Brustzentrum

Automatischer Brustultraschall zur Früherkennung von Brustkrebs

Bei der Früherkennung von Brustkrebs sind bildgebende Verfahren unerlässlich. Hierbei zunehmend im Kommen ist der ABUS -Ultraschall. Wie und wann er zum Einsatz kommt, weiss Dr. Barbara Grüber-Hoffmann.

Frau Dr. Grüber-Hoffmann, das Brustgewebe jeder Frau ist unterschiedlich. Welche Herausforderung bringt dies bei der Brustkrebsfrüherkennung mit sich?

Bei Patientinnen mit dichtem Brustgewebe sind kleine Tumoren durch eine Mammografie gelegentlich nicht festzustellen, weil diese vom umgebenden Gewebe überlagert sein können. Wie dicht die Brust ist, hängt vom Alter der Patientin, von ihrer Veranlagung, von der Brustgrösse und der hormonellen Stimulation ab. Nach derzeitiger Studienlage ist sowohl die Dichte der Brust als auch das Alter der Patientin ein Risikofaktor, an Brustkrebs zu erkranken.

Wozu ist ein ergänzender Ultraschall in der Lage?

Bei röntgendichtem Drüsengewebe in der Mammografie führt der Ultraschall als ergänzende Methode zum sichereren Finden oder Ausschluss eines Mammakarzinoms. Zudem hilft der  Ultraschall zur Abklärung von auffälligen Mammografie- und Tastbefunden, Hauteinziehungen oder auch bei Sekretion. Nicht zuletzt wird der Ultraschall im Rahmen der Brustkrebsnachsorge und bei Frauen unter 40 respektive unter 50 – je nach Brustbeschaffenheit – zur Früherkennung von Brustkrebs ohne die Mammografie eingesetzt.

Immer häufiger zum Einsatz kommt der automatisierte Ultraschall. Was kann diese neuartige sogenannte ABUS-Methode?

Dieser Ultraschall kombiniert die Automatisierung des Brustultraschalls mit einem 3D-Scanner. Dabei scannt das System automatisch mehr als 350 Ultraschallbilder, die dann in 3D-Datensätze umgewandelt werden. So wird die gesamte Brust überlappend dargestellt. Die Bild-Akquisition und Interpretation sind getrennt, sodass die erzeugten Bilder als kompletter Datensatz vorliegen und jederzeit mehrmals – auch retrospektiv – angeschaut werden können.

Welche Vorteile hat die ABUS-Methode?

Der akquirierte Datensatz kann unabhängig von der Anwesenheit der Patientin durch zwei Fachärzte beurteilt werden. Auch wird die Vergleichbarkeit mit Voruntersuchungen vereinfacht. Nach Studienlage ist die Genauigkeit der Methode ausreichend hoch, um sie zur Detektion eines Tumors einzusetzen. Deshalb findet der ABUS derzeit überwiegend im Rahmen der Vorsorge und zur Verlaufskontrolle von gutartigen Knoten Anwendung.

Wie läuft dieser automatisierte Ultraschall ab?

Auf dem Rücken liegend, wird der Patientin ein starrer Rahmen an einer Teleskopstange auf die Brust aufgesetzt und angedrückt. Anschliessend fährt ein multifrequenter Ultraschallkopf automatisch über die Fläche des Rahmens und erzeugt dabei 350 Bilder. Währen der circa 20 Minuten andauernden Untersuchung wird mittels drei überlappender Scans das gesamte Volumen der Brust erfasst.

Wenn diese Methode so eine hohe Detektionsrate hat, wieso kann sie nicht gleich den herkömmlichen Ultraschall ersetzen?

Die Detektionsrate des ABUS im Rahmen der Vorsorge ist nach Studienlage sehr gut. An unserem Institut führen wir die ABUS-Untersuchung routinemässig im Rahmen der Vorsorge durch, insbesondere in Kombination mit der Mammografie, aber auch als alleinige Methode bei jungen Frauen. Im Rahmen der Abklärung von auffälligen Befunden kann der Automatische Brustultraschall den vom geübten Untersucher durchgeführten Ultraschall ergänzen, jedoch noch nicht ersetzen. Bei einem auffälligen Befund nach dem ABUS führen wir deshalb bei der noch liegenden Patientin zusätzlich eine fokussierte Sonografie mit einem hochauflösenden Ultraschallgerät durch.

Trotz dieser überzeugenden Vorteile, warum bleibt das Mammografie-Screening konkurrenzlos?

Beim Mammografie-Screening handelt es sich um die einzige Vorsorge-Methode, für die mit grossen epidemiologischen Studien bewiesen ist, dass sie die Brustkrebssterblichkeit zu senken vermag. Auch wissen wir, dass seit der Einführung von Screening-Programmen bei Entdeckung eines Mammakarzinoms ein prognostisch günstigeres Tumorstadium besteht. Empfohlen werden alle zwei Jahre eine Screening-Mammografie für Frauen zwischen 50 und 70 Jahren – diese profitieren am stärksten, da ab diesem Alter die Häufigkeit von Brustkrebs stark zunimmt.