Dünndarm-Ersatzblase in einer roboterassistierten Operation angelegt

Schweizer Premiere in der Operationstechnik am Kantonsspital Winterthur

Schon seit einiger Zeit kann die vollständige Entfernung der Blase in einem roboterassistierten laparoskopischen Eingriff vorgenommen werden. Nun ist es einem Operationsteam am Kantonsspital Winterthur (KSW) um Prof. Dr. med. Hubert John, Chefarzt der Klinik für Urologie, gelungen, unter Anwendung dieser sogenannten Schlüssellochtechnik auch eine Ersatzblase aus Dünndarm anzulegen und mit der Harnröhre zu verbinden. Dass diese äusserst anspruchsvolle Operation an einem öffentlichen Spital in der Schweiz durchgeführt wurde und nun ins reguläre Programm aufgenommen werden kann, ist eine Premiere.

Wenn Blasenkrebs die Totalentfernung der Blase (radikale Zystektomie) notwendig macht, war früher eine offene Operation die einzige Option. Seit einigen Jahren steht dafür dank dem Da-Vinci- Operationsroboter auch eine minimalinvasive Methode zur Verfügung. Nach einem solchen Eingriff wird der Urin in der Regel über eine aus Dünndarm geformte Ableitung durch einen künstlichen Ausgang (Stoma) in der Bauchdecke nach aussen geleitet und in einem Beutel gesammelt. Das bedeutet für den Patienten allerdings eine wesentliche Einschränkung im Alltag. Alternativ kann aus einem Stück Dünndarm eine Ersatzblase gebildet und mit der Harnröhre verbunden werden. Dies ermöglicht es dem Patienten, den Urin auch nach der Operation auf dem üblichen Weg zu lösen. Erstmals ist es nun dem Urologieteam am KSW gelungen, auch diesen sehr anspruchsvollen Eingriff roboterassistiert laparoskopisch durchzuführen.

Rückblick

Vor rund einem Jahr begann man am KSW damit, die Ableitung aus Dünndarm, durch die der Urin zum Stoma in der Haut geleitet wird, in einer minimalinvasiven Operation anzulegen. 2015 wurde dieser schonende Eingriff mit gutem Erfolg bei zwölf Patienten vorgenommen.

In den vergangenen Wochen ist es dem KSW-Team nun bei drei Patienten gelungen, neben der Blasenentfernung auch das Anlegen einer Dünndarm-Ersatzblase unter Verwendung des Da-Vinci- Operationsroboters vollständig laparoskopisch vorzunehmen. Alle drei Patienten konnten das Spital schon nach kurzer Zeit verlassen – ohne einschränkendes Stoma.

Grosse Expertise

Roboterassistierte laparoskopische Eingriffe erfordern vom Operationsteam grosse Expertise. Das Team am KSW um Prof. Dr. med. Hubert John erfüllt diese Voraussetzung, hat er doch 2002 die ersten roboterassistierten urologischen Operationen in der Schweiz durchgeführt. Damals ging es um die vollständige Entfernung der Prostata, seither wird die Technik auch in anderen Bereichen eingesetzt. Prof. John hat mittlerweile rund 2000 solcher Eingriffe durchgeführt, die Hälfte davon am KSW.

«Vor 14 Jahren war es noch ein Traum, die ganz komplexen urologisch-rekonstruktiven Eingriffe wie eben das Anlegen einer Dünndarm-Ersatzblase an der Harnröhre laparoskopisch roboterassistiert durchzuführen», meint Prof. John dazu.

«Da Vinci»-Programm am Kantonsspital Winterthur

Die roboterunterstützte Operationstechnik mit dem Da-Vinci-Operationsroboter am KSW hat sich in den vergangenen Jahren bewährt. Sie ermöglicht schonende Eingriffe, zeitigt sehr gute Ergebnisse und bedingt nur einen kurzen Spitalaufenthalt.

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André Haas
Leiter Unternehmenskommunikation
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