COVID-19 forderte das KSW heraus

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie prägten das Geschäftsjahr 2020 des Kantonsspitals Winterthur (KSW) nicht nur finanziell, sondern auch strukturell. Das Pandemiemanagement stellte den Normalbetrieb in einer Ausnahmesituation mit rund 600 COVID-19-Patientinnen und -Patienten sicher. Dennoch mussten Operationen aufgeschoben werden, was im Verlauf des Jahres nicht mehr kompensiert werden konnte. Aufgrund des ausserordentlichen Einsatzes der Mitarbeitenden meisterte das KSW die ausserordentlichen Herausforderungen jedoch sehr gut.

Zusammenspiel und Agilität des Kantonsspitals Winterthur wurden im Corona-Jahr auf die Probe gestellt. So hatte das KSW bereits im Januar 2020, zu Beginn der COVID-19-Pandemie, eine interdisziplinäre Taskforce einberufen. Diese wurde Ende März in ein Pandemiemanagement überführt, welches den Normalbetrieb parallel zum COVID-19-Ausnahmebetrieb auf Grundlage eines neu entwickelten Langzeitkonzepts sicherstellte. Auch unter erschwerten Bedingungen stellte das KSW, als eines der fünf COVID-A-Spitäler im Kanton Zürich, die medizinische Versorgung der Bevölkerung aus der Region jederzeit sicher. Es passte Organisation und Infrastruktur der aktuellen Situation entsprechend rasch an. Als eines der ersten Spitäler bot das KSW PCR-Tests an, die im eigenen Labor ausgewertet wurden.

Spezialisiertes Pflegepersonal und interdisziplinäre Zusammenarbeit

Die Mitarbeitenden des KSW zeichneten sich im herausfordernden Pandemiejahr 2020 durch hohe Flexibilität und Belastbarkeit aus. Fachpersonal aus der Palliativmedizin unterstützte bei sehr belastenden Patientensituationen. Durch die personelle Unterstützung von Pneumologie, Physiotherapie und spezifisch ausgebildetem Pflegefachpersonal war es möglich, auf der COVID-19-Station eine spezialisierte «respiratorische» Einheit aufzubauen und die Intensivstation zu entlasten. Von August bis Oktober 2020 wurden rund 50 zusätzliche Stellen besetzt, um über mehr Kapazität für die Behandlung der Patientinnen und Patienten im Normalbetrieb und auf den COVID-19-Abteilungen zu verfügen. Die durchschnittliche Zahl der Vollzeitstellen stieg 2020 um 58 oder 2,3% auf total 2523. Aber auch in die Aus- und Weiterbildung wurde investiert: Durch die Ausbildung von 425 Personen in 27 Gesundheits- und
Supportberufen wurde die Ausbildungsverpflichtung des Kantons Zürich um rund 14% übertroffen. Allein in der Pflege befanden sich total 294 junge Frauen und Männer in einer Berufslehre oder in Ausbildung an einer Höheren Fachschule (HF) oder Fachhochschule (FH).

Projekte und Themen, die das KSW 2021 bewegen werden

Die Pandemie brachte manches zum Stillstand und verzögerte die Arbeiten am Neubau um ein halbes Jahr. Inzwischen sind die Aussenarbeiten abgeschlossen und der Innenausbau schreitet zügig voran. Der Ersatzneubau «didymos» soll Ende Oktober fertiggestellt sein, damit der Betrieb wie geplant per Februar 2022 aufgenommen werden kann. Im Laufe des Jahres wird zudem die neue Einheit «Prozessgestaltung und Digitalisierung» mit dedizierten betrieblichen Kompetenzen aufgebaut. Einerseits sind für die Ablösung des Klinikinformationssystems ausreichend interne Ressourcen nötig, anderseits sind im Interesse der Patientinnen und Patienten bereichsübergreifende Gesamtprozesse rasch und konsequent zu schärfen, zu ordnen und sinnvoll zu digitalisieren. Im Rahmen der vom Kanton angekündigten Spitalplanung 2023 wird das KSW in diesem Jahr beantragen können, welche Leistungsangebote per 2023 weitergeführt, eingestellt oder neu aufgebaut werden sollen. Diese strategische Weichenstellung ist für das KSW als Zentrumsspital wichtig. Auch an den Themen «Führung und Organisation» sowie «Risikomanagement» wird intensiv weitergearbeitet, um die wachsende Organisation auf künftige Herausforderungen optimal auszurichten.

Der Ausfall an Erträgen infolge der Corona-Pandemie wird das Ergebnis des KSW auch für das Geschäftsjahr 2021 deutlich mindern. Herausforderung ist die strukturelle Unterfinanzierung, denn die ambulante wie auch die stationäre Behandlung der grundversicherten Patientinnen und Patienten ist defizitär. Deshalb setzt sich das KSW auch in diesem Jahr weiterhin für vollkostendeckende Tarife im Grundversicherungsbereich ein.

Kleiner Gewinn trotz Mehraufwand und weniger Ertrag

Der Jahresabschluss 2020 wurde am 9. März 2021 in einer Medienmitteilung veröffentlicht, somit sind hier nur noch die wichtigsten Angaben zusammengefasst. Das KSW hatte zu Beginn des vergangenen Jahres eine weitere positive Entwicklung der Anzahl Behandlungen im ambulanten und stationären Bereich erwartet. Durch das vom Bundesrat erlassene Verbot für nicht dringliche Behandlungen mussten Operationen und Therapien aber verschoben werden. Auch wenn ein Teil im Sommer nachgeholt werden konnte, absorbierte die hohe Zahl an hospitalisierten COVID-19-Patienten Ende Jahr viele Ressourcen. Insgesamt führte die Corona-Pandemie im stationären Bereich zu einem Ertragsrückgang von 4,1%, während dieser Wert in den vergangenen Jahren im Durchschnitt um 3% pro Jahr gewachsen war.

Das Herunterfahren des Operationsbetriebs, die Schliessung von Abteilungen oder die Rekrutierung von zusätzlichem Personal wirkten sich finanziell massiv aus und mussten sorgfältig auf die Vorgaben des Kantons und des Bundes sowie auf die aktuelle Lage abgestimmt werden. Insgesamt betragen 2020 die Corona-bedingten Netto-Erlösausfälle 20 bis 30 Mio. CHF. Hinzu kommen höhere Personalkosten von rund 6 Mio. CHF für die zeitintensive Behandlung von COVID-19-Patientinnen und -Patienten und die COVID-19-Tests sowie zusätzliche Sachkosten im Umfang von 2 Mio. CHF für Schutzmaterial, Testinfra-struktur, Reinigung und externes Sicherheitspersonal. Trotzdem schliesst das KSW das Geschäftsjahr 2020 mit einem kleinen Gewinn von 1,7 Mio. CHF ab. Die EBITDAR-Marge liegt mit 6,6% zum ersten Mal seit der Einführung der neuen Spitalfinanzierung im Jahr 2012 unter dem Zielwert von 10%. Hypothetisch bereinigt um die Sondereffekte aufgrund der Corona-Pandemie würde das Betriebsergebnis auf bzw. über dem Niveau des Vorjahres liegen.$


COVID-19: Zahlen und Fakten

  • Zwischen März 2020 und Januar 2021 wurden im Departement Medizin 634 COVID-19-Patientinnen und -Patienten stationär behandelt, 57 verstarben. Knapp zwei Drittel der Verstorbenen waren mindestens 80 Jahre alt. 59% der Hospitalisierten waren Männer, 41% Frauen. Die 65- bis 79-Jährigen machten mit 34% den grössten Anteil aus, was vor allem in der zweiten Welle erkennbar war; 75 Tage dauerte die längste Hospitalisierung.
  • Knapp 12% der COVID-19-Patienten mussten auf der Intensivstation behandelt werden. In der ersten Welle waren es mit 16% deutlich mehr als in der zweiten Welle mit 9%. Die 18 Betten der Intensivstation waren zwischen 94 und 100 Prozent ausgelastet. Die Aufenthaltsdauer sank von 15 auf 12 Tage in der zweiten Welle; der längste Aufenthalt betrug 61 Tage. Die Sterberate stieg von 5% in der ersten Welle auf 18% in der zweiten Welle. Ein Grund dürfte in den Krankheitsverläufen liegen, die in der zweiten Welle deutlich schwerer waren.

Der Jahresbericht 2020 sowie der Finanzbericht und der Leistungsbericht des KSW sind ab 28. April 2021 online unter www.jahresbericht.ksw.ch zu finden.

Kontakt für Medien:
Für Rückfragen steht Ihnen am 28.04.2021 von 11.00 bis 13.00 Uhr Spitaldirektor Rolf Zehnder unter Tel. 052 266 21 02 zur Verfügung.


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PDF: Medienmitteilung


Das Kantonsspital Winterthur (KSW) gehört zu den zehn grössten Spitälern der Schweiz. Als ein Zentrumsspital behandelt es jährlich rund 240’000 Patientinnen und Patienten ambulant und rund 27’000 stationär. Mit 3800 Mitarbeitenden und 500 Betten stellt es in der Spitalregion Winterthur die medizinische Grundversorgung sicher und erbringt zusätzlich Leistungen der spezialisierten Versorgung für die umliegenden Spitäler. Darüber hinaus erfüllt das KSW einen umfassenden Ausbildungsauftrag.


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