KUNST IM KSW
| Bilderserie «Vom Grossen ins Kleine» von Alfred Auer |
Zu den Arbeiten von Alfred Auer für das KSW
Von Peter Stutz dipl. Architekt ETH SIA BSA
Als Konkreter hat Auer, von Richard Paul Lohse ausgehend, konsequent eine eigene Bildsprache entwickelt und diese auch im architektonischen Kontext überzeugend zur Anwendung gebracht. Dies liest man in einem Text, welcher anlässlich der Verleihung des Kunstpreises 2007 der Carl-Heinrich-Ernst-Stiftung veröffentlicht worden ist.
Beispiele für Auers Schaffen, wie es im obenstehenden Text in knapper, präziser Form umschrieben ist, finden sich mit den verschiedensten Bezügen ab 1995 in den Räumen des Kantonsspitals Winterthur. Zunächst waren es die kräftigen Farbakzente, welche Auer in den Korridorbereichen des Osttrakt-Neubaus setzte. Themen, die er später in feiner Reduktion in den Dialyseräumen wieder aufnehmen konnte. In räumlicher Verwandtschaft folgten Bildtafeln im Verbindungsgang zwischen Hochhaus und Osttrakt. Auch der Faltparavent und weitere Tafeln im Wartebereich der Radio-Onkologie sind markante Beiträge von Alfred Auer.
Als Architekten waren wir immer wieder überrascht, wie behutsam – bei aller expressiven Farbdynamik – Auer auf die jeweiligen Raumfolgen reagieren konnte, eine grosse Bescheidenheit und Zurückhaltung immer wieder, wie sie auch seinem ganzen Wesen eigen ist. Auer gehört wohl nicht nur in der vativsten und originellsten konkreten Künstlern seiner Generation. Wenig bekannt sind sein realistisches Frühwerk, sein Beitrag zur Popart sowie die in den sechziger und frühen siebziger Jahren entstandenen konzeptuellen Arbeiten. Die Ausstellung im Kunstmuseum Thun über die Popart in der Schweiz machte vor kurzem klar, wie souverän und eigenständig Auer die Mechanismen der Konsumgesellschaft, die Warenästhetik, die politischen und gesellschaftlichen Prozesse der sechziger Jahre in seinen photorealistischen Bildern reflektierte und dabei neue Ikonen schuf. Der Realitätsbezug führte zu Wahrnehmungsanalysen wie der Prismenbrille.
Auer leistete des Weiteren einen engagierten Beitrag zur Konzeptkunst. Er veranstaltete Aktionen und Environments. Und immer war es ihm ein Anliegen, künstlerische Selbsthilfe zu organisieren, die in erster Linie seinen Freunden und Kollegen zugute kam. Die 1973 gegründete Galerie ge kann mit Fug und Recht als Auers Kind bezeichnet werden. So weit ein weiterer Auszug aus dem eingangs erwähnten Text.
Seine Beiträge im Kantonsspital Winterthur, so ist zu hoffen, sollen nicht allein Patienten und Besucher immer wieder zu Farb- und Bild- Begegnungen nicht alltäglicher Art einladen – auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Pflegepersonen, Ärztinnen und Ärzte erfahren mit dieser seiner Kunst eine glückhafte Harmonie und gleichzeitig ebenso Anspruch zur Auseinandersetzung mit Werten, von denen Giorgio Morandi (das Kunstmuseum Winterthur besitzt wunderbare Werke des Malers aus Bologna) schrieb: La pittura e cosa mentale (Zitat NZZ vom 12./13.4.08).