Orthopädie und
Traumatologie

Innovationen sind nicht alles

Beim operativen Ersatz von Kniegelenken kommen laufend neue Methoden und Technologien auf den Markt. Dr. Peter Koch erläutert, was bei diesen Eingriffen wirklich entscheidend ist.

Herr Dr. Koch, wann ist der geeignete Zeitpunkt für einen Kniegelenksersatz?

Wenn auf dem Röntgenbild eine deutlich fortgeschrittene Arthrose zu erkennen ist, der Patient einen grossen Leidensdruck verspürt und seine Lebensqualität erheblich eingeschränkt ist. Dennoch gilt: Nur weil der Patient eine schlimme Arthrose hat, braucht er nicht unbedingt eine OP.

«Patienten müssen ausgiebig informiert werden.»

Wenn die Zeichen dennoch auf Operation stehen, was ist wichtig, um ein möglichst gutes Resultat und somit zufriedene Patienten zu haben?

Es braucht einen guten und erfahrenen Kniechirurgen, eine gute Prothese und nicht zuletzt zur richtigen Zeit den richtigen Patienten. Darüber hinaus spielt es natürlich eine wichtige Rolle, wie die Operation verläuft, genauso wie die Schmerzbehandlung und die postoperative Betreuung inklusive Physiotherapie.

Unerwähnt liessen Sie die Operationstechnik, von der doch immer wieder die Rede ist. Warum?

Leider werden die meisten sogenannten innovativen Operationstechniken verkauft, ohne überhaupt Erfahrungswerte zu haben. Es wird versucht, den Patienten die neue Technik schmackhaft zu machen, jedoch geht dabei die Wissenschaft verloren, die Evidenz, die dahintersteckt. Zwar kann man schon nach kurzer Zeit gewisse Effekte sehen – ob eine Prothese wirklich gut ist, sieht man jedoch erst nach zehn bis 15 Jahren. Ich glaube, sogenannte Innovationen in der Prothetik sind immer mit grosser Vorsicht zu geniessen.

Welche Möglichkeiten der computertechnischen Unterstützung gibt es heute bereits?

Vor gut 20 Jahren hat alles mit der Navigation begonnen. Ziel dabei war es, die Achsen ganz präzise einstellen zu können. Dann sind vor rund zehn Jahren die patientenspezifischen Schnittblöcke hinzugekommen, wo mithilfe von CT-Schnittbildern und Computerplanung die Positionierung der Prothese verbessert werden sollte. Seit etwa zwei Jahren ist die Knieprothese aus dem 3D-Drucker in aller Munde, und die neueste Innovation ist aktuell die roboterunterstützte Operation. Grundsätzlich haben sämtliche Techniken in wissenschaftlichen Studien gezeigt, dass zwar die Präzision verbessert werden konnte, die subjektiven Ergebnisse, also das Empfinden des Patienten und damit seine Zufriedenheit, kaum relevante Unterschiede gezeigt haben.

Dennoch bevorzugen Sie sicherlich eine bestimmte Technik?

Ich präferiere die patientenspezifischen Schnittblöcke und wende diese Technik seit über neun Jahren an. Mittels 3D-gedruckter Abdrücke, die während der Operation präzise auf das Knie gelegt werden, sind wir in der Lage, durch bestimmte vorgegebene Schlitze exakt sägen zu können. Wir haben mit dieser Technik sehr gute Erfahrungen gemacht, was eigens angefertigte wissenschaftliche Untersuchungen untermauern. Diese Technik erlaubt uns ein präziseres und effizienteres Arbeiten im Operationssaal. Der Eingriff geht schneller und es werden weniger Instrumente benötigt; es ist somit vor allem ein Vorteil für uns Operateure. Ob die Patienten zufriedener sind als mit den herkömmlichen Methoden können auch wir nicht mit wissenschaftlichen Daten beweisen. Dennoch geht es mir nicht darum zu sagen, wie gut wir etwas machen. Das sollen andere beurteilen. Mir ist es wichtig, dass Patienten korrekt informiert sind und nicht alles glauben, was in Hochglanz-Broschüren oder auf Webseiten steht.

Eingangs sprachen Sie davon, dass für den Erfolg auch der Patient mitspielen müsse. Inwiefern?

Er muss damit rechnen, kein natürliches neues Knie zu erhalten. Ab und zu kann es zu Schmerzereignissen oder Schwellungszuständen kommen. Am wichtigsten nach der Operation sind ein guter Muskelaufbau und Bewegung. Das kann manchmal heissen, auch Tränen, Schweiss und Schmerz aushalten zu müssen. Tägliche selbstständige Übungen sind ein Muss, um kurz- und mittelfristig Erfolg zu haben. Damit dies auch langfristig gelingt, spielt neben der Knieprothese auch das Verhalten eine immense Rolle. Wird jemand massiv übergewichtig, sind die Resultate mit Sicherheit schlechter. Aber auch wenn jemand extrem sportlich oder sonst sehr aktiv ist, hält die Prothese eher weniger lang respektive nützt sich schneller ab.