ANGEBOT
In den letzten Jahrzehnten hat sich aus den beiden klassischen Disziplinen Medizin und Chirurgie eine Vielzahl von Spezialitäten entwickelt und teilweise verselbstständigt. Parallel dazu haben, unterstützt durch eine rasante technische Entwicklung, die therapeutischen Optionen sehr stark zugenommen. Dies führt immer häufiger dazu, dass ein einzelner Spezialist nicht mehr das gesamte Armamentarium beherrscht, um eine bestimmte Erkrankung zu behandeln.
Die Gefässerkrankungen sind ein typisches Beispiel für diese Entwicklung. Noch bis Ende der 40er Jahre bestand die Therapie der arteriellen Verschlusskrankheit in der Amputation des betroffenen Beines. Erst vor 50 Jahren hat Kunlin erstmals einen Venenbypass zur Erhaltung einer chronisch ischämischen Extremität angelegt. In der Zwischenzeit hat sich das Spektrum der diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten derart erweitert, dass eine ganze Reihe von Spezialisten aus verschiedenen Disziplinen in die Abklärung und Therapie der arteriellen und venösen Erkrankungen involviert sind.
In dieser Situation wird die interdisziplinäre Zusammenarbeit, das Gespräch zwischen diesen Spezialisten entscheidend wichtig, um für den Patienten aus den allenfalls bestehenden therapeutischen Optionen die beste auszuwählen. Traditionellerweise bestand vor allem in den öffentlichen Spitälern eine recht starke Trennung der verschiedenen, in sich hierarchisch gegliederten Kliniken, was zusammen mit einem vielerorts vorhandenen Konkurrenzdenken diese Zusammenarbeit zum Nachteil des Patienten erschwerte. Wir sind der Überzeugung, dass weniger medizinische Hierarchien als vielmehr die Konzentration auf eine gute Qualität und eine effiziente Organisation eine patientenfreundliche und auch kostenbewusste Medizin ermöglicht.
Wir haben uns deshalb entschieden, im Bereich der Gefässerkrankungen die Zusammenarbeit durch eine interne Umstrukturierung im Sinne eines klinikübergreifenden Gefässzentrums zu verbessern. Die Behandlung von Gefässerkrankungen hat am Kantonsspital Winterthur ja eine langjährige Tradition. So war das Kantonsspital Winterthur unter anderem das erste nichtuniversitäre Spital, welches vor 10 Jahren eine angiologische Abteilung eröffnete.
Mit der Bildung des Gefässzentrums Winterthur möchten wir die Behandlung der Gefässpatienten weiter optimieren und den Weg für Sie, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, vereinfachen. Sie haben seit 1. November 1998 die Möglichkeit, alle Patienten mit Gefässleiden einer Stelle zuzuweisen, unabhängig davon, ob sie eher den Angiologen, den Gefässchirurgen oder den Radiologen ansprechen möchten. Wir versichern Ihnen, dass wir in guter interdisziplinärer Zusammenarbeit den Patienten, wo nötig gemeinsam beurteilen und jene Therapie vorschlagen, zu der wir gemeinsam stehen können. Im Rahmen der Abklärung von Erkrankungen der hirnversorgenden Arterien pflegen wir eine enge Zusammenarbeit mit den Neurologen in der Stadt und im Hause.
Unser Ziel ist es, eine individuell auf die Situation und die Bedürfnisse des Patienten zugeschnittene, qualitativ hochstehende Abklärung und Betreuung anzubieten, wobei wir gleichzeitig unsere Ressourcen vernünftig einsetzen möchten. So haben wir bereits in den letzten Jahren durch die vermehrte Nutzung der Farbdoppler-Sonographie die Zahl der invasiven Abklärungen deutlich reduzieren können. Phlebographien zur Varizenabklärung beispielsweise sind fast vollständig verschwunden, und die früher routinemässig durchgeführten Angiographien zur Bypassnachkontrolle sind ebenfalls durch die deutlich kostengünstigere und risikoärmere Farbdoppler-Sonographie ersetzt worden.
Zur Erreichung dieser Ziele wurde ein von den Klinikleitungen und der Spitalleitung verabschiedetes Konzept erarbeitet, welches die nötigen Massnahmen festhält.