanderung – sonnig und leicht trocken

Lucienne Riesterer (ehemals Zeh)

Am 21. September trafen sich 47 ehemalige KSW-Mitarbeitende (7 Männer und 40 Frauen) in der Bahnhofshalle Winterthur. Wie immer ging es sehr schnell fröhlich und laut zu und her – bis man da nur jeden und jede begrüsst hatte! Richtig schön war’s! Zum Glück waren wir mit Namen angeschrieben. Es hatte ja auch einige neue Gesichter dabei, sogenannte Lehrlinge, die ihren Einstieg gut meisterten. Im hintersten Wagen – zusammen mit einer Klasse auf Schulreise – reisten wir nach St. Gallen. Die vorbeiziehende Landschaft lag teils in mattem Sonnenlicht und teils in sanftem Nebel. Plötzlich zeigten sich nur noch blauer Himmel und die verschneite Alpstein-Bergkette – ein Prachttag.

Doppelstöckig zum «Töni»

Von «Sanggalle» aus führte uns das Doppelstöcker-Postauto – oben laut und unten eng – souverän über die kurvenreiche Passstrasse nach Heiden; dort hatten wir wieder etwas Zeit für die wunderschöne Aussicht Richtung Bodensee. Heiden war schon früh als Molkenkurort berühmt und ist heute ein beliebter nebelfreier Ferien- und Kurort. Hier lebte der Gründer des Roten Kreuzes, Henri Dunant. Ihm sind ein Museum und ein Denkmal gewidmet, doch dafür hatten wir keine Zeit. Das nächste Postauto brachte uns nach St. Anton. Die Einheimischen nennen dieses Ausflugsziel «Töni», hier ist bei schönem Wetter einiges los. Die Motorradfahrer lieben die kurvenreiche Strecke, wir hingegen genossen die Aussicht. Die Appenzeller unter uns erklärten, dass das Dorf Oberegg an unserer Strecke im Kanton Appenzell Innerrhoden liegt und die umliegenden Dörfer in den Kantonen Appenzell Ausserrhoden und St. Gallen. Oberegg ist eine Enklave; wenn man im Appenzellerland die Schule besucht hat, vergisst man das nie!

Auf der Passhöhe des «Töni» steht eine kleine Kapelle, die dem heiligen Antonius von Padua geweiht ist. Vor dem Abstieg besuchten einige von uns diese Kapelle. Aber vergessen wir nicht das gemütliche grossräumige Restaurant. Endlich konnten wir unsere trockenen Kehlen anfeuchten. Nach Flädlisuppe, gemischtem Salat und Menü mit oder ohne Fleisch wurde es ruhiger. Die gute Küche mundete allen, wurde doch noch ausgiebig «Supplément» offeriert. Mit scheuem Blick auf die Uhr stellten wir fest, dass wir schon zwei Stunden am Tisch sassen, und noch war die Rechnung nicht beglichen. Nun, die Schreiberin hätte gut daran getan, in der langen Zeit ihre Wanderschuhe nochmals zu schnüren, eine grosse Zehe mit dicker Blase war das Resultat.

Munter rauf und runter

Der Aufstieg zum Kaien auf rund 1100 Metern über Meer war kurzweilig, mal runter, dann wieder rauf, bis zum Höhepunkt. Und wieder genossen wir den wunderbaren Blick auf die Bergwelt und den Bodensee. Beim Abstieg über saftige Wiesen fiel uns auf, dass an den ansonsten gemütlich und gepflegt wirkenden Häusern es sehr wenig Blumenschmuck gab; auch in den Gärten gab es nicht üppig Blumen. Ob das mit der Höhe, dem kühlen Frühling und Sommerbeginn zusammenhing? In den grünen Wiesen gab’s auch keine Apfelbäume, zu gern hätte man in einen Apfel gebissen – diejenigen Früchte, die man «stibitzt», sind doch immer die besten!
Ich fragte mich, ob die Vögel bereits gegen Süden gezogen waren, denn ausser einem Milan, der am blauen Himmel seine Kreise zog, sah oder hörte ich keinen Vogel. Eine sehr eifrige Wanderin hatte vor unserem Ausflug die ganze Strecke durchwandert und erzählte, sie habe noch Enziane gesehen – wo sind sie geblieben? Die Wälder zeigten sich noch nicht in herbstlichen Farben. Unterwegs konnten wir aber den für die «Vehschau» vorbereiteten, geschmückten Platz sehen und bald auch die Postautohaltestelle (aber keine Beiz!). Nach diesem «steilen Abstieg» über die Wiesen brachte uns das Postauto nach St. Gallen.

Perfekte Organisation

Da inzwischen «Rushhour» eingesetzt hatte, mussten viele Leute an den Haltestellen Geduld aufbringen für das nächste Postauto. In St. Gallen musste es rassig gehen, wieder war für uns im hintersten Wagen Platz reserviert. Wir unterhielten uns eifrig über den wirklich gelungenen Ausflug und bedankten uns bei Claire Haller und Trudi Muggli, die auch für die Organisation der nächsten Wanderung gewählt wurden. Nach der Ankunft in Winterthur mussten wir «Dehydrierten» uns nur über die Strasse in die Manta-Bar «schleppen». Hier erholten sich alle spontan und fanden zur ursprünglichen Fröhlichkeit zurück! Wir bedanken uns nochmals herzlich bei allen Organisatoren und dem KSW sowie bei Edith Kotecha für die Appenzellerland-Informationen.
Es bleibt noch die persönliche Moral von der Geschicht: Vergiss nie die Wanderstöcke und das Getränk. Vor allem: Nimm dir Zeit, die Schuhe neu zu binden!

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