Beckenbodenzentrum für die Frau

Neues Beckenbodenzentrum für die Frau

Das Kantonsspital Winterthur schafft ein Beckenbodenzentrum für die Frau: Es soll die Anlaufstelle für Frauen jeden Alters mit Beckenbodenbeschwerden aller Art sein. Die Beschwerden werden von verschiedenen Fachbereichen der Medizin und der Therapie beleuchtet, um Patientinnen die beste Behandlung zu ermöglichen.

Die Bevölkerungsstruktur verändert sich: In Zukunft wird es mehr ältere Menschen mit verschiedenen Krankheiten gleichzeitig geben, während sich die Lebenserwartung von Frauen im Vergleich zu jener von Männern nochmals um etwa zwei Jahre erhöht. Das Angebot am Kantonsspital Winterthur wird entsprechend angepasst: «Im Beckenbodenzentrum möchten wir Frauen die Möglichkeit geben, sich bei Beckenbodenbeschwerden gesamtheitlich, aus dem Blickwinkel verschiedener Fachbereiche, behandeln zu lassen. Ausserdem wollen wir die Bevölkerung für Themen wie Inkontinenz sensibilisieren – mit der älter und multimorbider werdenden Gesellschaft sind wir in der Medizin mit neuen chronischen Krankheiten konfrontiert, die es zu behandeln gilt», sagt Chefärztin PD Dr. med Verena Geissbühler, Leiterin des Beckenbodenzentrums für die Frau.

Die Urotherapeutin ist Expertin für Blasen-, Darm- und Beckenbodenprobleme. Sie klärt Fragen, unterstützt, begleitet und motiviert die Patientinnen.

Etwa 25–40% aller Frauen sind im Laufe ihres Lebens von Inkontinenz betroffen.

Die 39-jährige Anna S. leidet bereits seit ihrer Kindheit an unkontrolliertem Urinverlust. Während sie das lange Zeit nicht sonderlich beeinträchtigte, hat sich das Problem nach der Geburt ihrer zweiten Tochter massiv verschärft. Der Urinverlust trete vor allem bei körperlicher Aktivität auf, aber auch beim Husten oder Lachen sei er extrem störend. Zudem komme es seit einigen Monaten auch zu unkontrolliertem Stuhlverlust.

Unkontrollierter Verlust von Urin oder Stuhl – kurz Inkontinenz – ist ein weitverbreitetes Problem und neben Senkungsbeschwerden eine der häufigsten Alterskrankheiten. Aber auch jüngere Frauen können von Beschwerden betroffen sein, beispielsweise nach einer hormonellen Umstellung durch Schwangerschaft, Geburt oder nach der Menopause. Es wird  geschätzt, dass mindestens 25–40% aller Frauen irgendwann in ihrem Leben von Inkontinenz betroffen sind. Ab einem Alter von 80 Jahren sind es sogar 80–90%. Solche Beschwerden sind in jedem Lebensabschnitt belastend, beeinträchtigen die Lebensqualität und führen nicht selten zu sozialem Rückzug.

«Ich entschied mich zunächst für ein Beckenbodentraining, das sehr intensiv war und tatsächlich eine Verringerung meiner Beschwerden brachte.» Anna S.

Während sportlicher Aktivitäten benutzt Anna S. zur Sicherheit und für ihr Wohlgefühl spezielle Tampons, die den Urinverlust verhindern. Wegen ihrer Beschwerden suchte sie ihren Hausarzt auf, der sie ans Beckenbodenzentrum am KSW überwies. «Hier wurde ich von Ärztinnen und Ärzten verschiedener Disziplinen untersucht. Ich entschied mich zunächst für ein Beckenbodentraining, das sehr intensiv war und tatsächlich eine Verringerung meiner Beschwerden brachte», sagt Anna S..

hochstehende spezialisierte Medizin für die Patientin

Der Beckenboden ist eine anatomisch komplexe Struktur: Harnröhre, Harnblase, Vagina, Gebärmutter und der Darm sind wichtige Elemente. Demzufolge können unterschiedliche Beckenbodenbeschwerden auftreten, oft auch in Kombination. Deshalb ist es wichtig, dass Probleme nicht nur aus Sicht eines einzigen Fachbereichs beleuchtet werden, sondern alle Möglichkeiten einbezogen werden, beispielsweise spezialisierte Physiotherapie zur Verbesserung der Muskelfunktion. So können Patientinnen bestmöglich behandelt werden.

Mittels Ultraschall analysiert Dr. Geissbühler die Ursache von Blasen- oder Beckenbodenbeschwerden. Ziel des Beckenbodenzentrums für die Frau am KSW ist es, die Beschwerden interdisziplinär zu betrachten und die bestmögliche Therapie von allen beteiligten Fachbereichen gemeinsam festlegen zu lassen.

Nach einem Jahr entschloss sich Anna S. zu einer operativen Therapie, nachdem sie zuerst alle anderen Möglichkeiten ausprobiert hatte. Die Operation verlief problemlos, und bei der Nachkontrolle äusserte sich Anna S. froh darüber, sich für diesen Weg entschieden zu haben. Seit der Operation sei es weder zu Urin- noch zu Stuhlverlust gekommen, sie ist somit beschwerdefrei.

Der Beckenboden ist eine anatomisch komplexe Struktur: Harnröhre, Harnblase, Vagina, Gebärmutter und der Darm sind wichtige Elemente.

Ziel des Beckenbodenzentrums für die Frau am KSW ist es, die Beschwerden interdisziplinär zu betrachten und die bestmögliche individuelle Therapie von allen beteiligten Fachbereichen gemeinsam festlegen zu lassen. Am Beckenbodenzentrum sind die Gastroenterologie, die Gynäkologie, die Urologie, die Neurologie sowie die Viszeralchirurgie/Proktologie beteiligt. Neben den ärztlichen Fachbereichen spielen bei der Betreuung der Patientinnen auch die Physiotherapie und die Urotherapie eine wesentliche Rolle. Durch regelmässig stattfindende Publikumsveranstaltungen, Ärztefortbildungen und Qualitätszirkel sollen die Öffentlichkeit wie auch externe Fachpersonen auf das Beckenbodenzentrum aufmerksam gemacht werden. Ein wesentliches Ziel für die nahe Zukunft stellt die Zertifizierung des Beckenbodenzentrums nach iCert dar.

In Zukunft haben Frauen jeden Alters mit Beckenbodenbeschwerden eine Anlaufstelle – das Beckenbodenzentrum für die Frau am Kantonsspital Winterthur.