|
Hausärzte und Kantonsspital Winterthur schaffen ein neues Angebot für die Rehabilitation von Herzinfakt-Patienten: Die ambulante Herzrehabilitation schliesst nach einem Herzinfarkt die Behandlungslücke zwischen der im Akutspital beginnenden Rehabilitation («Phase I») und der Langzeitrehabilitation («Phase III», Herzgruppe Winterthur). Das neue Angebot am Kantonsspital Winterthur beruht auf der Zusammenarbeit der Hausärztevereinigung «Wintimed», des Hausärztevereins «hawa» und des KSW. Gesamthaft ist das ambulante Programm gegenüber der stationären Variante in einem Rehabilitationszentrum etwas kostengünstiger.
Der Entscheid, welcher Patient ambulant, welcher stationär rehabilitiert werden soll, muss gemäss Risikobeurteilung (Ausmass des Herzmuskelschadens, Herzschwäche, Rhythmusstörungen, Zusatzerkrankungen, Leistungsfähigkeit, etc.) und der individuellen Situation des Patienten getroffen werden. Für ein ambulantes Rehabilitationsprogramm ist die Rehabilitation in gewohnter und dem Patienten bekannter Umgebung unter Einbezug des sozialen Umfeldes (z.B. Lebenspartner) erwünscht und möglich. Weiter dauert das ambulante Programm länger und bietet deshalb bessere Chancen für eine anhaltende Lebensstiländerung. Weniger geeignet ist das ambulante Programm für Risikopatienten oder früh nach einer Herzoperation.
Herzrehabilitation heute
Der Herzinfarkt, ein zumeist einschneidendes und unerwartetes Ereignis, führt bei praktisch allen Patienten zu grosser Verunsicherung, verbunden mit Angst, wie das Leben weitergeht. Vielfach wird der Herzinfarkt vom Patienten als Warnschuss und als Zeichen verstanden, dass er etwas in seinem Leben ändern muss, als eine „Aufforderung“ kürzer zu treten. Früher war ein Patient nach einem Herzinfarkt für Wochen im Spital bettlägrig und ging nachher zum Wiederaufbau des während der Spitalphase eingetretenen körperlichen Abbaus in die Rehabilitation. Heute ist der Patient nach einem Herzinfarkt nur noch wenige Tage im Spital und dementsprechend haben sich die Aufgaben der Herzrehabilitation gewandelt. So spricht man heute von einer umfassenden Rehabilitation. Diese Sichtweise berücksichtigt, dass es sich beim Herzinfarkt um eine chronische Krankheit handelt, nämlich die koronare Herzkrankheit – im Volksmund die „Arterienverkalkung“ (Arteriosklerose) der Herzkranzgefässe.
Die Hauptaufgaben der Herzrehabilitation sind heute: Hilfe bei der Krankheitsverarbeitung anzubieten und sowohl die körperliche Leistungsfähigkeit als auch die Lebensqualität zu fördern. Weitere wichtige Hauptziele sind die allgemeine Gesundheitsförderung und die möglichst rasche berufliche und/oder soziale Reintegration (altersunabhängig!) des Patienten. Diese Ziele können erreicht werden durch Reduktion bzw. Elimination der Herzkreislauf-Risikofaktoren, was eine Modifikation des Lebensstils bedingt: regelmässige körperliche Bewegung, gesunde Ernährung, Verzicht auf Rauchen und Abbau von übermässigem Stress. Daneben werden die Risikofaktoren wie zu hohes Cholesterin, Bluthochdruck und Zuckerkrankheit medikamentös optimal behandelt.
Was heisst das für den Patienten? Ist jetzt alles, was Lust und Freude macht verboten? Sicher nicht, vielmehr soll dem Patienten aufgezeigt werden, wie mit Lebensstiländerungen Genuss möglich ist, vielleicht sogar auf einem höheren Wohlfühlniveau als vor dem Infarkt, sicher aber auf einem gesünderen. Mittels eines wohldosierten, abwechslungsreichen Aufbautrainings soll der Patient lernen, wie sein Körper auf Belastungen reagiert, welche Belastungen sinnvoll sind und wie diese richtig dosiert werden (Dauer, Häufigkeit und Intensität). Das vielfach etwas in Vergessenheit geratene Körperempfinden soll durch körperliches Training und Informationen geschult werden.
Mit diesen Rehabilitationsmassnahmen wird eine Reduktion der Herzkreislauferkrankung und der Sterblichkeit an Herzinfarkt erreicht. Viele medizinischen Studien und Beobachtungen zeigen für eine umfassende kardiale Rehabilitation folgenden Nutzen: Verbesserung der Lebensqualität, der körperlichen Leistungsfähigkeit, positive Beeinflussung des Blutfettstoffwechsels, des Blutzuckers, des Bluthochdrucks und Erfolg bei der Rauchentwöhnung. Die Sterblichkeit an Herzkreislauferkrankungen kann durch diese Massnahmen um bis zu 25% (in 10 Jahren) gesenkt werden. Das Fortschreiten der Arteriosklerose wird mindestens teilweise durch die Lebensstiländerungen verhindert.
Ziel der Rehabilitation ist , dass der Patient seine Krankheit umfassend kennt, sich mit der Krankheit arrangieren kann, sich lust- und sinnvoll ernährt und sich mässig, aber regelmässig bewegt. |