Handchirurgie

Konservative und operative Handchirurgie

Knochen

Die menschliche Hand besteht aus 27 Handknochen: 8 Handwurzelknochen,
5 Mittelhandknochen und 14 Fingerknochen sind durch Gelenke und Bänder flexibel miteinander verbunden.

  • Kahnbeinbruch

    Was ist ein Kahnbeinbruch?
    Das Kahnbein ist einer von acht Handwurzelknochen und liegt auf der Daumenseite des Handgelenks. Durch seine Form und die Lage ist es der für die Stabilität des Handwurzelknochengefüges wesentlichste Bestandteil. Der Kahnbeinbruch ist der häufigste Bruch im Bereich der Handwurzel und der zweithäufigste des Handgelenks nach dem Bruch der körperfernen Speiche (distaler Radius).

    Ursachen
    Zu einem Bruch des Kahnbeins kommt es meist im Rahmen eines Sturzes, wenn man sich reflexartig mit der Hand abstützen will. Das Kahnbein stösst dabei an der streckseitigen Speichenkante an und bricht dadurch meist im mittleren Drittel.

    Symptome und Verlauf
    Typisch für den Bruch ist eine schmerzhafte Schwellung im Bereich der sogenannten Tabatiere zwischen Speiche und der Basis des Daumen-Mittelhandknochens. Nur selten findet sich ein Bluterguss. Weil die Blutgefässe körperfern in den Knochen eintreten, heilen die Brüche im körpernahen Drittel des Kahnbeins am schlechtesten. Ohne eine Behandlung des Bruchs bleibt die Heilung meist aus, und es entsteht eine sogenannte Scaphoidpseudarthrose. Daher sind eine frühe Diagnosestellung durch klinische Untersuchung, Röntgen und manchmal auch Computertomographie sowie eine passende Therapie wichtig.

    Wann ist eine Operation notwendig?
    Ein körperferner Bruch des Kahnbeins kann meist ohne Operation innerhalb von sechs bis acht Wochen ausheilen, wenn dem Patienten ein spezieller Kahnbeingips angelegt wird. Bei einem unverschobenen Bruch im mittleren Drittel beläuft sich die Ruhigstellungszeit in der Regel auf zehn bis zwölf Wochen. In diesem Fall lässt sich das Kahnbein alternativ mit einer speziellen Schraube operativ stabilisieren. Ein körpernaher Bruch sollte fast immer operiert werden, da sonst die Gefahr sehr hoch ist, dass die Heilung trotz konsequenter Ruhigstellung ausbleibt.

    Operationstechnik
    Die Verschraubung nehmen wir meist minimalinvasiv über einen kleinen Schnitt an der Beugeseite des Handgelenks mit einer sogenannten känulierten Schraube vor. Diese Schraube kommt vollständig im Knochen zu liegen und muss nach Ausheilung des Bruchs meist nicht entfernt werden. Bei einem körpernahen Bruch erfolgt die Verschraubung von der Streckseite her, um das meist kleine Fragment besser zu erreichen.

    Spezielle Nachbehandlung
    Nach der Verschraubung reicht eine Ruhigstellung in einer Handgelenksmanschette während vier Wochen meist aus. Eine Belastung der Hand ist jedoch erst nach frühestens acht Wochen möglich bzw. gestattet. Den Heilungsverlauf dokumentieren wir durch Röntgenaufnahmen und/oder eine weitere Computertomographie.

  • Brüche der Finger- und Mittelhandknochen

    Was ist ein Bruch der Finger- oder Mittelhandknochen?
    Brüche der Mittelhand, der Langfinger und des Daumens können mit oder ohne Gelenkbeteiligung vorkommen sowie offen oder geschlossen sein. Die Behandlung dieser Knochenbrüche zielt darauf ab, die komplexe funktionelle Anatomie der Hand zu berücksichtigen und bei der Behandlung die Weichteile und hierbei insbesondere das Sehnengleitgewebe weitestgehend zu schonen.

    Bei einer Verstauchung des Endglieds kann die Sehne intakt bleiben und nur die Verankerung der Sehne am Knochen mitsamt einem Knochenstück ausreissen. Dies nennt man einen knöchernen Ausriss der Sehne und wird auch als Knochenbruch behandelt.

    Ursachen
    Häufig entstehen Brüche im Bereich der Hand durch eine direkte Gewalteinwirkung (z. B. durch Anprall des Balls an den Finger bei Ballsportarten), durch Luxation, Kreissägen-/Fräsenverletzungen und Quetschungen, aber auch im Rahmen von Mehrfachverletzungen der Hand.

    Symptome und Verlauf
    Das führende Symptom ist meist ein sofort nach dem Unfall auftretender schmerzhafter Funktionsverlust. Normalerweise entwickeln sich am betroffenen Finger innerhalb weniger Minuten bis Stunden eine Schwellung und ein Bluterguss. Die Schwellung kann sich auch auf benachbarte Finger ausweiten. Besonders wichtig ist es hier, den betroffenen Finger auf eine allfällige Fehlstellung hin zu überprüfen, da die Gefahr besteht, dass der Knochen ohne Operation oder Richten des Gelenks mit einem Drehfehler und/oder einer Abweichung in der Längsachse verheilt. Die Folge davon ist eine Einschränkung der Beweglichkeit.

    Bei einem knöchernen Strecksehnenausriss kann die Gelenkbeteiligung nur leicht ausgeprägt sein, so dass die Gefahr besteht, das Ausmass des Bruches aufgrund der Beschwerdearmut zu verharmlosen.

    Indikation zur Operation
    Die Behandlung bei einem Fingerbruch richtet sich nach dem Bruchverlauf und der Notwendigkeit einer Stellungskorrektur.

    Bei nicht oder nur gering verschobenen Brüchen ist eine Schienenbehandlung für einige Wochen möglich. Bei Fehlstellungen oder drohender Fehlstellung ist ein operatives Verfahren zu bevorzugen. Insbesondere Brüche von Mittel- oder Grundgliedern führen zu einer Drehfehlstellung, die sich vor allem beim Faustschluss durch Überkreuzen der Finger zeigt. Hier sollte ein operatives Richten bzw. eine operative Einstellung (Reposition) der Bruchstücke und gegebenenfalls auch eine Fixierung durch Drähte, Schrauben oder Platten erfolgen.

    Operationstechnik
    Die Stabilisierung von Brüchen im Handbereich ist grundsätzlich mit Drähten, Schrauben oder Platten möglich. Bei manchen Brüchen kommt ein aus Drähten und Gummizügeln bestehender sog. äusserer Spanner (Suzuki-Fixateur) zur Anwendung. Beim sog. knöchernen Ausriss der Strecksehne am Endgelenk (knöcherner Mallet-Finger) wird das Ausriss-Fragment mit Drähten indirekt fixiert (Kirschnerdraht-Osteosynthese nach Ishiguro).

    Spezielle Nachbehandlung
    Je nach Verletzungstyp und Art der Versorgung (durch die Haut eingebrachte Drähte, Platten oder Schrauben) erfolgen unterschiedliche Nachbehandlungen. Gebrochene Finger, die mit einer Schraube, einem Draht oder einer Platte stabilisiert wurden, können im Prinzip unmittelbar nach der Operation ohne Belastung bewegt werden, um die Beweglichkeit des Fingers zu erhalten. Während der ersten Zeit werden die Patienten von unseren Ergotherapeuten (Handtherapeuten) betreut und bezüglich erlaubter Bewegungen angeleitet. Sollte der Finger trotz operativer Fixierung nicht stabil sein, besteht also die Gefahr einer erneuten Verschiebung der Bruchstücke, so muss eine Ruhigstellung in der Schiene für längere Zeit (3–6 Wochen) erfolgen. Der Belastungsaufbau ist bei allen Varianten meist erst nach frühestens 6 Wochen gestattet. Die Entfernung der Implantate ist abhängig vom Operationsverfahren. Aus der Haut herausragende Drähte entfernen wir nach radiologischer Überprüfung der Heilung und der Stellung nach 4 – 6 Wochen ohne Betäubung in der Sprechstunde. Alle Implantate, die unter der Haut liegen, können wir nur unter lokaler oder regionaler Betäubung entfernen. Drähten entfernen wir nach ca. 6–7 Wochen, Schrauben und Platten erst nach 6–9 Monaten. Schrauben und Platten, die für den Patienten nicht störend sind und keine Einschränkung der Beweglichkeit hervorrufen, müssen nicht zwingend entfernt werden.

  • Knochentumoren

    Nur 6 % aller Knochentumoren sind an der Hand lokalisiert. Sie sind überwiegend gutartig, zeigen jedoch meist ein aggressives Wachstum. Die häufigsten gutartigen Tumoren sind die Enchondrome (90 % aller Knochentumoren an der Hand), darauf folgen Osteid-Osteome, Riesenzelltumore und Osteochondrome. Die Gruppe der seltenen bösartigen Tumoren beinhaltet die Chondrosarkome, die Osteosarkome und das Ewing-Sarkom bei Kindern. Wegen des seltenen Vorkommens dieser Erkrankungen wird im Folgenden nur auf das Enchondrom als häufigsten Tumor eingegangen.

    Was ist ein Enchondrom?
    Beim Enchondrom handelt sich um einen gutartigen, vom Knorpelgewebe ausgehenden Tumor. Er bildet sich im Markraum der Röhrenknochen, am häufigsten in den kleinen Knochen der Hände. Die häufigsten Lokalisationen sind das Fingergrundglied, der Mittelhandknochen und das Fingermittelglied.

    Ursachen
    Die Ursache für das Auftreten eines Enchondroms ist weitgehend unklar. Es wird aber angenommen, dass es sich hierbei um verbliebenen, embryonal-knorpelig angelegten Knochen handelt. Die Krankheit tritt am häufigsten zwischen dem 10. und dem 20. Lebensjahr auf. Männer und Frauen sind gleichermassen betroffen.

    Symptome und Verlauf
    In den meisten Fällen bleiben Enchondrome symptomlos und werden nur als Zufallsbefund auf der Röntgenaufnahme entdeckt. Wenn die äussere Knochenschicht, die sogenannte Kortikalis, stark ausgedünnt ist, kann es bei Bagatellverletzungen zu einem Knochenbruch  kommen (sogenannte pathologische Frakturen). Beim betroffenen Finger kann sich auch ein langsames Breitenwachstum zeigen.

    Wann ist eine Operation angezeigt?
    Bei Schmerzen, drohendem oder bereits erfolgtem Bruch oder Hinweisen auf eine bösartige Entwicklung ist es ratsam, das Enchondrom operativ zu entfernen (Kurettage).

    Operationstechnik
    Über einen Hautschnitt eröffnen wir die äusserste Schicht des Knochens und entfernen den Tumor. Abhängig von der Stabilität des Knochens füllen wir den Defekt mit eigenem oder synthetischem Knochen auf.

    Spezielle Nachbehandlung
    Nach der Operation sollte der Patient für ca. 6 Wochen jede Belastung vermeiden. Das Ruhigstellen in einer Schiene ist meist nicht erforderlich.

Nerven

Nerven können sensible Signale empfangen und geben Bewegungsimpulse an die Muskulatur weiter. Die drei grossen Handnerven sind der Ellennerv, der Speichennerv und der Mittelnerv.

  • Karpaltunnelsyndrom

    Was ist ein Karpaltunnelsyndrom?
    Der Karpaltunnel liegt auf der Innenseite des Handgelenks. Er wird von den Handwurzelknochen und einem straffen, 2–4 cm langen Band gebildet. Durch den Karpaltunnel verlaufen die Beugesehnen der Finger und der Mittelhandnerv (Nervus medianus), der sowohl für das Gefühl in Daumen, Zeige-, Mittel- und mittelfingerseitigem Ringfinger als auch für die Versorgung der Daumenballenmuskulatur zuständig ist. Das Karpaltunnelsyndrom entsteht durch eine Erhöhung des Drucks im Karpaltunnel, wodurch der Nerv geschädigt wird.

    Ursachen
    Ein Karpaltunnelsyndrom lässt sich häufig keiner eindeutigen Ursache zuordnen (man nennt das idiopathisch). In Frage kommen eine Entzündung und Schwellung des Gleitgewebes der Beugesehnen (z. B. durch Überbeanspruchung), Diabetes mellitus, rheumatoide Arthritis, hormonelle Ursachen (z. B. während der Schwangerschaft oder Stillzeit), Verletzungen (z. B. Bruch des Handgelenks, Schwellung nach einer Verletzung), degenerative Veränderungen des Handgelenks (z. B. schwere Arthrose) oder Tumoren (z. B. Ganglion im Bereich des Karpaltunnels).

    Symptome und Verlauf
    Die Leitsymptome sind Gefühlsstörungen im Gebiet, das vom Mittelhandnerv versorgt wird, sowie nächtliche Schmerzen, die den Schlaf mitunter deutlich stören können. Typischerweise kommt es zu Kribbeln, Einschlaf-/Taubheitsgefühl und Schmerzen in den betroffenen Fingern sowie zu einer Kraftminderung im Bereich von Daumen und Zeigefinger. Zudem kann sich die Daumenballenmuskulatur sichtbar zurückbilden, da auch sie vom gleichen Nerv versorgt wird. Gelegentlich können die Schmerzen bis in den Unterarm ausstrahlen. Oft verringern sich die Beschwerden, wenn man die Hand schüttelt oder in kaltes Wasser taucht. Zur Verdachtsdiagnose gelangt man durch die Beschreibung der Beschwerden (Anamnese) und eine klinische Untersuchung. Eine neurologische Untersuchung mit speziellen elektrophysiologischen Messungen kann die Diagnose sichern und das Ausmass der Schädigung erfassen. Liegen zusätzlich verschleissbedingte Veränderungen vor, ist gelegentlich auch ein Röntgenbild oder eine Ultraschalluntersuchung sinnvoll.

    Wann ist eine Operation notwendig?
    Bei geringen oder erst seit kurzer Zeit auftretenden Beschwerden ist zunächst eine konservative Therapie mit Ruhigstellung in einer Handgelenksmanschette sowie abschwellenden und entzündungshemmenden Schmerzmedikamenten möglich. Wenn der Patient auf die konservativen Therapiemassnahmen nicht anspricht oder bereits unter fortgeschrittenen Gefühlsstörungen, an Muskelschwund im Bereich des Daumenballens oder einem neurologisch nachgewiesenen Druckschaden des Nervs leidet, ist eine Operation notwendig.

    Operationstechnik
    Die Operation führen wir in der Regel in Lokalanästhesie mit zusätzlicher Betäubung des Mittelhandnervs ambulant durch. Dabei durchtrennen wir über einen kleinen Schnitt in der Handinnenfläche das Band, das den Karpaltunnel auf der Handinnenseite begrenzt. Wegen der Entlastung des Nervs gehen die kribbelnden Missempfindungen und die ausstrahlenden Schmerzen meist sofort zurück. Der geschädigte Nerv benötigt hingegen je nach Grad der Schädigung Wochen, eher Monate zur Erholung.

    Spezielle Nachbehandlung
    Nach der Operation stellen wir das Handgelenk für zwei Wochen in einer Handgelenksmanschette ruhig. Sie sollten die Hand während insgesamt drei Wochen nach der Operation nicht belasten und auf das Heben von grösseren Lasten (Taschen, Pfannen etc.) verzichten. Je nach Ausmass der Nervenschädigung vor der Operation ist eine vollständige Erholung des Nervs nicht immer zu erreichen.

  • Sulcus-ulnaris-Syndrom

    Was ist ein Sulcus-ulnaris-Syndrom?
    Unter dem Sulcus-ulnaris-Syndrom versteht man die Einengung des Ellennervs in seiner knöchernen Rinne auf Höhe des Ellenbogens. Da der Ellennerv sowohl Gefühls- (sensible) als auch Kraft- (motorische) Fasern beinhaltet, können sowohl Gefühlsempfinden als auch Kraft bzw. Beweglichkeit beeinträchtigt sein.

    Ursachen
    Die Einengung des Ellennervs kann durch wiederkehrenden Druck bedingt sein, wie z. B. durch gewohnheitsmässiges Aufstützen des Ellenbogens. Weitere Gründe können zusätzlich vorhandene Muskelfasern sein, die auf den Nerv drücken. Auch arthrosebedingte Veränderungen des Ellenbogengelenks im Bereich der Rinne oder dort vorliegende Knochenanbauten können zu einem Sulcus-ulnaris-Syndrom führen.

    Symptome und Verlauf
    Die Beschwerden bestehen meist in wiederkehrendem Einschlafen von Ring- und Kleinfinger oder in einer dauerhaften Gefühlsminderung. Zusätzlich kann das Sulcus-ulnaris-Syndrom eine Einschränkung der Beweglichkeit und der Kraft zur Folge haben. Dabei kommt es zuerst zu einem Kraftverlust und erst im weiteren Verlauf zu einem sichtbaren Rückgang der Handbinnenmuskulatur, also der Muskulatur zwischen den Mittelhandknochen. Meist kann in diesem Fall der kleine Finger nicht mehr an den Ringfinger angelegt werden. Der klinische Verdacht auf ein Sulcus-ulnaris-Syndrom lässt sich in der Regel durch eine neurologische Untersuchung mit Messung der Nervenleitgeschwindigkeiten bestätigen oder widerlegen. Gleichzeitig kann dadurch eine genauere Stadieneinteilung vorgenommen werden.

    Wann ist eine Operation angezeigt?
    Bei leichten Einschränkungen reicht es meist aus, den Nerv vom Druck zu entlasten. Hierbei kann eine Manschette im Bereich des Ellenbogengelenks unterstützend wirken. In fortgeschrittenen Stadien ist die operative Entlastung des Nervs ratsam bzw. erforderlich.

    Operationstechnik
    Die Entlastung, auch Dekompression genannt, führen wir meist endoskopisch über einen kleinen Hautschnitt durch. Bei schwerer Druckschädigung, dem Herausrutschen des Nervs aus seiner Rinne oder einer begleitenden Ellenbogengelenksarthrose erfolgt in der Regel eine offene Operation. Meist ist dann auch eine Verlagerung des Nervs in Richtung Ellenbeuge unter die Muskulatur oder die Unterhaut erforderlich.

    Spezielle Nachbehandlung
    Nach alleiniger Entlastung des Nervs ist ein Verband, der die Beweglichkeit des Ellenbogengelenks einschränkt, für ca. zwei Wochen ausreichend. Nach einer Verlagerung des Nervs ist das Tragen einer Schiene für drei Wochen angezeigt. In der dritten Woche nach der Operation kann der Patient aber bereits mit Bewegungsübungen aus der Schiene heraus beginnen.

  • Nervenverletzung

    Was ist eine Nervenverletzung?
    Eine Nervenverletzung an Arm oder Hand entsteht meist durch eine offene Verletzung. Dabei kommt es zu einer teilweisen oder vollständigen Durchtrennung eines Stamm- oder eines Fingernervs. Im Bereich des Unterarms und der Hand gibt es drei Stammnerven (Nervus radialis, Nervus medianus und Nervus ulnaris), die für die Empfindung und die Beweglichkeit der Hand verantwortlich sind. Von diesen Nerven gehen weiter handwärts die Fingernerven ab, wobei je zwei Nerven einen Finger auf der Beugeseite versorgen.

    Meist führen Stich- oder Schnittverletzungen im Hand- oder Fingerbereich zu einer Nervenschädigung. Es kann jedoch auch im Rahmen schwerer Quetschungen und Prellungen oder als Begleitverletzung bei Knochenbrüchen zur Verletzung von Nerven kommen.

    Symptome und Verlauf
    Je nachdem, welcher Nerv und auf welcher Höhe dieser geschädigt ist, kann ein vollständiger Ausfall oder eine Verminderung des Gefühlsempfindens bis hin zur Lähmung der betroffenen Muskeln auftreten. Im weiteren Verlauf kann sich an diesen Muskelgruppen auch ein Muskelschwund mit entsprechendem Funktionsverlust zeigen. Diese oder weniger schwere Beeinträchtigungen können auch vorliegen, wenn die Durchgängigkeit des Nervs und seiner Ummantelung erhalten geblieben sind. Eine solche Funktionsstörung, meist durch eine Quetschung oder Dehnung verursacht, nennt man Neurapraxie. Bleibt eine Nervendurchtrennung unbehandelt, bilden sich im verletzten Bereich häufig schmerzhafte Auftreibungen des Nervs (Neurome), die auf eine überschiessende Nervenregeneration bei nicht wieder verbundenen Nervenendigungen zurückzuführen sind. Die Diagnose einer Nervenläsion stellen wir durch die klinische Untersuchung und anhand der Schilderung des Unfallhergangs. Wird eine Nervenverletzung verspätet entdeckt, ist für eine zuverlässige Diagnose und die Objektivierung des Verletzungsausmasses eine neurologische Untersuchung erforderlich. Diese umfasst elektrophysiologische Tests und Messungen und gegebenenfalls auch eine MRI-Untersuchung.

    Wann ist eine Operation angezeigt?
    Die Behandlung der Wahl bei einer frischen unfallbedingten Nervendurchtrennung ist die Operation mit Nervennaht. Dabei ist wichtig zu wissen, dass der Nerv von der durchtrennten Stelle bis zur entsprechenden Fingerspitze regenerieren und in seiner Leitungsbahn nachwachsen muss. Dies bedeutet, dass auch nach erfolgreicher Nervennaht oft mehrere Monate vergehen, bis das Gefühlsempfinden im Bereich der betroffenen Fingerspitze wieder intakt ist. Wissenschaftlich belegt ist heute aber, dass sich das Risiko für das Auftreten schmerzhafter Neurome durch eine Nervennaht deutlich verringert.

    Bei der Operation verbinden wir die beiden Nervenstümpfe unter optischer Vergrösserung mittels Lupenbrille oder Operationsmikroskop miteinander. Bei langstreckigen Defekten, bei denen eine Nervennaht nicht mehr möglich ist, müssen wir in seltenen Fällen Nervengewebe aus einer anderen Region des Körpers zu entnehmen und zwischen die Nervenstümpfe einbringen.

    Spezielle Nachbehandlung
    Nach der Operation stellen wir die betroffene Region zum Schutz der Nervennaht meist für die ersten zwei Wochen in einer Schiene ruhig. Später erfolgt eine intensive ergotherapeutische Nachbehandlung mit Sensibilitätstraining und Bewegungsübungen. Sollten im weiteren Verlauf Schmerzen auftreten, die eine direkte Folge der Schädigung des Nervengewebes sind, ist nicht nur eine spezielle medikamentöse Therapie angezeigt, sondern auch eine gemeinsame Behandlung durch einen Neurologen, einen Schmerztherapeuten und einen Handchirurgen.

Sehnen

Sehnen sind das Verbindungsstück zwischen den Muskeln und den Knochen. An der Hand gibt es eine Vielzahl von Beugesehnen und Fingerstrecksehnen, die über Querverbindungen miteinander gekoppelt sind.

  • Schnellender Finger

    Was ist ein schnellender Finger?
    Als schnellender Finger, auch Schnappfinger oder englisch «trigger finger» genannt, bezeichnet man eine der häufigsten Funktionsstörungen der Hand. Der medizinische Begriff lautet Tendovaginitis stenosans. Bei dieser Störung ist das Gleiten der Beugesehnen in der Beugesehnenscheide, genauer im Bereich des sogenannten A1-Ringbandes, eingeschränkt. Dies geht mit einem Schnappen des Fingers einher, welches der Erkrankung den Namen gibt.

    Ursache
    Die Erkrankung tritt häufig bei Erwachsenen ab dem fünfzigsten Lebensjahr auf. Bei Säuglingen gibt es auch angeborene Formen, dabei ist jedoch meist nur der Daumen betroffen. Grundlage für das Schnellen ist eine knotige Verdickung der Beugesehne auf Höhe des A1-Ringbandes über dem Fingergrundgelenk. Eine solche Verdickung kann als Folge einer entzündlichen Reaktion oder eines Reizzustandes entstehen. Die Sehnen an den Fingern verlaufen in der Beugesehnenscheide durch das sogenannte Ringbandsystem. Ist das Band zu eng bzw. das Sehnenvolumen durch die Entzündung zu gross, können die Sehnen nicht mehr ungehindert durch das Ringband gleiten. Die Folge ist eine Einschränkung des Sehnengleitens. Wenn die Blockade durch Kraftaufwand überwunden wird, kommt es zum typischen Schnappen oder Schnellen.

    Symptome und Verlauf
    Im Anfangsstadium treten unspezifische Schmerzen im Bereich des Ringbandes und manchmal auch der Fingergelenke auf. Im weiteren Verlauf wird das freie Gleiten der Sehnen behindert, was durch höheren Kraftaufwand ausgeglichen werden kann. Der Grad der Schmerzen hängt vom lokalen Reizzustand während des Schnappens ab. Im fortgeschrittenen Stadium ist der Finger häufig völlig unbeweglich. Man spricht dann von einem blockierten Finger.

    Wann ist eine Operation angezeigt?
    Im Anfangsstadium ist eine spontane Besserung ohne Therapie zwar möglich, doch dazu kommt es nur selten. Die konservative Therapie verwendet eine spezielle Schiene, welche die Beugung im Grundgelenk vorübergehend einschränkt. Zusätzlich werden entzündungshemmende Schmerzmittel verordnet. Bei stärkeren Beschwerden wird lokal Kortison unjiziert. Besteht die Verdickung der Sehnen jedoch schon länger und ist sie bereits fortgeschritten, ist in den meisten Fällen ein operativer Eingriff notwendig.

    Säuglingen erhalten zuerst eine Schiene. Sofern sich die Bewegungseinschränkung dadurch nicht zurückbildet, ist eine Operation nach Abschluss des ersten Lebensjahres ratsam. Um Spätschäden zu vermeiden, sollte sie vor Beginn des dritten Lebensjahres vorgenommen werden.

    Operationstechnik
    Bei Erwachsenen führen wir den Eingriff fast immer in lokaler Betäubung durch. Bei der Operation spalten wir das betroffene Ringband (A1) mitsamt der angrenzenden Beugesehnenscheide vollständig über einen Hautschnitt, um so die parallel verlaufenden Nerven und Blutgefässe zu schonen.

    Spezielle Nachbehandlung
    Nach der Operation ist es wichtig, den Finger sofort zu bewegen, um ein Verkleben der Beugesehnen und somit eine Bewegungseinschränkung zu vermeiden. Bis zur Entfernung der Hautfäden sollte die betroffene Hand und insbesondere die Narbe jedoch nicht belastet werden.

  • Tendovaginitis stenosans de Quervain

    Was ist eine Tendovaginitis de Quervain?
    Die Tendovaginitis de Quervain ist eine Sehnenentzündung im ersten Strecksehnenfach, durch das zwei Sehnen des Daumenstrahls verlaufen. Die Entzündung verursacht Krepitieren (Knirschen) und Schmerzen, vor allem beim sogenannten Finkelstein-Test. Dabei wird die Faust um den Daumen geschlossen und zur Seite des kleinen Fingers hin abgekippt, was auf der Daumenseite des Handgelenks Schmerzen hervorruft. Durch die anhaltende Reizung kann sich in diesem Bereich auch ein Ganglion bilden und eine zusätzliche Schwellung verursachen.

    Ursachen
    Gründe für die Sehnenentzündung sind eine Überbelastung der Daumenstrecksehnen, z. B. durch Fehlhaltungen des Handgelenks oder Bewegungsabläufe, die sich ständig wiederholen. Dieser Reizzustand verursacht ein Anschwellen des Sehnengleitgewebes im schmalen Kanal des ersten Strecksehnenfachs am Handgelenk, was zu einer anhaltenden Entzündungsreaktion mit Schmerzen führt.

    Symptome und Verlauf
    Die Schmerzen auf der Daumenseite des Handgelenks können plötzlich auftreten oder sich langsam entwickeln und bis zum Ellenbogen ausstrahlen. Manchmal ist auch eine Schwellung und/oder Überwärmung der betreffenden Region zu beobachten. Wird die Entzündung nicht behandelt, hält sie meist an. Dadurch kommt es zu einem narbigen Umbau der Sehne mit anhaltender Verdickung.

    Wann ist eine Operation angezeigt?
    Solange die Beschwerden gering sind, kann eine konservative entzündungshemmende Therapie erfolgversprechend sein. Sie umfasst die Ruhigstellung in einer Schiene und die Einnahme entzündungshemmender Medikamente. Bei anhaltenden bzw. stärkeren Beschwerden ist es möglich, eine Kortisoninfiltration im Bereich des ersten Strecksehnenfachs durchzuführen. Bei starken Beschwerden oder wenn die konservative Therapie keinen Erfolg brachte, empfehlen wir eine Operation.

    Operationstechnik
    Das erste Strecksehnenfach – sowie ein oft vorhandenes zusätzliches Fach – eröffnen wir über einen längs- oder quergerichteten Hautschnitt und schonen so den sensiblen Speichennerv. Je nach Befund entfernen wir bei der Operation auch entzündetes Sehnengleitgewebe im Bereich des Sehnenfachs.

    Spezielle Nachbehandlung
    Nach der Operation stellen wir das Handgelenk für 14 Tage in einer Klettmanschette ruhig. Mit Übungen zum Bewegen des Daumens und der Langfinger sollte sofort begonnen werden.

  • Riss der langen Daumenstrecksehne

    Warum kann die lange Daumenstrecksehne nach einem Speichenbruch reissen?
    Ein Riss der langen Daumenstrecksehne (EPL-Ruptur) ist sowohl bei konservativ als auch bei operativ behandelten Speichenbrüchen zu beobachten. Die Gründe für einen Riss sind vielfältig. Bei operativ versorgten Brüchen kann die Reibung der Sehne an Drähten, Schrauben oder Platten die Ursache sein. Nach dem Bruch entstehen manchmal aber auch Verwerfungen an der Knochenoberfläche, an denen es durch Reibung an der Sehne zu einem Riss kommen kann. Zudem führen Hämatome (Blutansammlungen) im Bereich des 3. Strecksehnenfachs in einzelnen Fällen zu einer Druckerhöhung und damit zur Minderdurchblutung der Sehne, die dadurch so geschwächt wird, dass sie reissen kann.

    Symptome und Verlauf
    Meistens kommt es dann zu einem Riss der langen Daumenstrecksehne, wenn die im Rahmen der Behandlung Übungen ausführt oder wieder im Alltag eingesetzt wird, also nach etwa sechs Wochen. In Einzelfällen kann es auch nach Jahren zu einem Riss der Daumenstrecksehne kommen, ohne dass dem eine erneute Verletzung vorausgeht.

    Wann ist eine Operation angezeigt?
    Bei gerissener langer Daumenstrecksehne empfehlen wir aufgrund der eingeschränkten Streckung des Daumens eine operative Wiederherstellung der Sehnenfunktion.

    Operationstechnik
    Die Methode der Wahl zur Rekonstruktion der Funktion der langen Daumenstrecksehne ist ein Sehnentransfer – der sogenannte Extensor-indicis-proprius-Transfer. Da der Zeigefinger in der Regel über zwei Strecksehnen verfügt, kann eine zum Transfer verwendet werden. Hierbei trennen wir die Extensor-indicis-proprius-Sehne des Zeigefingers am Handrücken ab und verbinden sie mit dem körperfernen Stumpf der gerissenen Daumenstrecksehne.

    Spezielle Nachbehandlung
    Nach der Operation ist eine Ruhigstellung in einer Unterarm-Daumen-Gipsschiene für 3 Wochen erforderlich. Anschliessend folgen ergotherapeutisch geführte Übungen aus der Schiene heraus für weitere 3 Wochen. In der 7. Woche nach der Operation beginnt der Belastungsaufbau ohne Schiene. Die Vollbelastung ist in der Regel in der 12. Woche nach dem Eingriff erreicht.

Gelenke

Das Gelenk ist eine bewegliche Verbindung zwischen Knochen. Das Handgelenk besteht aus verschiedenen Teilgelenken. Zusammen mit den Fingergelenken stellt es das komplexe Gelenkgebilde der Hand dar.

  • Skidaumen

    Was ist ein Skidaumen?
    «Skidaumen» ist die umgangssprachliche Bezeichnung für eine Verletzung des ellenseitigen Seitenbandes am Grundgelenk des Daumens. Der medizinische Fachausdruck für diese Diagnose bzw. Verletzung lautet ulnare Seitenbandruptur oder ulnare Kollateralbandruptur am Daumengrundgelenk.

    Ursachen
    Diese Verletzung entsteht durch einen Sturz auf die Hand bei abgespreiztem Daumen mit Abknicken des Daumengrundglieds zur Speichenseite.

    Bei einer leichteren Verletzung wird das ulnare Seitenband lediglich überdehnt. Bei einer stärkeren Verletzung reisst das Band, wodurch das Gelenk aufklappbar wird; in diesem Fall spricht man auch von einer Instabilität. Ein weiterer Verletzungstyp ist die Seitenbandverletzung mit knöchernem Ausriss an der Ansatzstelle des Seitenbandes.

    Der Skidaumen ist entgegen seinem Namen übrigens keineswegs eine Verletzung, zu der es ausschliesslich beim Skifahren kommen kann.

    Symptome und Verlauf
    Typisch für eine Ruptur des ulnaren Kollateralbandes ist, dass Druck auf die Ellenseite des Daumengrundgelenks Schmerzen auslöst. Die klinische Prüfung der Stabilität erfolgt je nach Ausmass der Schmerzen sofort oder erst nach einigen Tagen. Zuvor sollte aber erst eine Röntgenaufnahme gemacht werden, um einen knöchernen Seitenbandausriss ausschliessen zu können.

    Wann ist eine Operation angezeigt?
    Bei einer Seitenbandverletzung mit Überdehnung, aber ohne Instabilität am Grundgelenk des Daumens ist die konservative Behandlung mit einer Schiene möglich. Auch unverschobene knöcherne Ausrisse des Seitenbandes können mit einer Schiene behandelt werden. Lässt sich das Grundgelenk des Daumens aber deutlich aufklappen oder liegt ein verschobener knöcherner Ausriss des Seitenbands vor, sollte die Verletzung nach dem Abschwellen operativ versorgt werden.

    Operationstechnik
    Die Versorgung dieser Verletzung erfolgt über einen Hautschnitt auf der Ellenseite über dem Daumengrundgelenk. Abhängig vom Befund nähen wir das Seitenband oder fixieren es mit einem speziellen Knochenanker an der Stelle seines Ansatzes am Knochen. Grössere knöcherne Ausrissfragmente heften wir mit Schrauben oder Drähten an.

    Spezielle Nachbehandlung
    Die Dauer der Ruhigstellung in einer Daumenschiene hängt vom Verletzungsmuster und von der Therapie ab. Für zwei Wochen ist die konsequente Ruhigstellung in einer angepassten Schiene obligat, je nach Ausmass der Verletzung kann sie aber bis zu insgesamt vier Wochen dauern. In der dritten Woche nach der Operation beginnen unter Anleitung von Ergotherapeuten die Übungen mit dem Daumen. Die Vollbelastung des Daumens ist in der Regel sollte etwa zwölf Wochen nach dem Eingriff wieder möglich.

Arthrose und Unfallfolgen

Die Arthrose ist eine häufige Gelenkerkrankung. Sie entsteht durch den langsamen Abbau von Gelenkknorpel oder als Folge von Unfällen. Häufig davon betroffen sind auch die Finger und das Handgelenk.

  • Rhizarthrose

    Was ist eine Daumensattelgelenkarthrose?
    Das Daumensattelgelenk bildet die Basis des Daumens und gibt uns durch seine Position und seinen Bewegungsumfang die Fähigkeit, etwas präzise und auch kräftig zu greifen. Bei der Daumensattelgelenkarthrose resp. Rhizarthrose kommt es wie bei jeder Arthrose zu Knorpelabrieb und in der Folge zu Gelenkverschleiss.

    Ursache
    Die Arthrose im Daumensattelgelenk ist eine der häufigsten Verschleisserkrankungen der Hand. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Die Ursache ist bis heute unklar (idiopathisch). Eine Rolle spielen können hormonelle Einflüsse, beispielsweise im Zusammenhang mit der Menopause, oder eine familiäre Veranlagung. Bei Männern tritt die Rhizarthrose häufig nach Verletzungen wie einem Knochenbruch oder einem Bänderriss auf.

    Symptome und Verlauf
    Meist macht sich die Erkrankung durch belastungsabhängige Schmerzen bemerkbar, die im Ruhezustand abklingen. Im weiteren Verlauf treten dann typischerweise Schmerzen, Schwellungen und Kraftverlust beim Greifen und bei Drehbewegungen (Öffnen eines Türschlosses oder einer Flasche) auf.  Diese Schmerzen können so stark sein, dass sie auch in Ruhe nicht mehr vollständig zurückgehen und auch in der Nacht anhalten. Durch die Lockerung der Gelenkbänder kann es zu einer Fehlstellung des Daumens kommen. Eine weitere Auswirkung des Verschleisses im Daumensattelgelenk ist die voranschreitende Zerstörung des Gelenks. Im Endstadium kommt es häufig zu einer meist schmerzarmen Einsteifung.

    Wann ist eine Operation angezeigt?
    Bei leichten bzw. beginnenden Beschwerden ist eine befundangepasste Therapie mit Schienenbehandlung möglich, welche die Symptome bei Belastung lindert. Zusätzlich helfen schmerz- und entzündungshemmende Medikamente. Darüber hinaus können in der Ergotherapie gelenkschützende oder -stabilisierende Bewegungen erlernt werden. Sollten die Beschwerden weiterhin anhalten, hilft vorübergehend eine lokale Kortisoninfiltration in das Daumensattelgelenk. Wenn die Beschwerden das Alltagsleben trotz dieser konservativen Massnahmen stark einschränken, sollte eine Operation ins Auge gefasst werden.

    Operationstechnik
    In den meisten Fällen führen wir eine sogenannte Trapezektomie durch. Dabei entfernen wir das grosse Vieleckbein und hängen den Daumenstrahl mit Hilfe einer Sehne auf. Diese Aufhängung erfolgt mit der langen Daumenabspreizsehne (APL-Sehne) oder mit der Hälfte der speichenseitigen Handgelenkbeugesehne (FCR-Sehne). Wenn die Kraft erhalten bleiben soll, stellt die Versteifung des Daumensattelgelenks mit einer Platte (Arthrodese) eine Option dar. Die Beweglichkeit des Gelenks wird dadurch allerdings aufgehoben, und ein flaches Ablegen der Hand ist nicht mehr möglich.

    Spezielle Nachbehandlung
    Nach der Operation stellen wir den Daumen in einer Unterarmschiene mit Daumeneinschluss ruhig. Eine Ergotherapeutin oder ein Ergotherapeut ersetzt diese nach 2–5 Tagen durch eine Rhizarthroseschiene. Diese Schiene muss für 3–4 Wochen getragen werden. Bewegungsübungen aus der Schiene heraus sind während dieser Zeit jedoch gestattet. Insgesamt dauert es 4–6 Monate, bis eine gute Beweglichkeit und ausreichende Kraft wiedererlangt sind.

  • Kahnbeinpseudarthrose

    Was ist eine Scaphoidpseudarthrose?
    Bei ausbleibender Heilung eines Kahnbeinbruchs (Scaphoidfraktur) spricht man von einer Falschgelenkbildung des Kahnbeins oder einer Scaphoidpseudarthrose. Diese geht meist mit einem narbigen Gewebeumbau und daraus folgend einer Formveränderung einher.

    Ursachen
    Die spezielle Durchblutungssituation des Kahnbeins macht den Knochen anfällig dafür, dass die Heilung ausbleibt. Dazu kann es kommen, wenn der Kahnbeinbruch nicht diagnostiziert wurde, in seltenen Fällen – abhängig vom Bruchverlauf – aber auch nach einer korrekten Behandlung.

    Symptome und Verlauf
    Typisch sind Zystenbildung im Bereich des vormaligen Bruchs und ein Verkippen der Knochenanteile zueinander. Die Form des Kahnbeins erinnert dann an einen Buckel; man spricht von der sogenannten Humpback-Deformität. Diese führt zu einer relativen Verkürzung des Kahnbeins. Durch den Längenverlust kommt es zu einer Gefügestörung im Bereich der Handwurzelknochen. Mittel- bis langfristig entwickelt sich daraus eine Arthrose des Handgelenks. Daher ist eine operative Rekonstruktion des Kahnbeins zu empfehlen; sie kann das Risiko für das Auftreten einer Handgelenksarthrose deutlich senken. Häufig kommt es bei einer bereits bestehenden Pseudarthrose erst nach einem erneuten Unfall zu Beschwerden. Man spricht dann von einer traumatisierten Pseudarthrose.

    Wann ist eine Operation angezeigt?
    Sobald die Diagnose einer Scaphoidpseudarthrose gestellt ist und eine Computertomographie zur Operationsplanung und auch zum Ausschluss von arthrotischen Veränderungen im Anfangsstadium angefertigt wurde, sollte die Rekonstruktion des Kahnbeins ins Auge gefasst werden.

    Operationstechnik
    Die Rekonstruktion nehmen wir meist über einen beugeseitigen Hautschnitt und die Entfernung des Falschgelenks vor. Den dadurch entstehenden Defekt füllen wir mit einem Knochenspan vom Becken auf und stabilisieren das Kahnbein mit einer speziellen Schraube oder mit Drähten. In seltenen Fällen erfolgt der Wiederaufbau mit einem Knochenspan von der Speiche mit eigener Blutgefässversorgung.

    Spezielle Nachbehandlung
    Nach der Rekonstruktion ist eine Ruhigstellung in einem speziellen Unterarmgips (Scaphoidgips) für ca. acht Wochen erforderlich. Eine Belastung der Hand ist jedoch erst nach frühestens zwölf Wochen möglich bzw. gestattet. Die Heilung verfolgen und dokumentieren wir mit Röntgenaufnahmen und Computertomographien. Das Risiko einer erneuten Pseudarthrosebildung nach der Operation liegt bei gegen 30 %.

  • Fingergelenksarthrose

    Was ist eine Fingergelenksarthrose?
    Eine Fingergelenksarthrose ist eine Abnutzung des Gelenkknorpels und im weiteren Verlauf auch des Knochens. Meistens betrifft sie das Fingerend- (DIP) und das Fingerzwischengelenk (PIP) und führt mit der Zeit zur Zerstörung der Gelenkflächen.

    Die Ursache der Fingergelenksarthrose ist bislang noch unbekannt. Frauen sind in der Regel häufiger betroffen als Männer. Es ist eine genetische Komponente im Sinne einer Vererbbarkeit der Erkrankung bekannt. Eine weitere Ursache für eine Fingergelenksarthrose kann eine vorausgegangene Verletzung mit Beteiligung der Gelenkfläche sein, wenn diese nicht anatomisch wiederhergestellt werden konnte. In diesem Fall kommt es später zu einer Fehlbelastung, in der Folge zu vermehrtem Gelenkabrieb und zur Entstehung einer Arthrose. Dann spricht man auch von einer posttraumatischen Arthrose.

    Die Leitsymptome sind ein Anschwellen des betroffenen Gelenks, belastungsabhängige Schmerzen und eine Bewegungseinschränkung, die mit der Schwere der Ausprägung zunimmt. Häufig klagen die Patienten auch über morgendliche Steife mit «Anlaufschmerz».

    Die Diagnose erfolgt anhand der Beschreibung der Beschwerden sowie klinisch, weil die schmerzhaften Schwellungen, teilweise mit kolbenartiger Ausformung im Gelenkbereich, sicht- und tastbar sind. Im Röntgenbild zeigen sich eine typische Verschmälerung der Gelenkspalten und Gelenkveränderungen wie knöcherne Randanbauten.

    Wann ist eine Operation angezeigt?
    Die Behandlung besteht zu Beginn aus einer konservativen Therapie mit abschwellenden Schmerzmedikamenten, Ergotherapie und gegebenenfalls einer Schienenbehandlung. Im fortgeschrittenen Stadium ist eine Operation die Therapie der Wahl, wobei die Schmerzsymptomatik und die dadurch bedingte Einschränkung in Alltagssituationen im Vordergrund stehen.

    Bei der operativen Versorgung ist zwischen einem Gelenkersatz (Silikonprothese, Oberflächenersatz) und einer Gelenkversteifung (Arthrodese) in Funktionsstellung zu unterscheiden. Bei einer Fingerendgelenksarthrose kommt eher eine Gelenkversteifung, bei einer Arthrose von Fingergrund- und -mittelgelenken eher ein Gelenkersatz in Frage. Beide Operationen haben eine Schmerzreduktion zum Ziel.

    Spezielle Nachbehandlung
    Bei einem Gelenkersatz bedarf es unmittelbar nach der Operation einer intensiven Ergotherapie, um die Beweglichkeit zu erhalten und nach Möglichkeit zu verbessern. Bei einer Versteifungsoperation wird das Gelenk nach der Operation in einer Schiene ruhiggestellt, bis die knöcherne Heilung des versteiften Gelenks klinisch und radiologisch bestätigt ist.

  • Ulna-Impaktions-Syndrom

    Was ist das Ulna-Impaktions-Syndrom?
    Chronischen Schmerzen auf der Ellenseite des Handgelenks liegt oft ein Ulna-Impaktions-Syndrom zugrunde. Dabei handelt es sich um eine chronische Druckbelastung der Knorpelscheibe auf der Ellenseite des Handgelenks (Syn. TFCC, Discus triangularis) zwischen dem Ellenkopf des Unterarms auf der einen und den Handwurzelknochen auf der anderen Seite.

    Ursachen
    Ein Ulna-Impaktions-Syndrom tritt häufig auf, wenn es nach einer Speichenfraktur zu einer Fehlverheilung kommt, die eine relative Überlänge der Elle bewirkt. Angeborene Ursachen für das Syndrom sind eine Madelung’sche Deformität oder – in den meisten Fällen – eine angeborene Überlänge der Elle, die sog. Ulna-Plus-Variante.

    Symptome und Verlauf
    Typischerweise klagen die Patienten über Schmerzen auf der Ellenseite des Handgelenks, die sich unter Belastung, bei Faustschluss sowie bei Drehbewegungen des Unterarms verstärken.

    Wann ist eine Operation angezeigt?
    Liegt eine Ulna-Plus-Variante mit Beschwerden vor und bestehen diese nach konservativer bzw. arthroskopischer Operation weiterhin, so ist die Ulna-Verkürzungs-Osteotomie der nächste Behandlungsschritt. Dabei verkürzen wir mit Hilfe eines Spezialinstrumentariums die Elle (Ulna), um im Handgelenk den Druck auf der Ellenseite zu verringern. Der Grad der Verkürzung richtet sich nach dem Röntgenbild und der Anatomie des Handgelenks des Patienten.

    Operationstechnik
    Die Verkürzung der Ulna nehmen wir bei angelegter Titanlochplatte vor, damit beim Schluss des Knochenspalts keine Drehfehlstellung entsteht. Unter Röntgenkontrolle können wir die Elle nun verkürzen, indem wir eine Knochenscheibe entnehmen. Die stabilisierende Titanplatte verbleibt an der Elle und wird in der Regel frühestens ein Jahr nach dem Eingriff entfernt.

    Spezielle Nachbehandlung
    Das Nahtmaterial entfernen wir 12–14 Tage nach der Operation. Für vier Wochen ist die Ruhigstellung in einer Handgelenksmanschette oder einer Unterarmgipsschiene erforderlich. Der Kraftaufbau beginnt je nach Ergebnis der Röntgenverlaufskontrolle frühestens sechs Wochen nach dem Eingriff. Die Drehbewegung des Unterarms kann bis zu einem halben Jahr eingeschränkt bleiben.

  • Handgelenksarthrose

    Was ist eine Handgelenksarthrose bei einer Scaphoidpseudarthrose?
    Bei ausbleibender Heilung eines Kahnbeinbruchs spricht man von einer Falschgelenkbildung oder Scaphoidpseudarthrose. Wenn diese unbehandelt bleibt, kommt es im Langzeitverlauf zu einer Arthrose bzw. einem Verschleiss des Handgelenks.

    Ursachen
    Im Rahmen einer Falschgelenkbildung verliert das Kahnbein an Länge, was sich in einer Störung des Gefüges der Handwurzelknochen auswirkt. Weil sich dadurch die auf die Gelenkflächen wirkenden Kräfte anders verteilen, entsteht eine Arthrose, die im Englischen als «SNAC wrist» (scaphoid nonunion advanced collapse wrist) bezeichnet wird.

    Symptome und Verlauf
    Beschwerden im Handgelenk treten oft erst auf, wenn bereits durch Verschleiss verursachte Veränderungen des gesamten Handgelenks vorliegen. Ist das Gelenk schon vorgeschädigt, kann auch ein Unfall Beschwerden hervortufen. Wenn bereits eine Arthrose des Handgelenks vorliegt, ist eine Rekonstruktion des Kahnbeins nicht mehr erfolgversprechend.

    Wann ist eine Operation angezeigt?
    Wenn die Diagnose eines «SNAC wrist» gestellt ist, muss zuerst das Stadium der Verschleissveränderungen bestimmt werden. Dies erfolgt in der Regel durch eine Computertomographie. Die Entscheidung, welche Operation am meisten Erfolg verspricht und zu welchem Zeitpunkt sie am besten durchgeführt wird, richtet sich nach der Art und Stärke der Beschwerden.

    Operationstechnik
    Für die Behandlung der Arthrose bestehen je nach Schweregrad und Beschwerden verschiedene operative Möglichkeiten. Bei geringen Beschwerden durchtrennen wir zur Erhaltung der Beweglichkeit die schmerzleitenden Nervenfasern, die für das Handgelenk zuständig sind (Handgelenksdenervierung nach Wilhelm). Bei stärkeren Beschwerden sind bewegungserhaltende Eingriffe wie die Entfernung der betroffenen Handwurzelreihe («proximal row carpectomy») oder Teilversteifungen («four corner fusion») angezeigt. Bei schweren arthrotischen Veränderungen ist meist eine Operation notwendig, nach der die Beweglichkeit nicht mehr gegeben oder zumindest stark eingeschränkt ist, wie etwa eine Versteifung des Handgelenks.

    Spezielle Nachbehandlung
    Die Nachbehandlung hängt vom gewählten Verfahren ab und dauert einen Monat bis ein halbes Jahr. Neben Ergotherapie ist dabei oft ein vorübergehendes Ruhigstellen des Handgelenks notwendig.

Morbus Dupuytren

Der Morbus Dupuytren ist eine gutartige Erkrankung des Bindegewebes in der Handinnenfläche. Sie schränkt die Funktion der Hand im Lauf der Zeit stark ein. Betroffen ist meistens der Ring- oder Kleinfinger.

  • Dupuytren-Kontraktur

    Was ist eine Dupuytren-Kontraktur?
    Der Morbus Dupuytren ist eine gutartige Erkrankung des Bindegewebes der Handinnenfläche (Palmaraponeurose). Charakteristisch für diese Erkrankung ist das Auftreten von Knoten und Strängen an der Innenfläche der Hand, die bei fortschreitender Erkrankung zu einer Streckeinschränkung der betroffenen Finger führen. Meist sind der vierte und der fünfte Fingerstrahl davon betroffen. Typisch ist ein langsamer Krankheitsverlauf, der sich über mehrere Jahre entwickelt und die Bewegungsfähigkeit zunehmend einschränkt. Durch den Umbau der Bindegewebsfasern unter Verkürzung kommt es mit der Zeit zur Einschränkung der Streckfähigkeit der Fingergrund- und -mittelgelenke. Darüber hinaus können sich grübchenartige Einziehungen in der Handfläche oder flächige Verhärtungen über den streckseitigen Mittelgelenken («knuckle pads») bilden.

    Ursachen
    Seit dem Jahr 1832, in dem Baron G. Dupuytren (1777–1835) die nach ihm benannte Erkrankung in Paris vorstellte, sind über 180 Jahre vergangen. Der Auslöser der gutartigen Erkrankung ist immer noch nicht bis ins Letzte geklärt. Ursächlich liegen ihr Veränderungen der sogenannten Myofibroblasten zugrunde. Der Morbus Dupuytren tritt meist im mittleren Lebensalter auf, bei Männern typischerweise früher als bei Frauen. Man schätzt, dass in der weissen nordeuropäischen Bevölkerung zirka 20 % der 30- bis 40-Jährigen und etwa 40 % der 80-Jährigen betroffen sind. Eine familiäre Häufung wird oft beobachtet.

    Symptome und Verlauf
    Die Krankheit beginnt meist über dem beugeseitigen Grundgelenk des Ringfingers oder des kleinen Fingers durch Knotenbildung. Bevor eine Strangbildung und eine Bewegungseinschränkung (sogenannte Kontraktur) auftreten, können Monate bis Jahre vergehen. Diese Kontraktur kann sich auf die Hohlhand beschränken oder bis zum Fingermittelglied reichen. Meist sind beide Hände betroffen. Spontan bessert sich der Zustand fast nie. Es ist jedoch eine Verlangsamung im Krankheitsverlauf möglich. Die einzige erfolgversprechende Therapie besteht darin, die Kontrakturen chirurgisch oder medikamentös zu lösen.

    Wann ist eine Operation angezeigt?
    Weder die medikamentöse Lokalbehandlung noch die Operation heilen die Krankheit. Deshalb sollte sie, solange der Patient die Hand noch flach auf eine Unterlage legen kann, nicht behandelt werden. Ausserdem ist es wichtig, die funktionelle Beeinträchtigung im Alltag und die Grunderkrankungen eines Patienten mitzuberücksichtigen. Durch die medikamentöse oder operative Therapie lässt sich im fortgeschrittenen Stadium eine Funktionsverbesserung erreichen. Eine Wiederkehr der Erkrankung ist jedoch möglich. Wenn hochgradige Veränderungen erst spät behandelt werden, ist meist keine vollständige Wiederherstellung der Streckfähigkeit mehr möglich. Im Weiteren ist das Risiko von Komplikationen wie Wundheilungsstörungen und Verletzungen von Blutgefässen und Nerven erhöht. Verschiebelappenplastiken und/oder Hauttransplantationen sind dann erforderlich.

    Operationstechnik
    Je nach Schweregrad der Kontrakturen und Wunsch des Patienten wählen wir entweder eine minimalinvasive Nadel-Kordotomie (Kortisoninfiltration mit mechanischer Strangdurchtrennung) oder eine medikamentöse Behandlung des Strangs durch eine sogenannte Kollagenase (Xiapex®). Beide Verfahren führen wir in lokaler Betäubung durch. Das offene chirurgische Verfahren stellt eine weitere Möglichkeit dar, die betroffenen Stränge unter Regional- oder Allgemeinanästhesie so vollständig wie möglich zu entfernen. Allen drei Verfahren sind spezifische Komplikationen eigen. Diese erläutern wir im jeweiligen Aufklärungsgespräch.

    Spezielle Nachbehandlung
    Um funktionell ein möglichst gutes Resultat zu erzielen, sind eine ergotherapeutische Instruktion und eine Schienenbehandlung notwendig. Um Narbenschrumpfungen zu verhindern, passen wir den Patienten nach der Operation eine Schiene in Streckstellung an, die sie drei bis sechs Monate lang nachts tragen sollten.

Ganglien

Das Ganglion ist eine Art Überbein im Bereich einer Gelenkkapsel oder einer Sehnenscheide – zum Beispiel am Finger oder am Handgelenk. Auch wenn es gutartig ist, kann es starke Schmerzen verursachen.

  • Handgelenksganglion

    Was ist ein Handgelenksganglion?
    Ein Ganglion ist eine gutartige, mit Flüssigkeit gefüllte Zyste (= Ausstülpung einer Gelenkkapsel). Tritt es im beuge- oder streckseitigen Bereich des Handgelenks auf, spricht man von einem Handgelenksganglion, im Volksmund «Überbein» genannt. Dabei bildet sich eine sicht- und tastbare prall-elastische bis harte Schwellung. Solche Schwellungen können zu Einschränkungen im Alltag führen und schmerzhaft sein. Sind Ganglien bei der Untersuchung weder sicht- noch tastbar, bezeichnet man sie als versteckte oder «okkulte» Ganglien.

    Ganglien entstehen häufig durch Überbelastung oder wenn es bereits zu verschleissbedingten Veränderungen gekommen ist. Oftmals treten sie bei Patienten mit einem hyperlaxen Bandapparat auf.

    Symptome und Verlauf
    Die Leitsymptome sind eine sichtbare Schwellung und Schmerzen, wenn das Handgelenk belastet oder stark abgewinkelt wird. Die Grösse eines Ganglions kann sich oft stark verändern, und unter konservativer Therapie kommt es nicht selten zu einer Besserung. Eine vollständige Rückbildung ist im Bereich der Hand und des Handgelenks jedoch eher selten.

    Wann ist eine Operation angezeigt?
    Die Schilderung der Beschwerden, die typische Lokalisation am Handgelenk sowie die gut tastbare Schwellung liefern Hinweise für die Diagnose. Bestätigen kann sie eine Ultraschalluntersuchung. Ergibt diese keinen klaren Befund oder handelt es sich um ein okkultes Ganglion, nehmen wir eine MRI-Untersuchung vor. Im seltenen Fall eines vom Knochen ausgehenden Ganglions ist zusätzlich eine Röntgenuntersuchung notwendig. Die Art der Behandlung hängt vom Grad der Beschwerden ab. Bei beschwerdefreien Patienten ist es sinnvoll, erst den weiteren Verlauf abzuwarten. Beim Auftreten von Schmerzen stellen wir das Handgelenk mittels einer Manschette ruhig. Zudem setzen wir entzündungshemmende Schmerzmittel ein (medikamentöse Therapie). Bei Wiederauftreten (Rezidiv) oder Fortbestehen der Beschwerden stellt die operative Entfernung des Ganglions die Therapie der Wahl dar.

    Bei der Operation nehmen wir einen kleinen Hautschnitt über dem tastbaren Ganglion vor und präparieren den Zystensack unter optischer Vergrösserung mittels Lupenbrille schrittweise bis zum Ursprung des Ganglions heraus, Anschliessend tragen wir ihn inklusive Ganglionstiel unter Schonung der umliegenden Strukturen abgetragen. Das Risiko, dass sich nach der Operation erneut ein Ganglion bildet, liegt bei ca. 10–15 %.

    Spezielle Nachbehandlung
    Nach der Operation stellen wir das Handgelenk für drei Wochen mittels einer Manschette ruhig, damit sich im Bereich der Handgelenkkapsel eine stabile Narbe bilden kann. Danach wird das Handgelenk manchmal mit ergotherapeutischer Unterstützung mobilisiert, um die Beweglichkeit zu verbessern, die nach der Operation oft eingeschränkt ist. Wieder voll belastbar ist das Handgelenk in der Regel nach ungefähr sechs Wochen, wobei dies von der Beanspruchung abhängt.

  • Ringbandganglion

    Was ist ein Ringbandganglion?
    Das Ringbandganglion ist – wie alle Ganglien – mit Synovialflüssigkeit gefüllt. Es entsteht durch eine Ausstülpung der Beugesehnenscheide.

    Ursachen
    Ringbandganglien entstehen meist infolge einer anlagebedingten lokalen Schwachstelle der Sehnenscheide, seltener infolge chronischer Reizzustände mit vermehrter Produktion von Synovialflüssigkeit.

    Symptome und Verlauf
    Typischerweise tritt eine rundliche, prall-elastische Schwellung am beugeseitigen Grundglied eines Fingers im Bereich des Übergangs zur Mittelhand auf. Daneben kann es zu Beschwerden wie lokalen Druckschmerzen bei festem Zugreifen kommen. Gelegentlich zeigen sich Gefühlsstörungen durch Druck auf benachbarte Nerven und in seltenen Fällen Funktionseinschränkungen des Fingers beim Beugen und Strecken.

    Wann ist eine Operation angezeigt?
    Je nach Stärke der Beschwerden kann zunächst abgewartet werden; in seltenen Fällen bilden sich Ganglien von selbst zurück. Bei anhaltenden oder wiederkehrenden Beschwerden ist die operative Entfernung in Erwägug zu ziehen.

    Operationstechnik
    Wir präparieren das Ganglion über einen queren oder winkelförmigen Hautschnitt frei und entfernen es unter Schonung des benachbarten Blutgefässes und des Nervs an seinem Ursprung aus der Beugesehnenscheide.

    Spezielle Nachbehandlung
    Eine Ruhigstellung ist nicht erforderlich, der Finger sollte sofort bewegt werden, um Verklebungen vorzubeugen. Das Risiko, dass nach der Operation erneut ein Ganglion auftritt, liegt bei 10–20 %.

  • Mukoidzyste

    Was ist eine Mukoidzyste?
    Bei einer Mukoidzyste handelt es sich um eine Ausstülpung der Gelenkkapsel am Fingerendgelenk, die im Sinne eines Ganglions mit eingedickter Gelenkflüssigkeit gefüllt ist.

    Ursachen
    Ursache ist eine milde bis fortgeschrittene Arthrose des Fingerendgelenks (Synonym: Heberden-Arthrose).

    Symptome und Verlauf
    Im Verlauf zeigt sich meist eine Grössenzunahme der Zyste mit Ausdünnung der darüberliegenden Haut. Durch eine Verletzung der Haut kann eine direkte Verbindung zwischen Haut und Gelenk entstehen, was die Gefahr einer eitrigen Gelenkentzündung birgt. Daher ist das eigenständige Eröffnen der Zyste zu unterlassen. Nimmt die Mukoidzyste an Grösse zu, erhöht sich der Druck auf das benachbarte Nagelbett, was zu Nagelwachstumsstörungen führen kann.

    Wann ist eine Operation angezeigt?
    Spätestens wenn die Haut über der Zyste ausgedünnt ist, Nagelwachstumsstörungen auftreten oder die Zyste sich spontan entleert, also Flüssigkeit austritt, sollte die Mukoidzyste operativ behandelt werden.

    Operationstechnik
    Meistens schneiden wir die Mukoidzyste mit der darüberliegenden ausgedünnten Haut und dem bis zur Gelenkkapsel führenden Stiel heraus. Die chirurgische Sanierung verhindert allerdings nicht, dass sich erneut eine Mukoidzyste bilden kann (Rezidivgefahr).

    Meist lässt sich der Hautdefekt, der durch die Entfernung der Zyste entsteht, nicht direkt verschliessen, so dass wir im gleichen Eingriff eine kleine Verschiebelappenplastik an der Fingerstreckseite zum Wundverschluss durchführen.

    Spezielle Nachbehandlung
    Eine Ruhigstellung in einer Fingerschiene ist für ein bis zwei Wochen erforderlich. Das Hautnahtmaterial wird am 12. –14. Tag nach der Operation entfernt.