KSW trotz Corona-Pandemie mit positivem Ergebnis

Die Corona-Pandemie dominierte das Jahr 2020 im Kantonsspital Winterthur (KSW). Als COVID-A-Spital behandelte das KSW 600 COVID-19-Patientinnen und -Patienten stationär und musste dazu den Spitalbetrieb stark umstellen. Dies wirkte sich auch in finanzieller Hinsicht aus: Der Corona-Effekt belastet das Ergebnis mit rund 30 Mio. CHF. Trotzdem schliesst das KSW das Geschäftsjahr 2020 mit einem kleinen Gewinn von 1,7 Mio. CHF ab. Der Gewinnrückgang gegenüber dem Vorjahreswert von 29,1 Mio. CHF ist erheblich, aber vollumfänglich auf Erlösausfall und Mehrkosten wegen der Pandemie zurückzuführen. Insgesamt hat das KSW die ausserordentlichen Herausforderungen sehr gut gemeistert.  

Das KSW erlebte einen intensiven Start ins Jahr 2020. In den ersten zwei Monaten behandelte das Spital 4% mehr Patientinnen und Patienten stationär und 9% mehr ambulant als in der Vergleichsperiode des Vorjahres. Die erste Corona-Welle und insbesondere das vom Bundesrat verordnete Verbot aller nicht dringlichen Behandlungen bremsten den laufenden Betrieb jedoch abrupt ab. Vom 16. März bis zum 27. April 2020 durfte das KSW – wie alle Spitäler in der Schweiz – nur die notwendigsten Behandlungen durchführen: Gegenüber der Vorjahresperiode brachen in dieser Phase die stationären Behandlungen um 30% und die ambulanten Behandlungen um 40% ein.

Nach der Aufhebung der behördlichen Verordnung behandelte das KSW weiterhin COVID-19-Erkrankte. Deren Anzahl ging zwar vorerst stetig zurück, aber die Kapazität für die Behandlung der anderen Patientinnen und Patienten blieb weiterhin limitiert.

Erholung in den Sommermonaten und nochmals hohe Belastung durch zweite Welle

In den Sommermonaten behandelte das KSW laufend COVID-19-Patientinnen und -Patienten, allerdings nie so viele, dass der Normalbetrieb wesentlich eingeschränkt werden musste. Anstrengungen, in dieser Zeit aufgeschobene Behandlungen soweit wie möglich nachzuholen, konnten den erlittenen Umsatzeinbruch nur beschränkt kompensieren: Das KSW als effizienter Betrieb ist auf eine ordentliche Auslastung ausgelegt und verfügt über keine systematischen Reservekapazitäten.

Ab Oktober wurde das KSW mit Beginn der zweiten Welle wieder mit einer steigenden Anzahl von COVID-19-Erkrankten konfrontiert. Obschon im Hinblick auf eine weitere Verschärfung der Pandemie rund 60 zusätzliche Stellen besetzt worden waren, wurde im Spätherbst eine erneute Verschiebung der nicht vordringlichen Behandlungen notwendig, gemäss einem im Frühjahr erarbeiteten Stufenplan. Dieser Schritt war nötig, um die Belastungsgrenze des Spitals nicht zu überschreiten und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Insgesamt höherer Aufwand und weniger Ertrag aufgrund Corona-Pandemie

Das KSW behandelte im Jahr 2020 600 COVID-19-Patientinnen und -Patienten stationär. Trotzdem verzeichnete es mit insgesamt 26’885 stationär behandelten Patientinnen und Patienten gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang von über 4%, dies aufgrund des vom Bundesrat verordneten Verbots aller nicht dringlichen Behandlungen im Frühling. Insgesamt sank der Ertrag im stationären Bereich um 4,1% von 335,0 auf 321,3 Mio. CHF, während dieser Wert in den vergangenen Jahren im Durchschnitt um 3% pro Jahr gewachsen ist. Der Ertrag aus dem ambulanten Bereich konnte zwar um 0,4% von 172,0 auf 172,7 Mio. CHF gesteigert werden. Diese Zunahme liegt pandemiebedingt deutlich unter den Vorjahren, in denen die ambulanten Behandlungen im Durchschnitt über 7% pro Jahr zugenommen haben. Der Personalaufwand hat 2020 um 2,8% zugenommen, was im Wesentlichen durch den pandemiebedingten Aufbau von rund 60 zusätzlichen Stellen zu begründen ist. Insgesamt stieg der Aufwand um 2,2%, nämlich von 523,7 auf 535,2 Mio. CHF. Die Erträge haben um 2,9% von 552,8 auf 536,9 Mio. CHF abgenommen.

Corona-Effekte unternehmerisch getragen

Insgesamt betragen 2020 die Corona-bedingten Netto-Erlösausfälle 20 bis 30 Mio. CHF. Hinzu kommen höhere Personalkosten von rund 6 Mio. CHF für die zeitintensive Behandlung von COVID-19-Patientinnen und -Patienten und die COVID-19-Tests sowie zusätzliche Sachkosten im Umfang von 2 Mio. CHF für Schutzmaterial, Testinfrastruktur, Reinigung und externes Sicherheitspersonal. Corona-bedingte Zahlungen des Kantons Zürich für Aufbaukosten, die Schulung von IPS-Personal sowie das Führen einer COVID-19-Intensiv- und Bettenstation belaufen sich auf rund 3 Mio. CHF. Der negative Corona-Effekt wird vom KSW, das als COVID-A-Spital massgeblich zur Bewältigung der Pandemie beigetragen hat, somit zum grössten Teil unternehmerisch getragen. Erlösausfallentschädigungen stehen im Kanton Zürich nur Spitälern zu, die im Unterschied zum KSW einen Betriebsverlust ausweisen.

Corona-Situation belastet EBITDA-Marge

Die EBIT-Marge (Betriebsgewinn vor Zinsen) sank von 4,5% auf 0,1%. Die EBITDA-Marge (Betriebsergebnis vor Abschreibungen und Zinsen) liegt mit 6,2% zum ersten Mal seit der Einführung der neuen Spitalfinanzierung im Jahr 2012 unter dem Zielwert von 10%. Hypothetisch bereinigt um die Sondereffekte aufgrund der Corona-Pandemie würde das Betriebsergebnis auf bzw. über dem Niveau des Vorjahres liegen. Die im Krisenjahr erzielte EBITDA-Marge von 6,2% ist betrieblich für eine langfristige Ausrichtung des KSW nicht ausreichend. Sie entspricht jedoch dem durchschnittlichen Betriebsergebnis der Schweizer Spitäler, das gemäss einer Studie von PwC über 45 grössere Schweizer Spitäler in den Jahren 2015 bis 2019 zwischen 5,9% und 6,5% liegt.[1]

Einmal-Prämie für Mitarbeitende

Das KSW hat es in einem durch Corona geprägten Jahr geschafft, unter erschwerten Bedingungen eine konstante, jederzeit ausreichende und qualitativ hochstehende Versorgung der Patientinnen und Patienten im Einzugsgebiet zu gewährleisten. Trotz erheblichem Umsatzeinbruch und Mehrkosten hat das KSW aus eigener Kraft ein positives Ergebnis erwirtschaftet. Diese ausserordentliche Leistung ist den Mitarbeitenden zu verdanken, die immer wieder eine Extra-Meile gegangen sind. Auf Antrag der Spitalleitung hat der Spitalrat deshalb entschieden, allen Mitarbeitenden eine Einmal-Prämie für den Einsatz in der Corona-Pandemie zu Lasten des Jahresergebnisses 2020 in Höhe von 1’000 CHF und in Abhängigkeit vom Anstellungsgrad zu leisten. Die Mittel dazu wurden bereits der Jahresrechnung 2020 belastet. Diese Anerkennung ist verbunden mit einem herzlichen Dank für den ausserordentlichen Einsatz in schwierigen Zeiten.

[1] PwC: «Schweizer Spitäler: So gesund waren die Finanzen 2019», November 2020


Weitere Informationen

Für Rückfragen stehen Ihnen
am 09.03.2021
von 10.00 bis 11.00 Uhr
Spitaldirektor Rolf Zehnder und Hansjörg Lehmann, Direktor Finanzen,
unter 052 266 21 02 zur Verfügung.


Das Kantonsspital Winterthur (KSW) gehört zu den zehn grössten Spitälern der Schweiz. Als ein Zentrumsspital behandelt es jährlich rund 240’000 Patientinnen und Patienten ambulant und rund 27’000 stationär. Mit 3800 Mitarbeitenden und 500 Betten stellt es in der Spitalregion Winterthur die medizinische Grundversorgung sicher und erbringt zusätzlich Leistungen der spezialisierten Versorgung für die umliegenden Spitäler. Darüber hinaus erfüllt das KSW einen umfassenden Ausbildungsauftrag.


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